Mal Hü mal Hott...
...sagt das Nürnberger Rathaus zur Zukunft des ehemaligen Kunsthauses
Zwei alte Bekannte der Nürnberger Subkultur haben seit Anfang diesen Jahres ihre
Zelte im ehemaligen Kunsthaus in der Karl-Grillenberger-Str. 40 aufgeschlagen:
Die "AG Zwischennutz" im "Stockwerk II" und der "Hemdendienst". Beides Namen,
die immer wieder für phantasievolle und schräge kulturelle Projekte gut sind.
Nur bis Ende März sollte dort das Zwischenspiel für den "AG Zwischennutz" und
den "Hemdendienst" eigentlich dauern. Umfangreiche Umbaumaßnahmen und der Einzug
des städtischen "Internationalen Haus Nürnberg" waren im November 2001
einstimmig im Stadtrat beschlossen worden. Ein Beschluss, der nun nicht mehr
viel zu gelten scheint. Mindestens verzögert, wenn nicht ganz abgeblasen sind
die Vorhaben, wenn es nach dem Willen der CSU-Fraktion geht. Die hatte Ende
Februar im Bauausschuss die Bauverwaltung überraschend angewiesen, die Kosten
für einen Abbruch des alten Hauses und einen Neubau auf den Tisch zu legen. Was
dabei heraus kommen wird, ist für Baureferent Anderle jetzt schon klar: "Die
Kosten für einen Neubau liegen deutlich höher als der vorgesehene Umbau." Ob in
der nächsten Sitzung des Bauausschusses dann allerdings eine Entscheidung fallen
wird, ist fraglich. Dr. Schürgers vom Amt für internationale Beziehungen wirft
der CSU mangelnden politischen Willen für das "Internationale Haus" vor und
lässt finanzielle Begründungen nicht gelten: "Denn ich schlage eine Finanzierung
vor, die das Geld, das wir jetzt für den Umbau bräuchten, in den nächsten 10
oder 15 Jahren wieder zurück zahlt." Auch dadurch, dass das Amt zur Zeit in
teuer angemieteten, nichtstädtischen Räumen untergebracht ist.
Des einen Leid, der andren Freud?
Sind für das "Internationale Haus Nürnberg" die Pläne auf die lange Bank
geschoben, können die "AG Zwischennutz" und der "Hemdendienst" die Dinge nun
gelassener angehen. Doch die längere Nutzung des ehemaligen Kunsthauses birgt
ein gewaltiges Stück Arbeit in sich. Ihr Konzept, die Zwischennutzung von
Gebäuden, die mehr oder minder lange leer stehen: Eine geniale, wenn auch nahe
liegende Idee. Doch die Schwierigkeiten liegen auf der Hand: "Mit einem Vorlauf
von einer Woche kann man kein Programm zusammen stellen, womit sich ein
Kulturreferent schmücken könnte. Es ist nichts planbar, und das macht die Sache
erst mal schwierig", meint Alfred Trapp von der "AG Zwischennutz". Doch er
erkennt den guten Willen der Stadt an, zumal im Falle des Kunsthauses das
Kulturamt selbst auf den Hemdendienst zu gekommen war. Normalerweise folgt auf
Nachfragen die lakonische Antwort, dass leider keine Gebäude zur Verfügung
stehen würden. Deshalb war Peter Lischka vom "Hemdendienst" auch überrascht,
dass "dieses Mal das Kulturreferat auf uns zu gegangen ist und uns das Kunsthaus
anbot".
Die Zwischennutzung größerer Gebäude für kulturelle Projekte und Aktivitäten hat
in Nürnberg eine gewisse Tradition. Zu einem kulturellen Anziehungspunkt
entwickelte sich die ehemalige LGA Anfang der 90er Jahre. Doch der Entschluss
des Stadtrats für das kommerzielle "Cinecittá" setzte die "AG Zwischennutz"
trotz heftiger Proteste auf die Straße. Es folgte die LGB, ein Dauerprovisorium
von fast 6 Jahren. Nach einem kurzen Zwischenspiel im Z-Bau, das wegen
finanzieller Querelen mit der Stadt zu Ende ging, folgt nun das ehemalige
Kunsthaus. Worum es der "AG Zwischennutz" geht, beschreibt Alfred Trapp:
"Eigentlich ging es ja um ein Zuhause für eine Subkultur, die ihre Ursprünge
natürlich auch im Kunstverein hat, oder eben im Hemdendienst."
