Von Sommersmog und trockenen Hälsen
Wie Umweltminister Trittin mal ganz bös reingelegt
wurde!
Wodurch wird eigentlich eine Partei regierungsfähig?
Darauf gibt es keine eindeutige Antwort, so ist zu vermuten. Als Daumenregel
und Feuertaufe kann gelten, dass ihr in den vier größten Tageszeitungen
mindestens ein Jahr lang die Regierungsfähigkeit wechselweise ab-
und wieder zugesprochen wurde.
Könige hatten es früher einfacher. Sie galten - ungeachtet
gelegentlicher genetisch bedingter Debilitätsprobleme - von Geburt
an als regierungsfähig. Wenn es ihnen Spass machte, dachten sie sich
nach dem Frühstück eine Weisswurststeuer aus und nach dem Mittagessen
ein oder zwei Gesetze. Hatten sie dazu keine Lust, ritten sie halt jagen,
brachen einen Krieg vom Zaun oder gingen auf Kreuzzug. Das eigentliche
Regieren blieb dann den Ministern überlassen.
Die Politiker der Regierungsparteien von heute sind
da schon schlechter dran. Erstens sind sie manchmal selber Minister, zweitens
dürfen sie nicht jagen, sondern müssen joggen oder fahrradfahren,
drittens gibt es keine Kreuzzüge mehr, und viertens kann ja auch nicht
dauernd ein Krieg sein, für den man über den Klee gelobt wird.
Und in solchen Zeiten muss man sich halt auch mal mit so richtig trockenen
Themen rumschlagen.
Z.B. Sommersmog - ein echt trockenes Thema.
Bei Frau Niedernberg im Stock unter mir ist Sommer
kein trockenes Thema. Wir beide machen uns eher so unsere Gedanken, ob
es nicht wieder so wird wie im letzten und vorletzten Jahr, wo er gleich
wieder vorbei war und es viel zu viel regnete und dass, wenn doch, der
Regen ja wenigstens den Bauern recht ist. Doch bei dem Bündnisgrünen
aus dem Erdgeschoss trat ich gestern total ins Fettnäpfchen.
Wie aus den letzten Jahren gewohnt warf ich ihm ein freundliches ?Mensch
das riecht ja heute wieder nach Ozonalarm" zu, als ich ihn im Treppenhaus
traf. Und da macht der gleich ein solches verletztes und zerrissenes Gesicht,
wie er es immer während des Jugoslawienkrieges aufhatte, und kriegte
einen solchen rauhen Hals, dass er mir ganz leid tat. Dabei hatte ich mir
echt nix böses gedacht. Echt!
Wie kam nun der Minister - die Rede ist natürlich
von Jürgen Trittin - dazu, Tempolimits und Fahrverbote als "rein symbolisch"
zu bezeichnen und damit ein Antismog-Gesetz ohne solche Maßnahmen
zu rechtfertigen. Und das obwohl die Bündnisgrünen seit Jahren
solches forderten? Und das, obwohl das Umweltbundesamt erst wenige Tage
zuvor ausdrücklich Tempolimits und Fahrverbote empfohlen hatte, und
hernach entsprechend empört auf die Äußerungen des Ministers
reagierte?
Gundel und Peter - beide sind Starschornalisten bei
Radio Z - stellten sich folgende Szene vor, die das Ganze erklären
könnte:
Trittin ist grad ganz
unbeugsam am Verhandeln mit der Autoindustrie: "Nein, Herr Daimler, wir
bleib'n da knallhart, Tempolimits und Fahrverbote, die tun wir rein in
des Gesetz, und wenn ihr euch auf den Kopf stellt und mit die Füße
wackelt."
In diesem Augenblick klingelt sein Handy.
"Umweltminister Trittin!"
"Ja, Servus, da ist der Jost vom Bundesumweltamt!"
"Was willst denn du, ich bin grad knallhart am verhandeln!"
"Nee Jürgen, alles kehrtmarsch, mir hab'n grad rausgfunden, Tempolimits
und Fahrverbote, die bringen überhaupt nix, des hab?n unsere neusten
Ergebnisse eindeutich belegt! Sind grad reinkommen mitn Fax!"
Der Trittin wird natürlich knallrot:
"Also Herr Daimler, grad wird mir g'sagt, wir müssen doch zu anderen
Mitteln greifen! Aber dass Sie sich ja net einbilden, des wär wegen
Ihnen. Von Ihnen lassen mir uns nämlich gar nix sagen ..."
Und der Anrufer, das war in Wirklichkeit der Helmut Kohl, der sich
mit verstellter Stimme einen kleinen Scherz erlaubt hatte ...
Ja, so könnte es tatsächlich gewesen sein!
Aber wie es so geht beim Artikelschreiben, du schreibst
und schreibst, und am Ende weißt du gar nicht mehr wovon am Anfang
eigentlich die Rede war. Denn die Frage, was macht Parteien regierungsfähig,
die haben wir ja leider nun immer noch nicht beantwortet.
Michael Liebler
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