zeitung für den grossraum nürnberg - fürth - erlangen
 
Nr. 8             16. Juni 2001

INHALT

Regionales
Bewegung
Kommentiertes
Musik & Literatur
Mensch & Maschine
Veranstaltungen
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Regionales
 
Bundeswehr wirbt mit Ausstellung um Verständnis: "Unser Heer"


7. antisemitischer Anschlag in Weiden innerhalb eines Jahres


Jugendlichne in Schwabach platzt der Kragen


Staatsanwalt: Augsburger Flugblatt gegen Sudetendeutsches Treffen ist Volksverhetzung


Scharfe Kritik von VelofreundInnen an städtischer Verkehrspolitik


Protest gegen NPD Infostand mit gerichtlichem Nachspiel


Keine Zone für die rechtsextreme Fränkische Aktionsfront


Amberg: Mit antisemitischen Thesen in den Landrat?


 
Bewegung
 
Die zweite Demo im Internet richtet sich gegen Abschiebegeschäfte der Lufthansa


Grenzcamp 2001:
Die inneren Grenzen im Visier - Abschiebeknoten Flughafen Frankfurt


Interview mit AkteuerInnen einer neuen Aktionsform in Italien


Verteidigung von RZ-Angeklagten kritisiert Verschleppung des Prozesses




Kommentiertes
 
Zum neuen Einwanderungsgesetz


2. Diskussionsbeitrag zu "Homophobie in der Linken"


Asyl und Eierhaltung


Wolfgang Schlicht über die Ereignisse aus 30 Tagen



  
Musik & Literatur
 
Rassismus in der Kinderliteratur: Spurensuche am Beispiel Afrikas


Rechte Tendenzen in der Popmusik


Subaudio und andere Internet- Musikmagazine


Kunstkeller O 27 wird Treffpunkt für die Musikszene


Freudschüler Otto Gross
-
"Der Almanach für Einzelgänger"


Vom Anteil der Dummen an der Gesellschaft
-
Enzyklopädie der Dummheit




 
 
Menschen & Maschinen
 
Ausstellung über den Umgang mit behinderten Menschen und den Begriff der Normalität


Internationales Forum für Theater der Bilder, Figuren und Objekte


Versuche auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz im Internet



 
Veranstaltungen
 

Musik & Literatur

 

Bücher:

„In einer russischem Vorbild läge die Alternative“


Das Leben eines Psychoanalytikers muss ein Quantum Wahnsinn beinhalten. Zwecks der Glaubwürdigkeit. Übertreibung wirkt sich allerdings fatal aus. Der Fall Otto Gross liefert eindeutige Belege. Der Freud-Schüler, 1877 in der Steiermark geboren, war der erste, der nach Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Rückkopplung der noch jungen Wissenschaftsdisziplin fahndete. Seinen Aufsätzen zufolge führte die abendländische Zivilisation ”Von geschlechtlicher Not zur sozialen Katastrophe”. In einer Revolution nach russischem Vorbild läge die Alternative. Gross arbeitete empirisch.

Er spielte gesellschaftliche Krankheiten im Selbstexperiment durch, bevor er sie in hastigen Notaten sezierte. Anhand seiner selbst proklamierte er, dass die Seele des Menschen nur in einer kommunistisch-anarchistischen Gesellschaft frei atmen könne. Der spätere 68er Guru Wilhelm Reich, erklärt der linke Querschläger Franz Jung im “Almanach für Einzelgänger”1961, sei “eine direkte Copie” seines Freundes aus den Revolutionsjahren. Beide, Reich und Gross, erfahren wir weiter, wurden “im Verlauf einiger Prozesse ins Irrenhaus gesteckt”.

In den Jahren, die während des von Fritz und Sieglinde Mierau rekonstruierten Briefwechsels zwischen Jung und Karl Otten verstreichen, versucht der Politabenteurer und Schriftsteller vergeblich Fuß im literarischen Nachkriegsdeutschland zu fassen. Textfragmente von Ernst Fuhrmann und Adrien Turel finden sich ein, während Otten und Jung auf ihren so spektakulären wie heute vergessenen Kreis gesinnungsaktiver Bohemiens zurückblicken. Mit Gross als Oberchaot und Vordenker. Günter Grass schaut mit seinem Lektor bei Otten vorbei und lässt beiden keinen Zweifel: Das ideologisch-literarische Europa gehört anderen. Jung starb 1963 denn auch, weil er einen Krankenhausaufenthalt nicht mehr bezahlen konnte, wie sein Sohn zum Abschluss berichtet.

Martin Droschke

Otto Gross: Von geschlechtlicher Not zur sozialen Katastrophe. Hamburg (Nautilus) 2000. 192 S., ÖS 190.-
Fritz und Sieglinde Mierau (Hg.): Almanach für Einzelgänger. Hamburg (Nautilus) 2001. 205 S., ÖS 278.-