Auf eine noch längere Geschichte kann der "Hemdendienst" zurück blicken. Seit
über 13 Jahren entfaltet er seine Aktivitäten immer mal wieder an verschiedenen
Orten. Aktivitäten, die Peter Lischka so beschreibt: "Der Verein ´Hemdendienst`
war oder ist eine Art Plattform für verschiedene Künstler. Wir haben drei
Säulen: Die Ausstellungen, Musik und als dritte Säule etwas, was den
´Hemdendienst´ vielleicht auch ein bisschen auszeichnet oder abgrenzt von
ähnlichen Organisationen, nämlich dass viele schräge kleine Projekte von den
Leuten selbst entwickelt werden und dann im ´Hemdendienst` aufgeführt werden."
Subkultur an der kurzen Leine
Trotz der kurzen Zeit haben die beiden ZwischennutzerInnen schon einige
Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Die Kunstausstellung "Eins" der
Kunstakademie war bereits zu bewundern, eine ganze Latte von Konzerten folgt
noch (s. Veranstaltungskalender).
Angedeutet hatte sich schon länger, dass die deadline Ende März vielleicht doch
nicht das endgültige Aus für die ZwischennutzerInnen wäre . Immer wieder wurde
von einer Verlängerung gemunkelt. Doch für wie lange die beiden Projekte nun
planen können, steht noch in den Sternen. Recht misstrauisch klingen
"Hemdendienst" und "AG Zwischennutz", wenig Euphorie ist zu spüren. Zusammen
hängen mag das mit Erfahrungen der letzten Jahre, mit der ständigen
Unsicherheit, mit kurzfristig veränderten Entscheidungen und mangelndem
politischen Willen. Schließlich ist Subkultur nicht gerade ein Aushängeschild
der Stadt Nürnberg. Und: Sollte der Mietvertrag tatsächlich verlängert werden,
hätte er einen Haken. Wäre "kurzfristig eine bauliche Maßnahme notwendig, im
Zusammenhang mit der künftigen Nutzung, wäre das ein Grund, zu sagen, die
Zwischennutzung ist beendet", gibt Herr Trautenbach, der für die Zwischennutzung
zuständig ist, zu. Wovon er allerdings nicht ausgeht, vielmehr stellt er eine
Verlängerung bis Herbst oder Ende des Jahres in Aussicht. Was aber am
beschriebenen Haken nichts ändert, wie auch Peter Lischka vom "Hemdendienst"
sieht: "Ich gehe davon aus, dass wir vom Mietvertrag her an der kurzen Leine
gehalten würden, um uns dann relativ schnell auch wieder rausschmeißen zu
können, wenn sie eine Idee haben, was sie mit dem Haus machen werden."
Bis dahin sind noch weitere Steine aus dem Weg zu räumen. Mangelnde Zuschüsse,
die noch fehlende Konzession für den Kneipenbetrieb, da das Ganze zur Zeit als
Kunstprojekt läuft, und ordnungsamtliche und baubehördliche Probleme sind zu
meistern. Sie selbst kennen die Auflagen, meint Thomas Schmidt von der "AG
Zwischennutz": "Es geht mehr darum ob Zwischennutzung in Nürnberg wenigstens für
eine Zeitlang wieder als statthaft betrachtet wird." Soll heißen, ob sich die
Ämter gegenseitig blockieren, oder eben nicht.
Doch trotz des Widerstands der CSU stehen die Chancen für ein "Internationales
Haus Nürnberg" im ehemaligen Kunsthaus nicht schlecht. Momentan sieht es eher
nach einer Verzögerung als einem Ende aller Pläne aus.
Mit einem tränenden Auge sehen das die ZwischennutzerInnen allemal. Doch Thomas
Schmidt von der "AG Zwischennutz" sieht auch die Nachteile des Hauses. Und für
die sonnige Jahreszeit gibt es ohnehin Alternativangebote: "Es ist zwar eine
gute Lage, aber man hat keinerlei Freifläche. Deshalb laden wir im Sommer lieber
wieder in unseren Biergarten an der Pegnitz, den `Üblen Alfred` ein".
Maike Dimar
Öffnungszeiten:
"Hemdendienst": Do, Fr, Sa ab 21 Uhr
"Stockwerk II": Fr, Sa ab 20 Uhr
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