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Impressum
Rubriken
Editorial
Glosse
Kein Mehrkornbrötchenminister für
Ahaus
Monatsrückblick
Wolfgang Schlicht blickt zurück
Titel
Hitlers
willige SchnäppchenjägerInnen
Die Ausstellung "Aktion 3. Deutsche verwerten jüdische Nachbarn" im K 4
Die Nürnberger Masssenverhaftungen 1981
Vom Rechtsstaat und anderen bürgerlichen Utopien
Diskussion
Zur
Debatte um linke Kultur?
Erwiderungen zu tomek's Linke Mythen in Tüten
Aus
und vorbei
Kommentar: Verfahren gegen 32 Passauer AntifaschistInnen
eingestellt
International
Stammheim
am Bosporus
Gibt es noch eine Lösung im Hungerstreik der politischen Gefangenen in der Türkei?
Den
Unterschied zu vergessen, bedeutet den Sinn der Geschichte aufzugeben
Revisionismus in der aktuellen Debatte um Resistenza
und Faschismus in Italien
Wer
sich nicht bewegt
Und
alles was du da noch sagen kannst ist...
Eindrücke von der SchülerInnendemo gegen Rechts in Nürnberg
Bundesdeutsche
Flüchtlingspolitik und ihre tödliche Folge
Dokumentation der Antirassistischen Initiative erlin
Nazis
in die Aurach
Nazis in Herzogenaurach
§129-Verfahren
in Erfurt
Spenden für Anwaltskosten gesucht
Musik
& Literatur
GRAUZONE
Rechte Tendenzen in der "Dark Wave"-Szene
Teil 2: Die MusikantInnen
Fundstücke
aus dem Widerstand
Schicksale österreichischer SpanienkämpferInnen
WER
HAT ANGST VOR VALERIE SOLANAS?
Die Frau die Warhol erschoss
Die
Jahre mit Laura Díaz
Carlos Fuentes' literarische Bilanz des “schrecklichen
20. Jahrhunderts”
Adventures
on the Wheels of Steel
Buch über die Geschichte des Soul
Die
Erben der Scherben
Scherben-Lieder in einen anderen Rahmen gerückt
JOHNNY
DOWD
Von White Trash & Country, Gothic & Gender - aus dem Nähkästchen des Unterbewusstseins
Plattentips
AURORA
Ungarischer Punk-Rock
Veranstaltungen
Jedes
Herz eine Zeitbombe
Klaus Viehmann und Stefan Wisniewski über
den Politikansatz der Revolutionären Zellen
Zeittotschläger
Die Veranstaltungen
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Musik & Literatur
Adventures on the Wheels of Steel
Ein Buch aus England widmet sich erstmals umfassend der Geschichte des
Soul
Wenn es die Behauptung God is a DJ in Liedform bis an die Hitparadenspitze bringt, braucht es Leute wie Bill
Brewster und Frank Broughton, die die Schöpfungsgeschichte dazu liefern. Sie sind mit ihrem Buch nicht die ersten. Der spätere
(und inzwischen wieder abgesägte) SZ-Magazin-Chef Ulf Porschart lieferte zum Thema bereits 1997 mit DJCulture eine
theoretische Abhandlung in Buchform ab. Doch Brewster und Broughton schürfen in Last Night a DJ saved my Life tiefer.
Ihnen geht es nicht so sehr um Theoretisierung, sondern um Geschichte. Konsequenterweise beginnt das Buch mit dem ersten
Diskjockey überhaupt, Reginald A. Fessenden, der am Weihnachtsabend 1906 erstmals eine Schallplatte über den
Äther laufen ließ: Händels Largo. Zügig geht es von da aus über die Anfänge einer DJ-Kultur im
Radio zur Eröffnung der ersten Diskotheken, wo im Paris der 50er Jahre bei Tanzveranstaltungen erstmals der Auftritt einer Liveband
durch einen Plattenaufleger ersetzt wurde. Anfangs eher wenig akzeptiert, wurde das Tanzen zu Musik aus der Konserve mit dem Aufkommen von
Beat, Rhythm'n'Blues und Soul in den 60ern zu einer Attraktion. Schnell bildeten sich lokale Unterschiede heraus. In San Francisco tanzte
mensch schwer auf Drogen zu psychedelischem Rock auf den sogenannten Acid Tests während in New York Soul den Ton angab.
