|
Mit der Diskussion Zum Verhältnis von Kultur
und Politik (raumzeit Nr. 0) fing alles an. Seitdem erreichten
uns immer wieder neue Beiträge und Repliken, die sich mit
diesem Thema befassen (siehe raumzeit Nr. 3, 4 ...). Hier nun
die Neueste:
PARTY-FEIND
So etwas wie die Linke gibt es nicht. Kultur
ist der Code der organisierten Langeweile.
1. Um Langeweile zu organisieren, braucht man festgeschriebene
Normen und Verhaltenscodes, braucht man Kultur. Die Zerstörung
der Langeweile ist das Chaos, ist die Zerstörung der Kultur,
ist die Schaffung einer Antikultur. Der Kern jeder reaktionären
Haltung ist die Angst vor dem Chaos. Nichts zementiert die herrschenden
Verhältnisse mehr, als die Angst vor dem Unbekannten, das
wie alles Neue chaotisch ist.
Langeweile ist der Zustand der verkehrten Welt, die zugleich
eine Richtige ist. Langeweile ist die Herrschaft der spektakulären
Sehnsüchte und das Programm ihrer Befriedigung. Sie ist
der Platz der Zuschauerin, des Konsumenten, der sein subjektives
Empfinden als Bild erlebt und reproduziert. Kultur ist ein identitärer
Code, der erst eine Gemeinschaft konstituiert. Im Identitären
wird das Bild der eigentlichen Gemeinschaftlichkeit vermittelt.
So haben wir mit der "Linken" eine durch Bildprojektionen
zusammengeführte Gemeinschaft. Auf Konzerten oder Veranstaltungen
wann immer diese Gemeinschaft zusammentritt wird also wieder
das Bild ihrer eigenen Subjektivität, Lebensfreude usw.
(re)produziert. Als Beispiel benennen wir hier eine linksradikale
Band sie steht für Revolte, Inhalt, Lebensgefühl,
Spaß. Sie steht dafür. Das heißt, sie ist die
Projektionsfläche der Sehnsüchte der RevolutionärInnen
auf das Objekt. Sie selbst sind dabei nur ZuschauerInnen, KonsumentInnen.
Die Situation des Konzertes erlaubt es jedoch auch nicht, eigene
kreative Handlungen zu begehen. Das, was da ist, ist nur scheinbar
da. Es sind in einen spezifisch linken Kontext eingebaute
identitätsstiftende Momente. Feststehende kulturell identitäre
Muster gilt es zu durchbrechen. Sie sind Teil der herrschenden
Welt, in der der Schein der Wirklichkeit dem eigenen Handeln
vorgezogen wird. In der Widerstand nicht über Inhalt, sondern
über Bilder definiert wird. In der die herrschende Kultur
die Kultur der Herrschaft und der Langeweile ist.
2. Die Ware ist kein Ding. Die Ware ist keine soziale Beziehung.
Die Ware ist eine soziale Beziehung zwischen von Menschen vermittelten
Dingen. In dem Sinn stellt kulturelle linke Identität
nicht eine Form von Befreiung, sondern nur einen weiteren Brückenkopf
für kapitalistische Vergesellschaftung innerhalb revolutionärer
Alltagskämpfe dar.
Die Ware, ein Ding, das einen Tauschwert besitzt, also seiner
besonderen Qualität beraubt und auf seinen Wert, seine
Quantität reduziert wird und deshalb beliebig austauschbar
ist, existiert nicht primär, um die menschlichen Bedürfnisse
zu befriedigen. Umgekehrt: Der Warenkreislauf ist verselbständigt
und folgt seinen eigenen Gesetzen. Diese Gesetze ordnen sich
die Menschen unter. Wenn Menschen nun primär Träger
von Waren sind, bestimmen die Gesetze des Warenkreislaufs die
menschlichen Beziehungen und Bedürfnisse. Der Markt und
die für/von ihm geschaffene Kulturindustrie das Spektakel
produzieren massenweise "künstliche" Bedürfnisse
in Form von Bildern. Kurz: Die gesamte menschliche soziale Sphäre
unterliegt dem Diktat der Ware. Mit zunehmender Warenvergesellschaftung
immer mehr, bis die Ware auch den abgelegensten Bereich erobert
hat. Die produzierten Bilder bestimmen die Lebensäußerungen
der Menschen im Umgang miteinander. So z.B. das Bild eines bestimmten
Typus von Menschen, einer Verhaltensweise bis hin zum Sexualakt.
Die Menschen selbst werden austauschbar, während das einzige,
was zählt, das Bild des Menschen ist, seine Identität.
So werden die sozialen Beziehungen auf die Beziehungen zwischen
Bildern reduziert. Die Ware dringt in die sozialen Beziehungen
der Menschen ein. Sie sind Warenträger. Sobald sich eine
Identität konstituiert, wird dafür ein Markt geschaffen
werden.
3.Die herrschende Ideologie organisiert die Banalisierung
der subversiven Entdeckungen und verbreitet sie im Überfluss,
nachdem sie sie sterilisiert hat.
Die herrschende Kultur ist die Kultur der Herrschaft, ist
die Kultur identitätstiftender Gemeinschaften. Ist die
Kultur der Warenform und der spektakulären Begierden. Betrete
dieses Feld und du wirst einen neuen Markt eröffnen, indem
deine subversiven Lüste wieder in der Fabrik des Alltags
arbeiten werden. Dein Widerstand wird vergesellschaftet. Deine
progressiven Forderungen werden dir in korrumpierter Form zurückverkauft
werden. Deswegen fordern wir die Kultur der Destruktion.
das prinzip der herrschaft ist kulturell vermittelt und schreibt
sich kulturell fort. die herrschende kultur ist die kultur der
herrschaft. unsere kultur ist die kultur der destruktion. (Bitte
als Kasten)
ROTER STERN BELGRAD
|