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INHALT
Themen
Bewegung
Literatur
Ausstellung
Musik&Spiele
Expo
2000
Revolutionäre
Zellen
Medien
Glosse
Kampagnen
Adressen
Impressum
Themen
Z-Bau
Aus für
Alternativkultur in der Frankenstrasse. Es fehlen 300.000 DM!
Entschädigungsfond
für Zwangsarbeit
Täterschutz
oder Opferbeseitigung?
Interview mit Thomas
Kuczynski
Ästhetische
Verwirrspiele
Diskussion zum Verhältnis zwischen Kultur
und Politik
Wettbewerb
der Fensterputzer
Städtewettbewerb um eine Urkunde aus den
Händen des Innenministers...
Es
geht um Einschüchterung
Ausländeramt Ansbach in rechtlicher Grauzone
Eriträische und äthiopische Flüchtlinge
befinden sich de facto in einem Gefängnis.
Expo
2000
Die
BeHERRschung verlieren
Innen herrscht nachhaltige Leere, aussen die
Polizei
Revolutionäre
Zellen
Jedem
revolutionären Herz eine Zelle
Verhaftung angeblicher RZ-Mitglieder
- Umgang mit Verrat in der Soliarbeit - kurze geschichte der RZ und Roten
Zora
Bewegung
1.
Mai nicht Nazifrei
Breites Bündnis gegen NPD- Aufmarsch
Beats
against Utgard
Diskussion um Aktionsformen in der Antifa
Wenn
das der Führer noch erleben könnte
Passau im nationalen Wallfahrtsrausch
NPD und DVU sorgen in der Oberpfalz für
schwarz-braunes Klima
Critical
Mass
Widerstand heisst Radfahren.
Über die Geheimnisse des mobilen Mob.
Hausbesetzung
in Nürnberg
Überraschende Aktion für eine selbstbestimmte
Jugendkultur
Keimzelle
gekündigt
Aus für ein rebellisches Jugendprojekt
AntimilitaristInnen
vor Gericht
Blockade mit juristischem Nachspiel
Ausstellung
Man
rief Arbeitskräfte und es kamen Menschen
Die Erste Generation der "Gastarbeiter" -
Ausstellung im Nürnberger Arbeitsamt
Von
grossen Töchtern und kleinen Frauen
Sigenas kleine Schwestern - Ausstellung über
spätmittelalterliche Frauengeschichte
Literatur
Mein
Leben ist mein Sonnentanz
Leonard Peltier:
Gefängnisaufzeichnungen
Ybottaprag.
Heute. Geschenke Schupo...
Essays, Fließ- und Endlostexte von Annette
Göschner
Wir
sind die Guten
Aufsätze zum Thema "Antisemitismus in
der Linken"
Siege
der Vernunft
Peter Hacks: Die späten Stücke
Suits
me
The Double Live of Billy Tipton
Ein Jazzmusiker, der eine Musikerin war
Das
Gerede von der Arbeitsgesellschaft
Kritik an den soziologischen Interpretationen
der Arbeitslosigkeit
Musik&Spiele
Butzenscheiben
aus Splitter
Neues Glas aus alten Scherben: Ein Rivival-Aufguss
dritter Klasse
Weltmusikfestivals
Ein Überblick über den Rest des
Jahres
Vinci
Spiel des Jahres
Medien
12
Stunden Sendezeit für Radio Z
Ab 01. November hoffen die Nürnberger Alternativfunker
auf ein 12-Stundenprogramm
Glosse
Von
Sommersmog und trockenen Hälsen
Wie der Umweltminister einmal reingelegt wurde
Kampagnen
Fit
for Fair
Kampagne für "Saubere" Kleidung
Karawane
für die Rechte von Flüchtlingen und MigrantInnen
Wir sind hier, weil ihr unsere Länder
zerstört
Deportation
Class
Das Geschäft mit der Abschiebung
- Die Lufthansa hilft mit - Lufthansa unterm Hakenkreuz
Camps
und Actiondays
Umweltcamp im Grünen
-
Anti-Grenze-Camp in Brandenburg
-
Global Actionday in Prag
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Bewegung
| Keimzelle
A gekündigt
Vor
fast zwei Jahren begann in Nürnberg eine Erfolgsgeschichte: Ein Verein
mietet in Gostenhof Räume an und vermietet diese an einige Punk-Bands,
die eifrig ans Werk gehen und den Keller erst einmal entschimmeln, -rümpeln
und die Bausubstanz freilegen. Es wird ein Tresen eingebaut, Schränke
organisiert für die fast täglich stattfinden Proben Volksküchen
(Voküs) veranstaltet - jeweils die Band kocht, die nicht übt.
Es wurde ein soziales Projekt. Libertäre Lebensformen sollen erprobt
werden, und Punk soll nicht nur Musik sein.
Die
Ernährung (Veganismus) meets Anarchismus und Politisches Selbstverständnis.
Von Mal zu Mal kommen immer mehr Bekannte und Freunde, um sich die Proben
anzusehen und am Projekt mitzuwirken. Darüber hinaus finden Bands
aus der ganzen Welt Gefallen an den Übungsräumen und treten ebenfalls
auf, was zu immer größeren Ansturm des Freundeskreises führt.
