zeitung für den grossraum nürnberg - fürth - erlangen
 
Nr. 8             16. Juni 2001

INHALT

Regionales
Bewegung
Kommentiertes
Musik & Literatur
Mensch & Maschine
Veranstaltungen
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Regionales
 
Bundeswehr wirbt mit Ausstellung um Verständnis: "Unser Heer"


7. antisemitischer Anschlag in Weiden innerhalb eines Jahres


Jugendlichne in Schwabach platzt der Kragen


Staatsanwalt: Augsburger Flugblatt gegen Sudetendeutsches Treffen ist Volksverhetzung


Scharfe Kritik von VelofreundInnen an städtischer Verkehrspolitik


Protest gegen NPD Infostand mit gerichtlichem Nachspiel


Keine Zone für die rechtsextreme Fränkische Aktionsfront


Amberg: Mit antisemitischen Thesen in den Landrat?


 
Bewegung
 
Die zweite Demo im Internet richtet sich gegen Abschiebegeschäfte der Lufthansa


Grenzcamp 2001:
Die inneren Grenzen im Visier - Abschiebeknoten Flughafen Frankfurt


Interview mit AkteuerInnen einer neuen Aktionsform in Italien


Verteidigung von RZ-Angeklagten kritisiert Verschleppung des Prozesses




Kommentiertes
 
Zum neuen Einwanderungsgesetz


2. Diskussionsbeitrag zu "Homophobie in der Linken"


Asyl und Eierhaltung


Wolfgang Schlicht über die Ereignisse aus 30 Tagen



  
Musik & Literatur
 
Rassismus in der Kinderliteratur: Spurensuche am Beispiel Afrikas


Rechte Tendenzen in der Popmusik


Subaudio und andere Internet- Musikmagazine


Kunstkeller O 27 wird Treffpunkt für die Musikszene


Freudschüler Otto Gross
-
"Der Almanach für Einzelgänger"


Vom Anteil der Dummen an der Gesellschaft
-
Enzyklopädie der Dummheit




 
 
Menschen & Maschinen
 
Ausstellung über den Umgang mit behinderten Menschen und den Begriff der Normalität


Internationales Forum für Theater der Bilder, Figuren und Objekte


Versuche auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz im Internet



 
Veranstaltungen
 

Musik & Literatur

 

Buch:

„Ein Ende in trunkener Dummheit“


Rücksicht gehört zu den zivilisierten Tugenden. Zu viel Rücksicht ist schädlich. Denn wenn die Klugen nachgeben, sind die Dummen die Könige und die Sache sieht ziemlich fatal aus. “Menschen, die nicht dumm sind, unterschätzen stets das Gefährlichkeitspotential” weiß der italienische Wirtschaftswissenschaftler Carlo M. Cipolla und führt in seinem vergnüglichen Essaybändchen “Allegro ma non troppo” den mathematischen Beweis, dass der Anteil der Dummen an der Gesellschaft eine Konstante bildet. Sie wird “weder von Raum, noch Zeit, noch Klasse, noch von irgend einer anderen historischen oder sozio-kulturellen Variablen beeinflußt” und umfasst 1/4 der Bevölkerung.

Sie hat ihren Teil zum Werden der Menschheit beigetragen. Detaillierte Auskünfte über ihr Kreativpotential erteilt Matthijs van Boxsels “Enzyklopädie der Dummheit”. Sie brachte Lapidares wie die Erfindung des Englischen Gartens und Gravitätisches wie die konstitutionelle Monarchie zustande.
Cipolla rechnet vor: Gefährlich wird die Sache immer dann, wenn “den dummen Mitgliedern der Gesellschaft gestattet wird, aktiver zu werden”. Am Beispiel Österreich konkret gesprochen: Wenn ein Kluger wie Wolfgang Schüssel die freilich demokratisch legitimierte FPÖ in die Regierungskoaliton nimmt.

Wie Cipolla in einer den “Prinzipien der menschlichen Dummheit” vorangestellten Abhandlung über “Die Rolle der Gewürze” durchexerziert, kann ein Schmusekurs mit der “Konstante s” in einer Katastrophe münden. Die antiken Römer verließen sich so lange auf die Dummen, bis ihr Reich untergegangen war und die Zivilisation um Jahrhunderte fiel. Erst als sich intelligente Köpfe nach leckerem Wein und Pfeffer streckten, Menschen ihr Hirn in den Dienst einer Infrastruktur stellten, ging es wieder aufwärts. Völlerei war der Lohn. Und für manchen ein Ende in trunkener Dummheit.

Martin Droschke

Carlo M. Cipolla: Allegro ma non troppo. Berlin (Wagenbach) 2001. 85 S., DM 23,80
Matthijs van Boxsel: Die Enzyklopädie der Dummheit. Berlin (Eichborn) 2001. 192 S., DM 49,80