| Critical
Mass
Widerstand
heisst Rad Fahren
Im
Zuge der immer häufigeren Anwendung der "direkten Aktion" als Mittel
der politischen Auseinandersetzung und Protestform kommt es auch hierzulande
zu sogenannten critical masses (stammt von der "kritischen Masse"
z.B. in der Physik oder Soziologie). Dies bedeutet, dass sich an einem
irgendwie in Umlauf gebrachten Zeitpunkt und Ort Leute mit ihren Velozepets
(Fahrrädern) einfinden, um anschließend spontan - und das obwohl
es regelmäßig ist -, friedlich und gerade nicht agressiv durch
die Stadt eine Fahrradtour zu veranstalten. Hier gilt zu beweisen, dass
RADverkehr auch ein Verkehr ist. Viele Menschen per Velo können genausogut
den Verkehrsfluss lahmlegen, wie dies die vierrädrigen, stinkenden
Saurier jeden Tag, überall und an den unmöglichsten Orten tun
(Dabei werden sie übrigens nicht kontrolliert und es wird auch seitens
der Polizei nicht versucht, den/die DemoverantwortlicheN zu suchen). Dabei
können RadlerInnen auch noch kommunizieren und vor allem Spaß
haben. Die Route bestimmt immer der- oder diejenige, der oder die gerade
vorausfährt. Ideal ist eine Strecke immer dann, wenn auf ihr keine
Radwege vorhanden sind, weil es dann legal ist, die Straße zu blockieren.
Dabei kann jedeR einmal die "Führung" übernehmen. Es gibt keineN
ChefIn, VerantwortlicheN o.ä. Selbst wenn einige TeilnehmerInnen versuchen,
"Ordnung" in den Tross hineinzubringen, z.B. um Gefährdungen seitens
der AutofahrerInnen zu vermeiden, so handelt es sich meist um erfahrenere
RadlerInnen, es sind jedoch nicht die Verantwortlichen, da es ja dergleichen
keine gibt!!
Nun
stellt sich die Frage, wie mensch es anstellt, dass die Ordnungskräfte
sich für diese Veranstaltung, die eigentlich keine ist - laut Veranstaltungsrecht
- nicht interessieren. Die Lösung: Mensch hält einfach die Verkehrsregeln
ein und verhält sich unprovozierend und friedlich. Das klingt jetzt
langweilig, jedoch hat es keinen Sinn, sich abkassieren zu lassen. Irgendwann
verliert die Polizei den Spaß an den für sie langweiligen Rundfahrten
und verschwindet.
Bei
mehr als 16 TeilnehmerInnen gelten nämlich bestimmte Sonderregeln:
Fährt die/der Erste über eine Ampel, dürfen alle anderen,
auch wenn es dann schon rot ist, auch noch weiterfahren, da sonst der Verband,
den eine solche critical mass ja darstellt, auseinandergerissen
wird und das laut Gesetzgeber nicht wünschenswert ist. Ab einer noch
größeren Ansammlung (ab z.B. 50) können dann auch zwei
Fahrspuren benutzt werden.
Das
ist nur ein Beispiel für eine direkte Aktion: Eine mehr oder weniger
spontane Aktion zu einem bestimmten Anlass ohne große Vorbereitung
von einer Organisation, Partei oder Verein. Normale BürgerInnen versammeln
sich - Versammlungsrecht - , um eine Meinung kundzutun - Meinungsfreiheit
- und drücken damit "Bürger"willen aus. Hierbei kommt es zu keiner
Politikverdrossenheit o.ä. Der Konsens über eine bestimmte politische
Aussage ergibt sich aus der Anwesenheit.
Die
Critical
Masses werden schon seit geraumer Zeit vor allem in Großbritannien
sehr erfolgreich praktiziert. Einige Hundert bis sogar Tausend RadlerInnen
treffen sich teilweise an mehreren Orten in einer Stadt. Auch in Deutschland
geschieht dies immer häufiger. Wenn also in Eurer Stadt so etwas noch
nicht etabliert ist, kümmert Euch darum. Es lohnt sich.Treffpunkt
für die spontane Radltour könnte z.B. jeden 2. Freitag im Monat
um 17.00 Uhr am Kopernikusplatz in Nürnberg (beim Kino Casablanca)
mit Fahrrad und guter Laune sein ...
Der
Mobile Mob
...
Es war einmal eine Welt, in der trugen sich gar sonderbare Dinge zu. Zum
einen war es üblich, dass jedeR mit vierrädrigen, von Geisterhand
gezogenen und zum Himmel stinkenden Kutschen durch die Lande zog. Zum andern
gab es da Menschen, die erkannten die Macht dieses heiligen Au-Tos nicht
weiter an: Sie treffen sich seither immer an bestimmten spontan festgelegten
Orten und feiern gemeinsam den "Mobilen Mob".
Dabei
handelt es sich um ein Ritual, bei dem Menschen - die keinem Führer
folgen und deren Weg auch nicht von einem Rat von Auserwählten bestimmt
wird - mit unmotorisierten zweirädrigen Stahl(Aluminium- oder Carbon)-rössern
beginnen, die Wege, auch Straßen genannt, als Raum ohne Furcht vor
den stinkenden Vierrad-Ungeheuern zurückzufordern. Dabei haben sie
gewöhnlich Spaß, verbessern ihr Wohlergehen und es wird den
großen HerrscherInnenn, die den Erschaffern des Au-Tos scheinbar
hörig sind, gezeigt, dass die DrahteselbetreiberInnen ebenso auf ihr
Recht auf Raum pochen.
Zu
dem Ritual gehört:
-
Eine immer zusammenhängende - auch bei Signalzeichen (Ampeln) - wurmähnliche
Formation, in die kein Stinkevehikel eindringt und die sich ohne vorbestimmte
Wege durch die Stadt bewegt.
-
Ein Flankenschutz an der Seite des Wurmes bei der Überquerung von
großen Wegkreuzungen. -
Sich seitens der grünen Ritter der großen Mächtigkeiten
nicht angesprochen zu fühlen.
-
Sich nicht von ihnen aufhalten zu lassen und
-
kein unnötig Zeugnis zu bekunden außer zum Namen, zur Adresse
und generellen Berufsbezeichnung.
-
Eine friedliche, gutgelaunte Masse, die sich nicht von üblen Betreibern
von Stinkern zu Torheiten anstiften läßt.
-
Aufmerksamkeit erregen. -
Phantasie. -
Lachen, Freude ...
-
Das Ritual soll keiner (Verkehrs-) Regel widersprechen, da sonst die grünen
Ritter zum Angriff blasen.
Pedersen
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