12
Stunden
Sendezeit
für Radio Z
Radio
Z hat es so gut wie geschafft: Der langgehegte Traum der
Alternativfunker wird wahr. Voraussichtlich ab dem 1. November dieses Jahres
wird auf der 95,8 MHz in Nürnberg und auf der 93,6 MHz in Erlangen
das ungewöhnliche, nichtkommerzielle Programm von ausländischen
Redaktionen, Aussiedlern, Schwulen und Feministinnen, Behinderten, Autonomen,
Antifas, Rentnern, Musikfreaks und so ziemlich allen ,,Randgruppen", die
die Gesellschaft zu bieten hat, täglich von 14 Uhr bis 2 Uhr nachts
zu hören sein.
Die Erweiterung von acht auf satte zwölf Stunden Sendezeit freut die
über 20 voneinander unabhängig arbeitenden Radio Z-Redaktionen
und insgesamt etwa 150 Mitarbeitenden riesig. Sorgen, die Zeit nicht füllen
zu können, macht sich am Kopernikusplatz in der Nürnberger Südstadt
niemand. Geschäftsführerin Syl Glawion: ,,Etliche neue Redaktionen
stehen schon in den Startlöchern und sind ganz begierig darauf, auf
Sendung zu gehen. Eine neue Sendung von und für Flüchtlinge,
gestaltet von der >Karawane<, wird es geben, um die jahrelange Lücke
in diesem Bereich, der uns besonders wichtig ist, zu schließen. Außerdem
wird eine Kindersendung, für die wir bereits einen Sozialpädagogen
gewinnen konnten, täglich um 14.15 Uhr zu hören sein. Gespannt
sind wir auch auf das deutsch- israelische Radioprojekt, das in beiden
Ländern zur Hälfte produziert und in der BRD exklusiv bei uns
zu hören sein wird." Auch in der Sonntagsschiene sind Neuerungen geplant.
Der Knastfunk ,,Strafzeit" soll die schon jahrelang geforderte Sendezeitausweitung
erhalten und künftig eineinhalb Stunden lang Grüße von
draußen nach drinnen bringen, und auch die GriechInnen, TürkInnen
und KurdInnen am Abend danach haben ab Herbst je eineinhalb Stunden zur
Verfügung und freuen sich ebenso wie die anderen ausländischen
Redaktionen darauf, nun mehr ihrer Beiträge für eingeborene Hörer
ins Deutsche übersetzen zu können, was bisher oft am Zeitmangel
scheiterte. Die Nachtstunden von 24 Uhr bis 2 Uhr sollen, wenn alles gut
geht, DJs aus der Region mit ihren heißen Scheiben und progressive
Kulturschaffende füllen. Sogar auf Live- Übertragungen aus der
Desi oder anderen Clubs des Großraums darf man sich freuen, denn
Radio Z besitzt mittlerweile ein ,,Musiktaxi" für Außenübertragungen.
Frequenzdschungel
Neuer Frequenzpartner von Radio Z auf der 95,8 MHz könnte Vil-Radio
werden, was aber noch nicht hundertprozentig gesichert ist, da das (unformatierte)
Ein-Mann Weichspüler- Radio, das noch wenig bekannt ist und bisher
nur im Kabel sendet, gerne ganze 24 Stunden für sich hätte, um
sich werbewirksamer vermarkten zu können. In Frage käme auch
Radio Aladin, das momentan ein Fenster bei Charivari hat, aber auch länger
senden möchte. Der Lokalsender mit dem Schwerpunkt Fürth, der
ab und an auch Wortbeiträge sendet, will vor allem ein mittelaltes
Publikum an sich binden und ist durchformatiert. ,,Die Partnerschaft wird
verzögert entschieden. Der Fahrplan sieht vor, das Verfahren bis zum
Herbst abzuwickeln. Doch egal, wer unser neuer Partner wird, schlimmer
als es bisher mit den aggressiven Radio-Multis von Energy war, kann es
nicht mehr kommen. Daher gehen wir von einer Verbesserung aus und haben
keine Vorlieben", kommentiert Syl Glawion das Frequenzgerangel. Außerhalb
der Debatte ist mittlerweile das Deutschlandradio, das die Verzögerung
des Frequenzverfahrens bis zum Herbst verursacht hatte. Der seriöse
Sender mit Anspruch belegt in der Nähe von Ingolstadt die Frequenz
107, der aber die 106,9 stört, die von der BLM, der bayerischen Landeszentrale
für neue Medien in München, die für die Lizenzen im privaten
Hörfunkbereich zuständig sind, Radio Energy zugedacht und damals
für den französischen Großkonzern plötzlich aus dem
Hut gezaubert worden war. Doch hier schritt die bayerische Staatskanzlei
ein, gestattete der BLM, auch über diese Frequenz zu verfügen
und kippte so zugunsten eines privaten Tralala-Senders ein gutes öffentlich-rechtliches
Programm.
