Kommentar:
Doch kein Einwanderungsland
Die Einwanderungskommission veröffentlichte ihre
Arbeitsergebnisse nun streiten sich die Parteien darüber,
wie man ein Gesetz macht, das Einwanderung verhindert.
Beckstein spricht von den nützlichen Ausländern die
SPD schreitet zur Tat. Denn was führende Sozialdemokraten
im modernsten Zuwanderungsrecht Europas (Otto Schily)
fest verankern wollen, ist eben dieses Nützlichkeitsprinzip.
Während die Zuwanderungskommission eine Quote von 40.000
EinwanderInnen jährlich vorschlug, lehnt die SPD dies ab.
Freude braucht darüber nicht aufkommen, fügten doch
führende Mitglieder der Partei auch gleich hinzu welchen
Prinzipien Einwanderungspolitik künftig folgen soll: Grünes
Licht bekommen vor allem Hochqualifizierte, und dies nur dann
wenn der Arbeitsmarkt nach Fachkräften verlangt. So steht
das nach Angaben der Frankfurter Rundschau in einem SPD-Papier,
das erst im Juli veröffentlicht werden soll. Der Fraktionschef
der Partei, Peter Struck, macht auch gleich klar: Ein erhöhter
Bedarf an gering Qualifizierten sei für die nächsten
10 Jahre nicht zu erwarten.
Dass für das neue Gesetz auch noch ein breiter gesellschaftlicher
Konsens gesucht werden soll, davor kann uns nur grausen.
Hat schon Schily beim Asylrecht alles andere im Sinn als mehr
Recht auf mehr Asyl, möchte die Union die Gelegenheit nutzen,
noch weiter zu demontieren, was in der BRD seinen Namen ohnehin
kaum verdient. Wie viele Chancen da die grüne Position
hat, die künftig auch nichtstaatliche und geschlechtsspezifische
Verfolgungsgründe einbeziehen will, kann mensch sich da
freilich an fünf Fingern ausrechnen. Festgeschrieben werden
soll, da lassen auch die Äußerungen grüner PolitikerInnen
keinen Zweifel, dass eine Integrationspflicht gibt, für
alle die einreisen und bleiben.
Das künftige Gesetz - darauf läuft alles hinaus wird
also zementieren, was sich in der Diskussion um Leitkultur
und um die nützlichen Ausländer Becksteins
bereits abzeichnete: Es gibt die richtigen Deutschen
und die AusländerInnen erster, zweiter, dritter Klasse.
Und ganz unten in dieser Nützlichkeitsliste werden die
sein, die in dieser ganzen Diskussion gar kein Thema sind, obwohl
ihnen ein nicht unlukrativer Wirtschaftszweig seine Existenz
verdankt: Die illegalen MigrantInnen. Sie werden weiter mit
erbarmungsloser Verfolgung rechnen müssen und immer wieder
den Versuch der Einreise mit dem Tod bezahlen.
Die neue Offenheit, die von PolitikerInnen im Vorfeld zur Schau
getragen wurde, erweist sich so als Heuchelei. Sie sind weder
bewegt von den Interessen der Betroffenen, noch leitet sie die
Einsicht ins Notwendige. Ihr Motiv ist: die Wirtschaft braucht
jenes engmaschige Sieb, das die begehrten IT-Kräfte durchlässt.
Und aus der Mauer um die BRD und um Europa, so ist zu erwarten,
bricht das künftige Einwanderungsgesetz nicht einmal das
winzige Löchlein, durch das ein Hoffnungsschimmer fallen
könnte.
Michael Liebler
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