Jedoch hat die Nürnberger Polizei etwas gegen Bandproben und dem dazugehörigem
Gelage: Sie bezichtigt die Menschen des Mülldiebstahls, durchsucht
die Räumlichkeiten und nimmt die Leute zur Personalienfeststellung
einen Tag vor Silvester `99 fest. Seit Frühjahr versuchen die Ordnungskräfte
die Vermieterin einzuschüchtern, was im Mai zum Erfolg gefüht
hat: Sie kündigte die Räumlichkeiten bis zum 31.5.2000 endgültig.
Am 26.5 und30.5. gab es die vorerst letzten Konzerte. Sie waren immer irgendwie
kultig und familiär. Hoffen wir das Beste, dass bald ein Ersatz gefunden
wird ...g.s. |
Hausbesetzung
in Nürnberg
Renaissance
der Hausbesetzungen? Oder der Beginn eines heissen Sommers?Kurzer Überblick
über die Geschichte der Nürnberger Hausbesetzungen
Die
erste Welle der bundesweit aufkommenden HausbesetzerInnenbewegung erreichte
Nürnberg am Heiligabend 1980 - gegen 22.30 Uhr stürmten ca. 40
Leute das Haus in der Johannisstr. 70. Viele weitere kamen daraufhin zum
Feiern, und bis Mitte Februar `81 wohnten 19 Leute fest im Olaf-Ritzmann-Haus
(benannt nach einem 16jährigen Lehrling, der wenige Monate zuvor bei
einer Demo von den Bullen* gehetzt und daraufhin von einer S-Bahn
überfahren worden war). Nach der Räumung erkämpften die
BesetzerInnen sich von der Stadt Ersatz, und in der Regensburgerstraße
gibt es heute immer noch das Olaf-Ritzmann-Kollektiv. Im Jahr 1981 liefen
noch viele größere und kleinere, teilweise symbolische Besetzungen,
in deren Rahmen ein Haus in der Königsstraße gesquattet wurde.
Nach Strauß - "In Bayern bleibt kein Haus länger als 24 Stunden
besetzt" - sollte sofort geräumt werden, doch bevor die Bullen das
Haus stürmten, waren alle BesetzerInnen schon längst über
eine Feuertreppe entkommen und verfolgten die Räumung gemütlich
von außen. Am 5. März des selben Jahres wurde in einer rechtswidrigen
und für die Bullen im Nachhinein sehr peinlichen Aktion das KOMM gestürmt,
alle 172 BesucherInnen wurden verhaftet. Die Anzeigen erwiesen sich jedoch
als völlig unbegründet und haltlos, sodass sie bald wieder fallengelassen
wurden. Die Blamage, zu der dies für die verantwortliche CSU führte,
gab der Bewegung zusätzlichen Auftrieb und brachte ihr Sympathien
bzw. Solidarität seitens der Bevölkerung ein. Die Nürnberger
Bewegung wurde zu einer der aktivsten in ganz Deutschland. So wurde das
Haus in der Roritzerstraße als einziges bundesweit von innen militant
verteidigt. Die verhafteten BesetzerInnen wurden zu bis zu eineinhalb Jahren
Knast verurteilt, zu den Prozessen gab es ein HausbesetzerInnen-Festival.
Danach schlief die Bewegung erstmal etwas ein.
...weiter
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Am
17. Juli 89 wurde gegen eine Wahlveranstaltung der Republikaner in der
Meistersingerhalle mobilisiert, allerdings nicht zum Veranstaltungsort
selbst, sondern ins KOMM. Dort wurde auf Flugblättern zu einer Hausbesetzung
nach Johannis eingeladen, das dort besetzte Haus wurde nach dem `85 in
Frankfurt durch einen Wasserwerfer tödlich verletzten Demonstranten
gegen die NPD ,,Günter-Saré-Haus" benannt. Hinter der dadurch
ins Rollen gebrachten zweiten Welle der Nürnberger Hausbesetzungen
stand eine andere Intention: Es ging in erster Linie nicht mehr um Wohnraum,
die Aktionen wurden vielmehr zu demonstrativen Zwecken mit Bewegungscharakter
genützt, z.B. um symbolisch auf die Belange der `87 neu gegründeten
Antifaschistischen Aktion hinzuweisen. In diesem Sommer gründete sich
dann der NBR (Nürnberger BesetzerRat), der z.B. mit einer Aktion auf
der Pegnitz auf sich aufmerksam machte; daher auch der Name Stadtpiraten.
