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Keine Zone für die Fränkische Aktionsfront: Herzogenaurach
Die 22.000 EinwohnerInnen zählende Stadt Herzogenaurach
bei Erlangen bekam bereits in der Vergangenheit negative Schlagzeilen,
als dort gewalttätige Übergriffe durch Naziskins bekannt
wurden. Immer wieder gab es Angriffe auf Nichtdeutsche oder
AntifaschistInnen. Als ein britischer Geschäftsmann des
in Herzogenaurach ansässigen Sportartikelherstellers Adidas
im September 1997 von Nazis überfallen und dabei verletzt
wurde, rückte die Stadt mit ihren Nazistrukturen ins Blickfeld
einer breiteren Öffentlichkeit.
Der Antifaschistischen Aktion Erlangen zur Folge liegt der bedeutendste
Schwerpunkt der NPD in Franken auf Herzogenaurach. Der NPD Kreisvorsitzende
Gerhard Bottner spielt beim Aufbau nazistischer Strukturen in
der Region eine wesentliche Rolle. Bottner und der Naziskin
Tommy Müller sind wohl die zentralen Figuren in der Mobilisierungsarbeit
der NPD/JN in Herzogenaurach. Den beiden ist es zuzuschreiben
die gewalttätigen Faschisten der Region in der Kameradschaft
Erlangen-Höchstadt organisiert zu haben.
Vermutlich aus diesem Umfeld wurde Anfang Mai diesen Jahres
ein mit Fränkische Aktionsfront und NPD unterzeichnetes
Flugblatt verteilt, das zu einer Mahnwache gegen linksextremistischen
Terror in Herzogenaurach einlud und in dem ein Antifa
mit Name und Photo als linksextremistischer Rädelsführer
öffentlich gemacht wurde. Zudem wurden alle Bürger
und Bürgerinnen dazu aufgerufen sich an der Aktion
gegen linke Gewalt zu beteiligen indem sie ihnen bekannte
AntifaschistInnen bei einer aufgeführten Postfachadresse
denunzieren sollten. Das Öffentlichmachen von politischen
Gegnern ist seit langem Strategie der Anti-Antifa,
die Leute durch ihre Listen bedroht und einzuschüchtern
versucht. In Herzogenaurach stellt es einen neuen Höhepunkt
faschistischer Aktivität dar.
Dem Flugblatt vorangegangen war eine Erwähnung des besagten
Antifas in dem Neonazi-Fanzine Der Landser, ebenfalls
mit Namen und Photo, welches von den Nationalisten Nürnberg
herausgegeben wird. In diesem Fanzine wurden Photos und Namen
antifaschistischer SchülerInnen und linksliberaler LehrerInnen
des Nürnberger Scharrer-Gymnasiums veröffentlicht,
die dann auch mehrere Male angegriffen wurden. Die Postfachadresse
des Landsers, der Anti-Antifa und der
Fränkischen Aktionsfront ist identisch. Der
Postfachkontakt läuft über eine IG ´Wir`,
hinter der sich ein Zusammenschluss verschiedener NPD/JN Strukturen
und Kreisverbänden verbirgt. Diese Nürnberger Postfachadresse
trat erstmals Mitte der 90er Jahre öffentlich in Erscheinung
und hat unter anderem auch schon für das Nationale
Infotelefon Franken zur Verfügung gestanden. Dass
einer solchen Hetze auch Taten folgen, musste der betroffene
Antifa selbst erfahren, indem er von Faschos durch die Stadt
gejagt wurde, seine Autoreifen zerstochen und er vor seinem
Haus von der Anti-Antifa photographiert wurde.
Etwa eine Woche vor der angekündigten Mahnwache
der Rechten, fand ein weiterer Übergriff von Naziskins
auf einen Jugendlichen statt. Er wurde von den zwei Angreifern,
unter denen sich auch der bereits erwähnte Tommy Müller
befunden haben soll, am helllichten Tage in der Herzogenauracher
Innenstadt angehalten, bespuckt und dann mit einer an den Kopf
aufgesetzten Gaspistole bedroht. Dieser Übergriff provozierte
eine Spontandemo, an der sich circa 60 Leute beteiligten. Die
oben ausgeführten Angriffe stehen nicht isoliert als Einzelfälle
in einem ansonsten vorbildlichen Kleinstadtidyll, sondern sind
eingebettet in eine Reihe neonazistischer Aktivitäten,
Pöbeleien, Sachbeschädigungen und massiver öffentlicher
Präsenz von Naziskins. Die Stadt steht auch sonst nicht
in dem Ruf ein Hort liberaler und weltoffener Geister zu sein.
