Editorial
In letzter Sekunde
Während diese Zeilen in fiebriger Eile geschrieben werden,
zieht schon die Druckmaschine mit hämmernden Kolben Blatt
für Blatt der neuen raumzeit in ihr Rollenwerk. Es ist
ein verzweifelter Wettlauf mit der Zeit dieses Werk noch zu
tun: das Notwendige zu verrichten, ein ursprünglich vorgesehenes
Geleitwort, das eine scharfe Attacke auf die herrschenden Verhältnisse,
den Imperialismus, die Unterdrückung und den ganzen Rest
durch dieses Editorial zu ersetzen.
Der Arbeiter Horst Weber wischt sich immer wieder die öligen
Hände an seinem Blaumann ab, so als müsse er jedes
Mal an einem Makel teil haben, wenn er sich mit der Druckerschwärze
befleckt. Missmutig verrichtet er, der sonst kein Werk scheut,
seine Tätigkeit, spuckt aus und zieht sich die Kappe mit
finstere Miene tiefer in die Stirn. Wir wissen, er weiß,
denn er hat es uns ins Gesicht hinein gesagt und er hat es von
seinem Onkel aus Königs Wusterhausen was das ist, das hier
gedruckt wird und sich unter dem nichtssagenden Namen raumzeit
tarnt. Und bald wird es jeder und jede wissen. Sie werden uns
ins Gesicht spucken und unsere Zeitung in die Gosse treten.
Warum haben wir uns nicht zu unserer Mitschuld bekannt und es
von Anfang an eingestanden: Dass wir nichts geringeres sind
als das Nachfolgeblatt der Zeitung für den werktätigen
Kaninchenzüchter in der SED.
Nun ist es heraus, wir wollen Abbitte leisten: Wir entschuldigen
uns, wir entschuldigen uns, wir entschuldigen uns...bei allen
unschuldigen Kaninchen und für den Mauerbau.
Euere Raumzeit
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