40 Jahre "Appeal for Amnesty"
Im Mai feiert die größte Menschenrechtsorganisation
Geburtstag. 25 Menschen setzen sich in Nürnberg für
Amnesty ein.
Mit zwei Studenten, die 1961 in Lissabon auf die
Freiheit anstießen und dafür verhaftet wurden, fing
alles an. Peter Benenson, ein britischer Anwalt, empörte
sich über solche Willkür und startete eine Kampagne:
"Appeal for Amnesty". Aus dem kleinen Büro, das
diese erste Kampagne organisierte, wurde in wenigen Jahren eine
Menschenrechtsorganisation, die in der Lage war zahlreichen
politischen Gefangenen zu helfen.
Die erste Nürnberger Amnesty-Gruppe ist beinahe so alt
wie die Mutterorganisation. Heute gibt es drei Gruppen in Nürnberg
mit ca. 25 aktiven Mitgliedern, eine weitere arbeitet in Erlangen
für die Rechte zu Unrecht Verfolgter. Miguel Robledo, gebürtiger
Mexikaner und Wahlnürnberger stieß vor 20 Jahren zu
den MenschenrechtlerInnen: "Ich hatte mich bereits für
Amnesty interessiert, aktiver Mitarbeiter wurde ich, als ein
Freund von mir in Mexiko verschleppt wurde. Da musste aus der
Theorie endlich Praxis werden".
In einem irregulären Gefängnis folterte man Robledos
Freund. Er sollte die Zusammenarbeit mit regierungsfeindlichen
Organisationen gestehen. "Der Druck von Amnesty hat viel
dazu beigetragen, dass er frei kam", ist Miguel Robledo
überzeugt.
Aufsehenerregende Erfolge gibt es in der Menschenrechtsarbeit
kaum, und dass der Druck der internationalen Kampagne zu einem
Sinneswandel der Machthaber führt, kann meist nur vermutet
werden. Darin sieht Robledo auch die Gründe dafür,
dass die örtlichen Gruppen derzeit unter Nachwuchsmangel
leiden: "Moralische oder finanzielle Unterstützung
erfahren wir schon, doch uns fehlen die Aktiven. Vielleicht
haben Organisationen wie Greenpeace mit ihren medienwirksamen
Aktionen mehr Anziehungskraft auf jüngere Leute als wir".
Mit langem Atem für das Menschenrecht
Die Hauptwaffe Amnestys ist nicht der spektakuläre Fernsehbericht,
sondern der lange Atem, die zähe Recherchearbeit und die
Anerkennung, die die Organisation international genießt.
Diese Anerkennung beruht unter anderem auf den strengen Prinzipien,
der die Arbeit der sogenannten Researcher in der Londoner Zentrale
folgt. Politische Neutralität bewahren gehört dazu
ebenso wie gründliche Recherche der gemeldeten Menschenrechtsverletzungen.
Grundsätzlich werden nur gewaltlose politische Gefangene
unterstützt. Die Amnesty-Sektionen vor Ort beteiligen sich
nicht an den Kampagnen, die ihr Heimatland betreffen. Sie dürfen
jedoch Daten sammeln und nach London weitermelden.
Das Renommee, das Amnesty genießt, war nicht immer so
hoch wie heute. "Früher hatten wir in der sowjetischen
Hemisphäre den Ruf mit der CIA unter einer Decke zu stecken,
während man uns in westlichen Ländern unterstellte,
Handlanger der Linken zu sein. Dieses Image ist wesentlich realistischer
geworden", sagt Robledo. "Wenn heutzutage ein Minister
verreist, holt er sich häufig Informationen von Amnesty
über sein Reiseziel ein."
Die Hauptaufgabe der Gruppe, in der Miguel Robledo mitarbeitet,
ist die Arbeit zu konkreten Fällen. So hat sie einen kuwaitischen
Journalisten "adoptiert" Dieser sitzt seit dem Golfkrieg
in Haft, weil ihm Kollaboration mit dem Irak unterstellt wird.
Einen Prozesstermin gibt es nicht für ihn. Daneben gibt
es die Urgent-Actions, die gestartet werden, wenn erhebliche
Sorge um die Sicherheit von Gefangenen oder Verschleppten besteht.
Besonders spezialisiert ist die Nürnberger Gruppe auf Mittelamerika.
Zwischen Mexiko und Panama verfolgt sie aufmerksam die Menschenrechtssituation
und hat ein besonderes Augenmerk auf die Fälle von Verschwindenlassen.
Auch die jährlichen Schwerpunkte Amnestys müssen von
den lokalen AktivistInnen an die Öffentlichkeit getragen
werden. In diesem Jahr ist dies eine Kampagne gegen Folter.
Eine Fotoausstellung zum Thema wurde Anfang Mai in der Ehrenhalle
eröffnet.
Die Sensibilität der Öffentlichkeit für das
Unrecht aufrecht zu erhalten und die Aufmerksamkeit immer wieder
auf bestimmte Fälle zu lenken ist oft nicht einfach. Zu
viele werden verfolgt, in zu vielen Ländern ist Willkür
an der Tagesordnung, fast überall gibt es Menschenrechtsverletzungen.
Macht sich da nicht irgendwann Frustration breit? Robledo verneint:
"Dass unsere Arbeit Erfolg hat, zeigen die Rückmeldungen
von Menschen, die überzeugt sind, dass sie Amnesty ihre
Freiheit verdanken."
Kontakt:
amnesty internationalBezirk NürnbergAdlerstraße 4090403
Nürnberg
Telefon: (09 11) 2 30 55 53
Michael Liebler
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