zeitung für den grossraum nürnberg - fürth - erlangen
 
Nr. 7             14. Mai 2001

INHALT

Editorial
Medien
Widerständig
Kommentiertes
Debatten
Literarisches
Schöne Künste
Musik
Veranstaltung
Abonnieren



Suche:
 




Editorial
 
Zum Geleit



 
Medien
 
Ausgezeichnet: 7 Preise für Medienmacherinnen aus Internet und Radio


Was aus dem linken Blätterwald herausragt



 
Widerständig
 
Interview mit einem Exbrigadisten aus dem Spanischen Bürgerkrieg


Fürth: Tätowierladen wird zur Nazizentrale


20. Juni: Demo im Internet


Unsere Staatsanwaltschaft schützt auch den Frieden abgerissener Häuser


Ärzte: Internationaler IPPNW-Kongress in Erlangen


Amnesty wird 40 JAhre alt


Urlaubskalender für politisch Aktive


Verfassungsungsbeschwerde: Kriegsdienstgegner besteht auf Meinungsfreiheit


Protest in der BRD: Flüchtlinge in unsichtbaren Ketten


Erlanger Grüne Liste boykottiert Fragebogenaktion: "Haben sie Kontakt zu Personen anderer Staatsbürgerschaft?"


Woche gegen Rassismus und Rechtsextremismus in Fürth



 
Kommentiertes
 
kulinarischer Kommentar zu Schröders Arbeitslosenschelte


Wolfgang Schlicht über Ereignisse des Monatsext


Nürnberger OB zeigt saubere Fingernägel im Internet



 
Debatten
 
Diskussion bei Radio Z: Sterbehilfe wurde in den Niederlanden gesetzlich geregelt


Statement: Heterosexismus in der Linken?


Zum LeserInnenbrief aus Raumzeit No 6



 
Literarisches
 
Leseprobe: 12 Heiligengeschichten für vor dem Einschlafen erzählt von PIGOR



 
Schöne Künste
 
Aufführung im Fürther Stadtheater: Selma oder die Reise um den Tisch


Die Gostenhofer Ateliertage


 
Musik
 
Olu Dara's Album: Neighbourhoodt


CD-Tipps aus der aktuellen Frühjahrskollektion



 
Veranstaltung
 
Der Veranstaltungskalender
Kommentiertes

 

Pappnasen statt Sellerieschnitzel

Ein kulinarischer Kommentar zur Faulheitsdebatte

 

Schröder greift auf eine lange Tradition zurück, wenn er sagt: Es gibt kein Recht auf Faulheit. Denn die SPD war von jeher die "Partei der Arbeit", nicht der zur Arbeit Gezwungenen. Marx-Schwiegersohn Lafargue erkannte: "Eine seltsame Sucht beherrscht die Arbeiterklasse aller Länder, in denen die kapitalistische Zivilisation herrscht. Diese Sucht ist die Liebe zur Arbeit, die rasende, bis zur Erschöpfung der Individuen und ihrer Nachkommen gehende Arbeitssucht".

Dabei hatte die Anklage des Müßiggangs zur Geburtsstunde der Sozialdemokratie noch eine ganz andere Bedeutung. Der Adel, der von den Raubzügen ihrer Vorfahren lebte, das waren die Faulen. Die Forderung, alle sollten etwas leisten für die Gesellschaft, richtete sich also gegen die Herrschenden, nicht gegen die Beherrschten.
Schröder aber greift ausgerechnet die sozialen VerliererInnen an. Das wiederum ist eine andere Tradition, eine die Helmut Kohl 16 Jahre lang pflegte: Die Sozialschmarotzer, die Arbeitsverweigerer seien daran schuld, wenn es mit Deutschland und der Wirtschaft bergab geht.

Wie wäre es, wenn man über ein "Recht auf Faulheit" wirklich einmal ernsthaft nachdenken würde, oder darüber, was Arbeit von ihr unterscheidet?
Wenn ich mir ein Schnitzel in die Pfanne haue - VegetarierInnen mögen sich an dieser Stelle getrost ein Sellerieschnitzel vorstellen - dann ist das Arbeit. Aber: Einwand! Eine egoistische Arbeit, die nur mir selbst nutzt.
Wenn ich aber für 10 Leute Schnitzel brate ist das dann wohl die Arbeit, die Schröder so richtig gut findet? Nein, Schnitzel braten gehört ins Reich der Freizeit, und Freizeit darf nur geniessen, wer auch anständig schuftet. Die Arbeitslosen, so die landläufige Meinung, sollen gefälligst unter ihrer übermäßigen Freizeit leiden.

Was braucht es noch, damit Arbeit Arbeit ist: Sie muss für die gesamte Gesellschaft nützlich sein! Aha nun sind wir auf heißer Fährte. Ein Arbeitsloser, der 10 Sellerieschnitzel brät ist und bleibt ein Arbeitsloser. Eine Fließbandarbeiterin, die beispielsweise Nasenlöcher in rote Pappnasen bohrt, nennt hingegen eine anständige Arbeit ihr eigen, denn solches Tun ist gesamtgesellschaftlich nützliche und wirklich sinnvolle Arbeit....

Wirklich? Um die Suche nach der richtigen Definition für richtige Arbeit abzukürzen: es geht dabei überhaupt nicht um Sinn oder Unsinn einer Tätigkeit. Einzig allein jene Arbeit, die zur Wertschöpfung beiträgt, ist die Arbeit, die Schröder meint. Ein Interesse, den Sinn des Lebens allein von solcher Arbeit abhängig zu machen, haben natürlich allein diejenigen, die von dieser unserer Arbeit profitieren.

Wer sich also kein Schild um den Hals hängt: "Ich nehme jede Arbeit an", genießt meine vollste Sympathie. Wer die Möglichkeit hat und nutzt, in seiner Arbeitslosigkeit einmal im Leben Zeit für etwas sinnvolles zu nutzen, ist zu beglückwünschen. Oder um es mit Lafargue zu sagen: Nieder mit dem Recht auf Arbeit, es lebe das Recht auf Faulheit: "O Faulheit Mutter der Künste und der edlen Tugenden, sei du der Balsam für die Schmerzen der Menschheit".

Michael Liebler