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zeitung für den grossraum nürnberg - fürth - erlangen


Nr. 13             Februar 2002

 
inhalt
 




 
International
 

Kein Licht am Ende des Sparstrumpfs

Maike Dimar zur Situation der Protestbewegung in Argentinien

Aufbruch in Argentinien?

Facundo Bianchini aus Buenos Aires über die Bemühungen der argentinischen Linken einen Wechsel herbeizuführen




 
Kommentar
 

Monatsrückblick

Wolfgang Schlicht kommentiert demokratische Defizite in Bayern und Italien und den schwarzen Peter für Arbeitslose durch die Bundesregierung




 
Region
 

Skandal - Gewaltbereite tagten ungehindert in Münchener Luxushotel

Mit faulen Tricks setzten bayerische Behörden Anfang Februar das Demonstrationsrecht außer Kraft. Dennoch gingen Tausende in München auf die Straße

Die politische Bühne lächerlich machen

Die Erlanger Grüne Liste wurde 25 Jahre alt. Ihr erster Stadtrat blickt auf Spontizeiten zurück und kritisiert den Wandel der Grünen auf dem Weg zur Macht

"Ich möchte in dieser Stadt nicht begraben sein

Christiane Kolbet über ein jüdisches Leben in Erlangen


Deutsch-Bamberg in Neu-Ostafrika

Eine Zeitung holt kuriose Kapitel fränkischer Geschichte aus der Vergessenheit




 
Rechte

Gibt es ein Leben rechts der CSU?

Die extremen Verstrickungen des CSU-Generalsekrärs Thomas Goppel mit der Zeitschrift "Epoche"

Oberlehrer muss in den Knast

Fürther Auschwitzleugner verurteilt




 
Bewegung
 

ZERO TOLERANCE - Es gibt keine Entschuldigung

Über ein Konzert, eine Videoperformance und eine Plakat-Ausstellung zum Thema Gewalt gegen Frauen in Nürnberg

Refuse Resist Report!

Indymedia-Redaktion gründet sich in Nürnberg

Lizenz zum Krankmachen

Initiative macht gegen Handy-Smog mobil




 
Literatur
 

Das Kreuzbergbuch

Bezaubernde Hommage an einen
Berliner Kiez aus dem Verbrecherei-Verlag

Dokumentation:

Bundesdeutsche Flüchtlingspolitik und ihre tödlichen Folgen 1993 bis 2001




 
Film, Musik & Poesie
 

Poetry Slam im muffigen Franken

Wie die maulfaulen Franken vom Poesiefieber erfasst wurden

"The Navigators"

Fish'n Chips und keine HeldInnen in Ken Loach's neuem Film

Smart Ass Dynamite & The New Generation Of Destructive Entertainment

Intensiv und fordernder hat im Süden Deutschland lange nichts mehr gerockt...




 
Veranstaltungen
 

Zeittotschläger Februar/März



Film, Musik & Poesie
 

"Ken Loach. The Navigators"

Ken Loachs neuer Film ist typisch englisch. Kühl, distanziert, dabei sympatisierend mit den ProtagonistInnen, ohne zu bewerten. Und regnerisch. Fish’n Chips. In Ken Loachs neuem Film gibt es keine HeldInnen. Nur VerliererInnen. Diesmal nicht mal eine Hauptfigur.

Die Story ist dünn und schnell erzählt. Die Privatisierung der Eisenbahn in der Mitte der 90er Jahre. South Yorkshire, so gut wie irgendwo. Der Film ist kein Unterhaltungsfilm, er ist kein Dokumentarfilm und keine soziale Milieustudie. Dieser Film liegt irgendwo in der Mitte und erzählt alltägliches, das so nah ist, dass es fast schon langweilig ist. Zu oft haben wir all das gesehen, in den Nachrichten oder von FreundInnen erzählt bekommen und auch selbst erlebt, als dass es unser Interesse weckt und uns für die Dauer des Filmes mitreißt.

