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Mutter Ostpreußens soll bleiben
Frauenaurach: AnwohnerInnen streiten für Agnes-Miegel-Straße
Einstimmig war das Votum des Ortsbeirates am 26. Juni gegen
eine Umbenennung einer kleinen Straße in Frauenaurach,
die seit der Gebietsreform 1972 an Agnes-Miegel erinnert. Eine
Entscheidung des Stadtrats steht noch aus. Die Mehrheit wird
sich wahrscheinlich hinter den Wunsch des Frauenauracher Ortsbeirates
und der AnwohnerInnen stellen. Die Grüne Liste (GL) hatte
eine Umbenennung in Lilli-Bechmann-Rahn-Straße beantragt.
Bechmann-Rahn stammte aus einer alteingesessenen jüdischen
Fürther Familie. Im Nationalsozialismus wurde ihr von der
Erlanger Philosophischen Fakultät der Doktortitel aberkannt.
Auch in anderen Städten laufen Kampagnen für die Umbenennung
von Agnes-Miegel-Straßen, beispielsweise in Bottrop und
in Herten (Ruhrgebiet). Der Antrag des dortigen Aktionsbündnisses
wurde sogar von Seiten der CDU unterstützt, jedoch mit
der knappen Mehrheit von SPD und UWG (unabhängige Wählergemeinschaft)
inzwischen abgelehnt.
Die besonders in Vertriebenenkreisen hoch angesehene Agnes Miegel,
"Mutter Ostpreußens" genannt, wurde u.a. in die
"Sektion für Dichtung" der "Preußischen
Akademie der Künste" berufen. Der Schriftstellerin
wurden zahlreiche Preise und Auszeichnungen verliehen, so u.a.
1939 das "Ehrenzeichen der Hitlerjugend". Die NS-Frauenschaftlerin
bedankte sich auf ihre Weise: 1940 trat Miegel der NSDAP bei.
Aus Miegels Feder stammen auch Hymnen auf Adolf Hitler: "Neid
hat er und Bruderhaß gestillt. Unsere Herzen, hart von
Not und Krieg, hat mit seinen glühenden, glaubensvollen
Worten er durchpflügt wie Ackerschollen, bis ein neuer
Frühling auf uns stieg."
Die Popularität der Schriftstellerin wurde auch durch die
Befreiung vom NS-Faschismus nicht gebrochen. In Bad Nenndorf,
wo Agnes Miegel nach Krieg und Faschismus lebte, wurde sie zur
Ehrenbürgerin ernannt. Zahlreiche Straßen und Schulen
erhielten den Namen der mit dem Naziregime eng verstrickten
Ostpreußin. Nicht nur in der einschlägigen neofaschistischen
Presse wird die Miegel heute noch geehrt. Die im Umfeld der
"Landsmannschaft Ostpreußen" beheimatete "Agnes-Miegel-Gesellschaft"
führt regelmäßig ihre "Agnes-Miegel-Tage"
durch.
Im "Biographischen Lexikon zum Dritten Reich" (Hermann
Weiß, Hg., Fischer-Verlag 1998) heißt es über
Agnes Miegel u.a.: Für die Nazis war es "ein Gewinn",
diese "seit über dreißig Jahren etablierte und
bekannte Heimatdichterin in der Deutschen Dichterakademie
als Aushängeschild präsentieren zu können. In
der Folge zeigten sich in den Werken der ,Mutter Ostpreußens'
"Elemente einer mythologisierenden Blut-und-Boden-Romantik,
die eine Affinität zu nationalsozialistischen Ideen erkennen
lassen".
Miegels NS-Nähe sei nicht so schlimm gewesen, meinten einige
BesucherInnen des Ortsbeirates -deswegen brauche man doch keine
Straße umzubenennen, damals hätten sich doch alle
mit den Verhältnissen arrangiert. Außerdem sei Lilli
Bechmann-Rahn zu lang und zu kompliziert.
Die BewohnerInnen der Agnes-Miegel-Straße waren erschienen
und lehnten eine Umbenennung entschieden ab. Höhnisches
Gelächter und gehässige Kommentare prägten die
Stimmung.
Ein Bewohner der Straße entschuldigte sich hinterher beim
anwesenden GL-Vertreter für das Auftreten seiner Nachbarn
- obwohl er selbst gegen die Umbenennung gestimmt hatte.
Wolfgang Most
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