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Radeln in Nürnberg
ein gefährliches Unterfangen
Seit Jahren stagniert laut Verkehrszählungen an den großen
Ausfallstraßen und an den den Ringen der Radverkehr in
Nürnberg. Und das, obwohl die Rohölpreise ständig
steigen, die CO2-Emissionsverringerung und ein Radverkehranteil
von 30% (in Nürnberg z.Zt. 12 %) staatlich postuliert wird
und Autofahren in Großstädten wie etwa Nürnberg
nicht mehr als adäquat angesehen werden kann. Bei der Suche
nach den Gründen der Verringerung der RadlerInnenzahl stößt
mensch auf die seit Jahren vernachlässigte Radwegesituation.
In der Stadtplanung blieb zwar die absolute Etatsumme für
den Bau und die Instandhaltung dieser Trassen auch nach den
Veränderungen der Mehrheiten im Stadtrat seit Jahren etwa
gleich, doch investiert die Unions-Stadtratsmajorität vermehrt
in den Abbau von "Schikanen des Automobilverkehrs",
wodurch eine verhältnismäßige Verringerung des
Veloceped-Etats entsteht. Einerseits werden Erschließungen
von Naherhohlungsgebieten durch neue Radtrassen aufwendig gefeiert,
andererseits klaffen an Verkehrsbrennpunkten in der Innenstadt
gewaltige und zum Teil sehr gefährliche Lücken. Durch
mangelnde Abgrenzung der verschiedenen VerkehrsteilnehmerInnen
müssen große Umwege durch die Flickschusterei in Kauf
genommen werden. Da RadlerInnen bei Unfällen (Anteil 6-7
% der Gesamtopfer in Nürnberg) meist schlimmer betroffen
sind als AutofaherInnen, gilt die Benutzung des Velos in Nürnberg
als sehr gefährlich.
Dieses Sicherheitsdefizit bzw. der Mangel an ungestörtem
Fahrvergnügen lassen unter anderem den umweltfreundlichen
Verkehr stagnieren. Hinzu kommen Prägungsfaktoren: Kinder
lernen von Anfang an, sich an die Dominanz der Automobile zu
gewöhnen, wodurch ein Selbstverständnis bzgl. dem
Kfz, das in unserer Gesellschaft mehrere wichtige Funktionen
innehat, geschaffen wird. Erschwert wird die Lage durch unzureichende
Abstellmöglichkeiten mit mangelhaftem Diebstahlschutz für
die Stahlrösser.
Sichtbar wird die Priorität des Autoverkehrs an folgenden
Beispielen:
Seit Jahren gilt der Radweg entlang der Fürther Strasse
durch seine Enge und vielen Kurven, hohen FußgängerInnenverkehr
und die große Anzahl von Ausfahrten als gefahrenträchtiger
Brennpunkt im Radwegenetz. Eine bauliche Verbesserung dieses
Zustandes ist nur bedingt möglich. Eine Kompromisslösung
wäre die Aufhebung der Benutzungspflicht, was RadlerInnen
die Möglichkeit eröffnen würde, auf die Strasse
auszuweichen, um damit FussgängerInnen nicht zu gefährden.
Dies wird von der Stadtratsmehrheit mit dem Hinweis auf die
Behinderung des Kfz-Flusses abgelehnt.
Durch den Neubau auf dem Willy-Brand-Platz (Zentraler Omnibusbahnhof)
soll entweder der Radweg komplett wegfallen oder über eine
sehr schmale und mit einer engen 90°-Kurve versehenen Zu-
und Abfahrt verlaufen.
Beim möglichen Bau der sog. Ostspange, d.h. der Anbindung
des Flughafens an die A3 durch Ziegelstein , was an sich schon
ein sehr fragwürdiges Unternehmen ist, würden aber
auch Unterbrechungen im Radwegenetz entstehen, die in der derzeitigen
Planung keine Kompensation finden.
Einen Gefahrenherd bildet auch der Radweg vor dem Hauptbahnhof.
Durch die Umbauarbeiten gibt es nachvollziehbare Einschränkungen
auf dem Vorplatz. Unbegreiflich bleibt aber, weshalb nicht eine
Autospur zeitweilig gesperrt wird, um darauf den Rad- und Fußgängerbetrieb
abzuwickeln, der z. Zt. dem alten Computerspiel "Frogger"
sehr nahekommt.
Pedersen
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