"Bread and Roses"

Dieser Film, der vor "The Navigators" herauskam, zeigt eine junge Mexikanerin, Maya (Pilar Padilla), die die Grenze nach Südkalifornien illegal überquert, um bei ihrer Schwester Rosa (Elpidia Carillo) zu sein, die Jahre früher auf dem selben Weg in die USA gekommen ist. Maya kämpft, um Arbeit zu finden, für die sie keine offiziellen Papiere benötigt, und findet sich bei ihrer Arbeitssuche manipuliert und ausgebeutet. Rosa findet für Maya schließlich eine regelmäßige Position in der Reinigungsgesellschaft, wo sie ebenfalls arbeitet, obwohl sie ein volles Monatsgehalt Bestechungsgeld zahlen muss. Sam (Adrien Brody), ein Vertreter der Gewerkschaft, taucht auf und versucht, die ArbeiterInnen davon zu überzeugen, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Durch diesen sozialen Kampf erlangt Maya ein politisches Bewusstsein.

In einem gewissen Ausmaß gehören "Bread and Roses" und "The Navigators" durch die Gegensätzlichkeit zusammen. "Bread and Roses" durch eine lebendige, pulsative Erzählweise, der Focus auf die mitreißende Hauptdarstellerin und ihr soziales Umfeld, der Ort des Geschehens im Sonnenschein. Die ProtagonistInnen in "Bread and Roses" sind aktiv, sie kämpfen, sie haben zwar viel zu verlieren, aber sie haben noch ein unterstützendes soziales Umfeld, das sich für sie interessiert, die Kommunikation zwischen den ProtagonistInnen gelingt, zwischen den Kolleginnen und Kollegen, eine Kommunikation in der Familie findet statt, und die Gewerkschaft bzw. der Gewerkschaftler ist jung, motiviert, engagiert und unterstützt, ja initiiert. Die ArbeiterInnen finden sich zusammen, kämpfen gemeinsam, wagen viel, verlieren viel, nehmen potentielle Verluste in Kauf und gewinnen am Ende doch trotz aller Widrigkeiten, es bleibt das Versprechen auf eine bessere Zukunft für die Streikenden und für Maya, die Hauptdarstellerin, eine ungewisse.

In "The Navigators" gelingt die Kommunikation zwischen den ProtagonistInnen nicht, die Gewerkschaft und ihre Stellvertreter sind hilflos, ohnmächtig, alt, teilweise fettleibig und resigniert, die Kommunikation in der Familie gelingt nicht (mehr), der soziale Hintergrund bleibt auf der sichtbaren Oberflächlichkeit beschränkt, der Rest bleibt der/m ZuschauerIn so verschlossen, wie die Gesichter der Männer. Wir sehen zwar die Gesichter der ProtagonistInnen, aber wir dürfen nicht ihre Träume, Wünsche und Zukunftsvisionen erfahren wie in "Bread and Roses". Haben sie denn überhaupt Träume, Wünsche und Zukunftsvisionen?

Sieht man nicht nur Hoffnungslosigkeit und Resignation und unterwürfige Akzeptanz nach dem ersten Versuch eines Aufbegehrens? Im gewissen Sinne sehen wir in "Bread and Roses" einen generellen Aufbau, in "The Navigators" einen Abbau. In "Bread and Roses" haben wir auch eine weitere Gegensätzlichkeit: die meisten ArbeiterInnen im Reinigungsgewerbe sind Frauen und spielen demzufolge die Hauptrolle, in "The Navigators" sind die Hauptpersonen Männer.

In "Bread and Roses" wird beschrieben, was passiert, wenn die ArbeiterInnen zusammenstehen und zusammen für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen, in "The Navigators" wird die trostlose, resignative Alternative beschrieben. Auch die Gruppe der Arbeitenden wirkt stärker heterogen, in "The Navigators" gibt es den Außenseiter, der gehänselt wird, verschiedene Grüppchen und Gruppen, und der Boss wirkt eher wie eine hilflose Lachfigur, seine Machtposition wirkt doch sehr viel wackliger als die des allmächtigen bösen Gierschleims in "Bread and Roses".

Noch eine andere Konsequenz lässt sich aus diesem Filmvergleich ziehen: es wird immer gesagt, dass es die geringverdienenden ArbeiterInnen in den westlichen Industrieländern es so gut hätten, und das es ein so soziales Auffangnetz gäbe, aber im Vergleich zwischen den illegalen ArbeiterInnen in L.A. und den Bahnarbeitern in South Yorkshire fehlt nicht mehr viel; beide sichern sich das Überleben, aber zu einem sorgenfreiem Leben in Würde reicht es nicht. Dennoch bewahren sich die illegalen ArbeiterInnen in L.A. wenigstens teilweise ihre Würde durch ihr Verhalten, die Bahnarbeiter in South Yorkshire hingegen verlieren alle die ihre.

Ulla