1989 fanden endlich wieder viele Aktionen statt. Die Hausbesetzungen waren
das Stadtgespräch und fanden große Unterstützung seitens
der Nürnberger Bevölkerung, z.B. durch das Bündnis ,,Mieter
helfen Mietern". Doch die den Besetzungen stets auf den Fuß folgenden
Räumungen führten zu einer hohen Frustrationsquote bei den BesetzerInnen:
Bei einer Platzbesetzung in Johannis (Leute wohnten mit Zelten in der Hessestraße)
kam es zu 74 Festnahmen, auch die Besetzung in der Schweinauer Hauptstraße
wurde mit einem (für damalige Verhältnisse) riesigen Polizei-Aufgebot
zerschlagen. Mit der vorläufig letzten Aktion, einem Camp in der Desi,
verlief die Nürnberger BesetzerInnen-Bewegung im Sande. Nur vereinzelte
sogenannte stille Besetzungen (z.B. 1990/91 das Zuckerbeer, eine alte Lagerhalle
in Leonhard, die von den Bullen unbemerkt als Werkstatt, Kneipe und Veranstaltungsort
genutzt wurde) sind zu erwähnen.
In
den darauffolgenden Jahren sah es in Nürnberg in Bezug auf Direkte
Aktionen schlecht aus ...
...
Doch in der Nacht auf den 1. Mai 2000 setzten junge AktivistInnen ein Zeichen
für das Ende der unbewegten Zeiten, indem sie symbolisch ein leerstehendes
Haus in Gostenhof, Untere Seitenstr. 11, squatteten. Die Besetzung sorgte
sogar in der kommerziellen Nürnberger Presse für Schlagzeilen.
Um Mitternacht sammelten sich bis zu 50 Menschen aus den verschiedensten
Gruppen und Zusammenhängen der linken Szene Nürnbergs vor und
in dem seit Jahren ungenutzten Haus der Stadt. Transparente wurden aufgehängt:
,,Dieses Haus ist besetzt". Überall saßen, standen oder liefen
Leute herum, laute Musik tönte aus jedem Stockwerk. Auf der Straße
begann jemand mit Feuerfackeln zu jonglieren, aus den umliegenden Häusern
schauten verstohlen die AnwohnerInnen hinter Gardinen vor, einzelne kamen,
um ihre geparkten Autos aus der Straße wegzufahren. In einer gleichzeitig
herausgegebenen Presseerklärung wurde die Aktion mit der Forderung
nach einem Autonomen Jugendzentrum begründet. FotografInnenen und
ReporterInnen erschienen in Gostenhof. Im Haus war die Stimmung gut, das
Motto war: Party feiern in den 1. Mai. Allerdings hatte mensch sich im
Vorfeld nicht auf eine gemeinsame Handlungsstrategie festgelegt, und viele
wollten wegen der geplanten Demo in Fürth am nächsten Tag auch
nichts riskieren. So standen, als die von NachbarInnen alarmierte Polizei
schließlich kam, zirka 40 Leute draussen auf der Straße herum,
während sich im Haus nur noch einige BesetzerInnen befanden. Insgesamt
kam es zu neun Verhaftungen, sieben Menschen wurden im Hinterhof eines
Nachbarhauses festgenommen, zwei stellten sich erst, nachdem sie noch 4
Stunden lang vom Dach des Hauses die Polizei in Schach gehalten hatten.
Die Verhafteten im Alter von 17 - 31 Jahren durften die Nacht zum 1. Mai
in der Lenau-Wache und bei der Kripo zur ED-Behandlung verbringen und sollen
wegen schwerem Hausfriedensbruch angeklagt werden. Bei den verhafteten
BesetzerInnen in den 80ern kam es übrigens, außer nach der militanten
Verteidigung des Hauses in der Roritzerstraße, zu keinem einzigen
Prozess. Hoffen wir das Beste für die jetzt Betroffenen ...
Den
BesetzerInnen ging es bei dieser Aktion nicht darum, Wohnmöglichkeiten
zu schaffen, sondern auf die fehlenden Räumlichkeiten selbstverwalteter
(Jugend-)Projekte und unkommerzieller Subkultur in Nürnberg hinzuweisen.
Seit dem Wegfall der Selbstverwaltung des KOMMs, der Umsiedelung von LGB
und Kunstverein und Schließung der Keimzelle A klafft eine gewaltige
Lücke im Bereich des alternativen Kulturangebots.
Die
Hausbesetzung, die für die Beteiligten teilweise auch einfach Spaß
bedeutete, war sicherlich ein heftiger Anfang für den Kampf um ein
autonomes Zentrum - sie kann ein erstes Zeichen dafür sein, dass sich
sowohl in der Bewegung etwas tut, als auch dass sich die Kulturpolitik
der Stadt Nürnberg ändern muss - und diesem Zeichen folgen hoffentlich
weitere. Im Rahmen einer Initiative zur Errichtung eines selbstverwalteten
(Jugend-)Zentrums können die unterschiedlichsten Leute die verschiedensten
Aktionen planen: Flugblätter, Plakate, Artikel, Soli-Konzert für
die angeklagten BesetzerInnen, Parties, weitere Besetzungen, Direkte Aktionen
- jedeR sollte ihre/seine eigenen Sachen machen und möglichst viele
andere dazu einladen. Alles ist möglich - der Sommer wird heiß
...
Solidarität
mit den BesetzerInnen, für eine freie, selbstbestimmmte (Jugend)kultur
!
Lena
& Lucy
*
umgangssprachlich für PolizeibeamtInnen.
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