Die
Zukunft: die Mitglieder
Das
alles wird im Herbst Realität, zumindest wenn der Medienrat in München,
der den Veränderungen formal noch zustimmen muß, den euphorischen
Plänen nicht in letzter Minute noch einen Strich durch die Rechnung
macht, wonach es aber momentan nicht aussieht, obwohl die Einschaltquoten
im letzten Jahr laut Medienanalyse für Radio Z zurückgingen.
Am Beliebtesten ist demnach ,,Castrop Rauxel", die Musik-Infotainment-Sendung
von 16 bis 17 Uhr. Aber Freies Radio läßt sich eben nicht mit
den herkömmlichen Analysemethoden bewerten. Wer sich in den alternativen,
nichtkommerziellen Bereich begibt und auch ungewöhnliche Menschen
ans Mikro läßt, um nicht immer nur über bestimmte Gruppen
zu berichten, sondern ihnen authentisch Gehör zu verschaffen, wird
von vornherein nur ein eingeschränktes Segment erreichen. Und das
ist schließlich von Radio Z so beabsichtigt, denn Dudelfunk, der
die Charts von vorne nach hinten abnudelt, gibt es schon genug. Auch wenn
die Spreche der Moderatoren nicht immer perfekt ist, auf den hohen Wortanteil
von über 40 % und die vielen inhaltlichen Beiträge ist man bei
Bayerns einzigem Freien Radio stolz. Doch ein solches vielfältiges
Radioprogramm ist nicht umsonst zu haben, gerade wenn man fast vollständig
auf Werbung verzichtet und allenfalls einmal kleine Läden, spezielle
Konzerte oder Kneipen präsentiert.
Daher ist Radio Z nach wie vor auf seine Mitglieder angewiesen, die über
den Verein R.a.d.i.o. e. V. die zentrale finanzielle Stütze des Projektes
bilden. Derzeit sind das etwas über 1.600 Menschen. Die anstehende
Sendezeiterweiterung und die Einrichtung eines dritten Produktionsstudios
macht einen Mitgliederzuwachs notwendig. Ko-Geschäftsführer Matthias
Ziegaus: ,,Unser Traumziel sind 3.000 Mitglieder. Dann wären wir nämlich
unabhängig von der BLM. Zwar erhalten wir ab und zu Medienförderung
für unsere ambitionierten Projekte, doch ist man uns in München
nicht sehr wohlgesonnen, und wir würden uns gerne die jährliche
Betteltour ersparen. Oft fühlen wir uns in der Funktion eines liberalen
Feigenblattes im schwarzen Bayern. Dass gerade dieses Gremium uns nun endlich
mehr Sendezeit genehmigt und das 12-Stunden-Modell vorgeschlagen hat, ist
schon ein großer Sieg". Doch bis ein solcher Mitgliederstand erreicht
ist, bleibt noch einiges zu tun. Los gingen die Werbe-Aktivitäten
bereits mit dem Z-Sommerfest in der Desi am 1.Juni, wo beim Wodka der russischen
Redaktion, dem Kuchen der Oldies von den ,,Spätzündern", einer
Cocktail- und Salatbar tüchtig von nachmittags bis spät in die
Nacht gefeiert wurde. Den krönenden Abschluß bildete die Disco
mit den Z-DJs, während draußen in der Desirena ausgesuchte Filme
der Frames-Redaktion zu sehen waren. Der Erfolg und die Einnahmen für
Radio Z machten die Mühe der Vorbereitung locker wett.
Das war noch nicht alles, die Radio-Crew hat noch mehr zu bieten, und zwar
die neue Mitgliederkampagne, die am 1. Juli starten soll mit zahlreichen
Aktivitäten in Kneipen, Clubs, Kulturzentren, Unis und der Fußgängerzone.
Wundert euch also nicht, wenn ihr auf Kneipentrupps stoßt, die mit
Quetschenpower durch die Pinten ziehen, auf ein Straßentheater in
der Innenstadt trefft oder Infoständen an allen möglichen Orten
begegnet. Zur Förderung von Radio Z kann auf besonders hippe Weise
beitragen, wer die neue Z- Art- Collection trägt: Zip-Jacks, T-Shirts
und Feuerzeuge mit neonfunkelnden, gezackten Zs darauf, fluoreszierend
und besonders gut im Disco-Licht einsetzbar. Erhältlich derzeit in
schwarz und blau.
Claudia
Schuller
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