zeitung für den grossraum nürnberg - fürth - erlangen
 
Nr. 7             14. Mai 2001

INHALT

Editorial
Medien
Widerständig
Kommentiertes
Debatten
Literarisches
Schöne Künste
Musik
Veranstaltung
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Editorial
 
Zum Geleit



 
Medien
 
Ausgezeichnet: 7 Preise für Medienmacherinnen aus Internet und Radio


Was aus dem linken Blätterwald herausragt



 
Widerständig
 
Interview mit einem Exbrigadisten aus dem Spanischen Bürgerkrieg


Fürth: Tätowierladen wird zur Nazizentrale


20. Juni: Demo im Internet


Unsere Staatsanwaltschaft schützt auch den Frieden abgerissener Häuser


Ärzte: Internationaler IPPNW-Kongress in Erlangen


Amnesty wird 40 JAhre alt


Urlaubskalender für politisch Aktive


Verfassungsungsbeschwerde: Kriegsdienstgegner besteht auf Meinungsfreiheit


Protest in der BRD: Flüchtlinge in unsichtbaren Ketten


Erlanger Grüne Liste boykottiert Fragebogenaktion: "Haben sie Kontakt zu Personen anderer Staatsbürgerschaft?"


Woche gegen Rassismus und Rechtsextremismus in Fürth



 
Kommentiertes
 
kulinarischer Kommentar zu Schröders Arbeitslosenschelte


Wolfgang Schlicht über Ereignisse des Monatsext


Nürnberger OB zeigt saubere Fingernägel im Internet



 
Debatten
 
Diskussion bei Radio Z: Sterbehilfe wurde in den Niederlanden gesetzlich geregelt


Statement: Heterosexismus in der Linken?


Zum LeserInnenbrief aus Raumzeit No 6



 
Literarisches
 
Leseprobe: 12 Heiligengeschichten für vor dem Einschlafen erzählt von PIGOR



 
Schöne Künste
 
Aufführung im Fürther Stadtheater: Selma oder die Reise um den Tisch


Die Gostenhofer Ateliertage


 
Musik
 
Olu Dara's Album: Neighbourhoodt


CD-Tipps aus der aktuellen Frühjahrskollektion



 
Veranstaltung
 
Der Veranstaltungskalender
Musik

 

Olu Dara - Neighbourhoods

Mehr als 35 Jahre lang spielte er die zweite Geige, bis er endlich, im stolzen Alter von 57 Jahren, sein erstes Solo-Album aufnahm. Doch der Sänger, Songschreiber, Gitarrist und Kornettist Olu Dara ist nicht nur in dieser Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung.
Geboren wurde Olu Dara vor 60 Jahren in der Stadt Natchez im US-Bundesstaat Mississippi.

Schon im Alter von sieben Jahren begann er, Trompete zu spielen und probierte auch andere kreative Tätigkeiten wie Malen und Schauspielen für sich aus. Nach dem College ging er zur Navy. Nicht aus Begeisterung für die Armee etwa, sondern weil sich ihm hier die Möglichkeit bot, zwei Neigungen unter einen Hut zu bringen, nämlich das Reisen und das Musizieren. Und so spielte er in Europa, Afrika, der Karibik, oder wo immer ihn die Navy hinschickte, in Marschkapellen, Big Bands oder kleinen Jazz-Ensembles. "In jedem Land, das ich besuchte, gab es andere Klänge", erzählt er, "Klänge, die ich noch nie gehört hatte. Ich hatte nie zuvor afrikanische Musik gehört. Ich fand heraus, dass es da eine definitive Verwandtschaft mit dem Mississippi-Blues gibt. Aber diese Musik ist sehr fröhlich. Sogar wenn sie über etwas Trauriges singen, wird man das nie bemerken, solange man die Sprache nicht kennt. Das hat mich sehr berührt."

1963 kam Olu nach New York, wo er eine achtjährige Pause einlegte und mehr Fan als Musiker war. Danach wurde er Mitglied bei Art Blakey's Jazz Messengers. In den 70er Jahren war er viel beschäftigt, er begleitete u.a. Brian Eno, James Blood Ulmer, Taj Mahal, Cassandra Wilson und viele mehr. In den frühen Achtzigern gründete er sein eigenes, siebenköpfiges "Okra-Orchestra" und die vierköpfige "Natchezsippi Dance Band". "Wir spielten die ganze Zeit, aber ich kann an einer Hand abzählen, wie oft wir in den 15 Jahren zum Proben zusammen kamen", erinnert sich Olu Dara. "Ich will, dass wir einfach spontan bleiben".

Diese Spontaneität strahlt auch sein 98er Debüt "In the world - from Natchez to New York" aus. Eine selten gehörte Melange aus Blues, Jazz, afrikanischen Grooves und karibischen Sounds, die, wenn sie überhaupt an jemanden erinnert, am ehesten mit den Crossover-Experimenten Taj Mahals zu vergleichen ist. Olu Dara ist ein hervorragender Geschichtenerzähler, der seinen Stoff im Alltäglichen, im scheinbar Nichtigen findet. Mit jedem Song erschließt sich dem Hörer eine kleine Welt, und wenn es nur ein Geschmack, ein Geruch oder der Zauber eines Augenblicks ist. "Ich denke nicht, dass ich ein großes intellektuelles Statement machen muss" sagt er selbst, "Ich mache einfach mich selbst und damit die Welt glücklich."

Sein neues, zweites Album "Neighbourhoods" entspringt der gleichen Philosophie. Seine reguläre Band hat er diesmal um den omnipräsenten Dr. John an der Orgel bei einigen Songs erweitert. Außerdem singt er mit seiner ehemaligen Arbeitgeberin Cassandra Wilson ein wunderschönes Duett. Im Großen und Ganzen hat Olu die Koordinaten hörbar in Richtung Funk verschoben, wobei die afrikanisch-karibischen Einflüsse immer noch präsent sind. Dazwischen finden wir knarzigen Countryblues, jazzige Harmonien und sogar ein hübsches kleines Seemannslied.
Auch wenn die Songs nicht durchgehend an die Klasse seines Debüts heranreichen, so ist Olu Dara nach wie vor einer der charmantesten und interessantesten Vertreter der weltoffenen Rootsmusik.

Peter Gruner

(CD: Olu Dara - "Neighbourhoods", Atlantic/Warner)