Die CSU herrscht seit jahrzehnten, der NPD gelang es bereits
1991 und 1992 in der Herzogenauracher Stadthalle ihren Bundes-
bzw. Landesparteitag abzuhalten, ohne dass es der noch immer
amtierende CSU Bürgermeister für nötig erachtet
hätte dagegen in irgendeiner Weise vorzugehen, oder auch
nur die Öffentlichkeit zu informieren. Lothar Matthäus,
der neben seinen fußballerischen Fähigkeiten des öfteren
auch durch seine rassistischen Entgleisungen von sich reden
machte, wurde hier geboren und sozialisiert.
Widerstand im Hinterland
Wie in solchen Fällen üblich versammelt sich die
anständige Zivilgesellschaft um einen Runden Tisch, in
diesem Fall Runder Tisch gegen rechte Gewalt und
versucht das Problem auf ihre Weise zu lösen. Das Bündnis
in Herzogenaurach bezieht auch die CSU mit ein, was es den progressiveren
bürgerlichen Kräften z.B unter den Grünen nicht
gerade leicht macht, da diese noch am ehesten dazu bereit wären
mit den längst nicht mehr am Runden Tisch beteiligten Antifas
zusammen zu arbeiten. Der Runde Tisch wird nicht nur von Antifas
wegen der Beteiligung der CSU abgelehnt, die durch ihre Politik
für das rassistische Klima hierzulande mitverantwortlich
ist, sondern gerät auch bei den zahlreichen Herzogenauracher
Jugendlichen immer stärker in die Kritik, die den am Bündnis
beteiligten Personen vorwerfen nicht wirklich aktiv gegen die
rechte Szene vorzugehen. Als bekannt wurde, dass die NPD am
19.5 eine Mahnwache in der Stadt abhalten wollte, meldete der
Runde Tisch eine Kundgebung weit weg vom Geschehen an, mit der
originellen Begründung, die Nazis wären auf diese
Weise ganz alleine.
In der Veranstaltung des Runden Tisches finden sich meiner
Meinung nach nicht alle wieder, die gegen rechts sind.
Mit diesen Worten begründete eine Grünen Stadträtin
ihren Schritt eine Mahnwache anzumelden, die die direkte Konfrontation
mit den Nazis suchte. Diese Mahnwache, die eine Stunde vor der
der Nazis beginnen musste, wurde im Nachhinein von allen Nazigegnern
als Erfolg gewertet. Als die etwa 50 Rechten unter Polizeischutz
zu ihrem Platz geleitet wurden, waren auf der Gegenseite bereits
300 Leute versammelt, die auch nach dem offiziellen Ende ihrer
Kundgebung nicht nach Hause gingen. Die Reden der Rechten gingen
in den Pfiffen der DemonstrantInnen unter, es flogen Eier und
Flaschen auf die Faschos. Es wurde an diesem Tag gezeigt, dass
durchaus die Bereitschaft besteht militanter gegen Nazis in
Herzogenaurach vorzugehen, was vor Allem auch kleinere Aktionen
um die Mahnwache zeigten. Es darf jedoch nicht übersehen
werden, dass es der NPD gelang ihre Mahnwache abzuhalten,
was sie ihrerseits in einem Fax an die MedienvertreterInnen
als Erfolg feierte, versehen mit der Ankündigung weiterer
NPD Versammlungen am gleichen Ort.
National beanstandete Zone
Im Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen gibt es
schon seit Jahren starke Anti-Antifa Strukturen.
Sie versucht durch Terror, Denunziation und Propaganda einzelne
Menschen wie GewerkschaftsvertreterInnen oder Menschen, die
aus unterschiedlichsten Motiven gegen Nazis aktiv wurden, zu
bedrohen, einzuschüchtern oder ganz mundtot zu machen.
In kleinen Städten schaffen sie dadurch ein Klima permanenter
Bedrohung, oft mit dem Ergebnis, dass alle gegen sie eingestellten
Menschen entweder wegziehen oder schweigen. Die Hegemonie, die
sie dadurch erreichen nennen sie selber National Befreite
Zone. Dieses Konzept wurde bereits 1992 vom Nationaldemokratischem
Hochschulbund ausgegeben und dient der Anti-Antifa
noch immer als Grundlage. Von Herzogenaurach als einer national
befreiten Zone zu sprechen wäre sicher falsch. Die
linke Organisierung steigt nach den letzten Vorfällen,
eine neue Herzogenauracher Antifagruppe versucht jeden Monat
eine Veranstaltung zu organisieren und darüber hinaus verstärkt
in der Stadt aktiv zu werden.
glp
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