Gleichzeitig entstand im Norden Englands eine eigene Szene für temporeiche amerikanische Soulproduktionen, der Northern
Soul wurde geboren. In Jamaica fingen währenddessen fahrende Sound Systems mit meterhohen Boxentürmen an, Dorfplätze
mit Rocksteady und Ska zu beschallen die Geburt der Dancehall. Bei all diesen Entwicklungen stand der DJ genauso im
Mittelpunkt wie beim Ausbruch des Disco-Fiebers in den USA (und später weltweit), als auch beim Entstehen von HipHop, House und
Techno. Heute nicht mehr wegzudenkende musikalische Erfindungen wie der Breakbeat, der Remix, die 12Maxisingle oder das Mixtape sind
Innovationen der Menschen hinter den Plattentellern. Brewster und Broughton stellen all die entscheidenden Momente in der Historie des
DJing nach und vergessen dabei weder die soziale Bedeutung des Tanzen gehens für unterschiedliche Szenen, noch die Rolle
der DJs als MultiplikatorInnen und TrendsetterInnen, ständig hin- und hergerissen zwischen den Verlockungen des Musikbusiness und dem
Anspruch, als KünstlerInnen angesehen zu werden. Der Mythos um einige Legenden der Zunft wird dabei eher kritisch betrachtet, ebenso
das Treiben von DJ-Superstars wie Sven Väth oder Junior Vasquez heute. In seinen besten Momenten macht Last Night a DJ saved my
Life die intensiven Erlebnisse im Clubtreiben New Yorks Mitte der 70er bis Anfang der 80er nachfühlbar. Eine Zeit, in der
musikalisch alles möglich erschien und heute so unterschiedlich erscheinende Subkulturen wie die schwul geprägte Disco-Szene,
Punk und HipHop sich gegenseitig beeinflussten. Wenn da zu lesen ist, dass in der kultisch verehrten Paradise Garage oder im Roxy in New
York zu New Order, Patti Labelle, The Clash und Grandmaster Flash während ein und derselben Nacht abgefeiert wurde, wünscht
mensch schon mal die hermetisch abgeriegelten Disco-Programme der Jetztzeit zum Teufel. Last Night a DJ saved my
Life ist leider bisher nur auf englisch erschienen. Da Brewster und Broughton aber in sehr klarer, leicht zu lesender Form schreiben
und der Inhalt wirklich unverzichtbar ist, sollten auch Interessierte mit mäßigen Englischkenntnissen nicht zögern und
zugreifen. PlattenauflegerInnen mit Scheuklappen und Dollarzeichen in den Augen kriegen hoffentlich bald mit einer deutschen Version die
nötigen Denkanstöße, notfalls durch Schläge auf den Hinterkopf. Passend zum Buch ist außerdem eine gleichbetitelte
CD oder Dreifach-LP mit den entscheidenen Songs zu haben. Hier sind die Dreh- und Angelpunkte in der Geschichte von DJ-Musik nochmals
nachzuhören. Tobias Lindemann Bill Brewster / Frank Broughton Last Night a DJ saved my
Life Headline Books London ISBN 0 7472 6230 6 (Pfundzeichen) 7,99 Various Artists Last Night a DJ saved my
Life Nuphonic Rec./Groove Attack (bitte das Buchcover als Bild eher klein einsetzen, dafür das Bild mit den
Tänzern groß. Bildunterschrift: Saved by a DJ: Tänzerinnen und Tänzer in der Paradise Garage, New York
1979)
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