Frachtexpress vom Kap bis Kairo
Heute möchte ich zwei Kartenspiele besprechen. Beide sind sie im
Herbst erschienen, beide sind Kartenlegespiele, d. h. es entwickelt
sich mehr oder weniger ein Spielplan auf dem Tisch, bei beiden
Spielen haben die Karten unterschiedliche Funktionen und dennoch
sind diese beiden Kartenspiele grundverschieden.
"Frachtexpress" von James Kyle Droscha ist, bevor es
vom Spieleverlag "Franjo" übersetzt wurde, im Eigenverlag
als "HellRail" erschienen und wurde vom Spielemagazin
Games als bestes Kartenspiel des Jahres 2001 ausgezeichnet. Von
Franjos wurde das Thema für den deutschen Markt geglättet;
es werden nicht mehr verlorene Seelen durch die Gegend gekarrt,
sondern nur Waggons mit verschiedenen Werten.
Mit den Spielkarten wird nun im Laufe des Spiels ein Schienennetz aufgebaut, auf
dem die Spielerinnen mit ihren kleinen Holzlokomotiven zu verschiedenen
Bahnhöfen fahren, um Waggons anzuhängen oder auch wieder - Siegpunkte bringend -
abzuhängen. Diese Waggons werden auch durch die Karten dargestellt, so dass ich
mir gut überlegen muss, welche Karten ich fürs Schienennetz und welche ich für
meine Waggons hernehme. Je mehr Waggons an meiner Lok hängen, um so schwerer ist
diese zu bewegen. Und wenn ich durch Abwurf einer Karte viele Karten nachziehen
möchte, dann ist es gerade die, die meine Lok auch mit vielen Waggons bewegen
könnte.
Nett ist auch die Möglichkeit das Spielende zu forcieren. Ist man der Meinung,
mehr Punkte als die anderen Mitspielerinnen zu haben, kann durch Nachziehen von
vielen Karten das Spiel beendet werden: Denn das Spiel endet, wenn keine Karten
mehr nachgezogen werden können. Dafür muss ich aber meine guten Zugkarten opfern
- fatal, wenn ich das Spiel dann doch nicht beenden will, weil jemand
überraschend noch Punkte eingeholt hat.
Ist das Grundspiel schon sehr schön zu spielen, bringen in der Variante
verschiedene Fähigkeiten der angefahrenen Bahnhöfe noch mehr Würze ins Spiel.
Da können dann Karten von anderen Spielerinnen geraubt, Bahnhöfe zeitweilig
geschlossen oder auch Loks einfach quer über den entstandenen Spielplan gezogen
werden.
Da der Autor selber diese Fähigkeiten immer wieder variiert, kann in diesem
recht offenen Spielsystem recht viel ausprobiert werden. Ich denke, dass sich da
im Internet einige Anregungen finden werden.
Ist "Frachtexpress" schon recht zügig zu erklären und zu spielen, so geht das
bei dem kleinen Kartenspiel "Vom Kap bis Kairo" noch viel flotter. Aufgabe ist
es, acht Landschaftskärtchen mit seiner Lok zu überfahren. Sobald eine Spielerin
keine Karte zum Fahren vor sich hat, werden für Alle neue Karten ersteigert.
Dazu hat man am Anfang ein Kontingent von 100 Punkten. Jede bietet davon nun
geheim einen bestimmten Betrag. Wer am meisten geboten hat darf sich als erste
eine der aufgedeckten Karten wählen. Diese Landschaftskärtchen haben
unterschiedliche Baukosten, und da ist es schon ratsam, eine möglichst günstige
Karte zu wählen. Auf der anderen Seite ist es auch sinnvoll, sich Punkte für das
Bauen aufzuheben. Zwar sind auf den Karten auch Schienenteile zum Bauen
vorhanden, aber gerade zum Schluß sind gesparte Punkte oft Spiel entscheidend.
Da alle Schienenteile auf den Karten, die vor einer Spielerin liegen, zum Bauen
verwendet werden können, ist sichergestellt, dass niemand ganz abgehängt wird;
am Schluss wird es immer recht spannend. Beim Spiel zu zweit - das auch recht
spaßig ist - ist das allerdings eher ein Manko, da es zum Ende eine heftige
Rechnerei wird. Vielleicht sollte man da die Anfangspunktzahl auf 50 festsetzen.
Beide Kartenspiele sind auf dem mittlerweile recht üppigen Kartenspielmarkt auf
jeden Fall eine Bereicherung, auch wenn bei beiden Spielen die Grafik nicht so
gut gelungen ist. Ist es bei "Frachtexpress" die zwar funktionale aber recht
hausbackene Grafik, ist es bei "Vom Kap bis Kairo" der Versuch, die
verschiedenen Landschaften mit dem Computer zu generieren.
Frachtexpress
Autor: James Kyle Droscha
Graphik: nicht angegeben
Spielerinnen: 3 oder 4
Spieldauer: ca. 60 min
Preis: ca. 12,50 EUR
Vom Kap bis Kairo
Autor: Günther Burkhardt
Graphik: Jürgen Martens
Spielerinnen: 2 bis 4
Spieldauer: 15 bis 30 min
Preis: ca. 6,50 EUR
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