"We are still not amused"
Stadt Erlangen will "die Moltke" verkaufen
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Grün in Erlangen: Die "Moltke"
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Als "Oase" bezeichnen die BewohnerInnen ihre "Moltke".
Die zwei roten Backsteinhäuser Moltkestraße Nr. 5 und
9 der ehemaligen wilhelminischen Infanteriekaserne sind noch in
städtischem Besitz und eine der letzten Nischen auf dem Erlanger
Wohnungsmarkt: Konkurrenzlos preisgünstig und, wie die MieterInnen
betonen, mit einmaliger sozialer Struktur. "Anfang der siebziger
Jahre entwickelte sich die Moltkestraße als alternative
Adresse für selbstbestimmtes Wohnen". Sechzehn Erwachsene,
fünf Kinder, drei Hunde und fünf Katzen wohnen zur Zeit
in den Häusern mit Hauswerkstatt und gemeinsamem Garten.
Die Wohnungen würden wohl in manchen Punkten nicht dem heutigen Standard
entsprechen, räumt ein Bewohner ein und wirft auch gleich die Frage auf: "Aber
sollte es nicht den MieterInnen überlassen bleiben, mit welchem Standard sie
wohnen möchten?" Was Verbesserungen angelangt, sei schon oft Eigeninitiative
ergriffen worden: Selbstfinanzierte Gasetagenheizung, Fußböden verlegen, Türen
renovieren usw. Die Stadt als Vermieterin dagegen sei ihren
Instandhaltungspflichten nicht nachgekommen.
Bis 1990 standen die Häuser auf der Abrissliste; sie sollten dem Bau der
Fachoberschule weichen. Nachdem dann doch eine andere Planung beschlossen wurde,
die das Moltke-Grundstück nicht mehr einschloss, räumte die Stadt in einem
Schreiben die Möglichkeit ein, "diese beiden Gebäude in einfacher Form zu
sanieren, so dass eine weitere Nutzung für eine Dauer von 30 Jahren oder mehr
möglich ist. Dabei sollen die Mieten möglichst gering gehalten und weitgehend
die Wünsche der Bewohner berücksichtigt werden."
Ein damals von den MieterInnen in Auftrag gegebenes Architektengutachten ging
von einem Sanierungsaufwand von 200.000 DM aus, wenn sich auf das Wesentliche
beschränkt wird.
Nun passierte lange Zeit gar nichts. Das Gutachten verschwand in einer Schublade
des Liegenschaftsamtes. Noch heute ist der Wunsch der BewohnerInnen: Eine wie in
diesem Gutachten vorgeschlagene genügsame Sanierung, welche nur eine moderate
Mieterhöhung nach sich ziehen würde.
Das Liegenschaftsamt arbeitete inzwischen an einer anderen Vorlage und empfahl
den Verkauf der Häuser. Im März 2001 wurde die Moltke zum Verkauf
ausgeschrieben. Eine städtische Schätzung beziffert nun den Sanierungsaufwand
auf 1,5 Mio. DM. Letzten Herbst beschloss der Stadtrat, die Anwesen der Firma
evo-Haus (gehört zur Erlanger Baufirmengruppe Vorrath) anzubieten. Die
Kaufinteressentin kann sich nun bis Mai dieses Jahres überlegen, ob sie das
Angebot annimmt. Kommt das Geschäft zustande, wird die folgende Sanierung die
Mieten in die Höhe treiben und auch MieterInnen zum Auszug zwingen. Die
BewohnerInnen hoffen, dass die Firma dankend verzichtet, dann muss der Stadtrat
neu über einen Verkauf entscheiden
Von der Verwaltung dagegen wurde allseitiges Einverständnis behauptet: Die
überwiegende Mehrheit der MieterInnen würde das Sanierungskonzept begrüßen, das
hätte eine Befragung der Mietparteien durch evo-Haus ergeben. "Reine Lüge,"
meinen die BewohnerInnen: "Es wurde nur mit der Hälfte der Mietparteien
gesprochen. Von diesen acht haben sich wiederum nur zwei für Sanierungsmaßnahmen
ausgesprochen. Dies aber auch nur unter Vorbehalt. Die anderen sechs haben sich
deutlich gegen eine Sanierung mit einer damit verbundenen Mieterhöhung
geäußert."
Dazu forderten die Leute aus der Moltke vom städtischen Wirtschaftsreferenten
Beugel eine Richtigstellung und warten darauf bis heute. So bleibt ihnen vorerst
nur die Anmerkung: "We are still not amused!"
w. m.
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