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Werben fürs Sterben
Bundeswehrausstellung "Unser Heer" warb in Erlangen
Diesmal fänden keine Hubschrauberflüge statt, teilte
der Bundeswehroffizier den AnwohnerInnen des Festplatzes an
der Hartmannstraße in Erlangen mit. Als die Bundeswehrausstellung
"Unser Heer" Ende Mai in Sachsen gastierte, verfehlte
ein Fallschirmschauspringer seinen Landeplatz und sprang in
den Tod.

Bundeswehrsoldat
wirbt mit sauberen Schuhen |
So beschränkte sich die Bundeswehr Ende Juni in Erlangen
auf Vorführungen von bodengebundenen "Großgeräten
des Heeres". Verschiedene Panzerfahrzeuge wie Leopard,
Marder, Wiesel und andere Tierchen, die sich gerade auf dem
Balkan rumtreiben, drehten abwechselnd kleine Runden. Mit den
Wanderausstellungen "Unser Heer", "Unsere Luftwaffe"
und "Unsere Marine" will die Bundeswehr vor allem
ihre Nachwuchssorgen beheben und bei jungen Leuten ein "dauerhaftes
Interesse an den Streitkräften wecken" (Eigenwerbung).
Allgemein wirbt die Ausstellung für mehr Sympathien in
der Bevölkerung. Die Akzeptanz der Bundeswehr habe sich
in den letzten Jahren verbessert, betonte der Presseoffizier
bei der Ausstellungseröffnung in Erlangen, "Unser
Heer" werde im Vergleich zu früher kaum noch mit Protesten
konfrontiert.
Wider Erwarten gingen die fünf Ausstellungstage in Erlangen
nicht ganz ohne Nebengeräusche über die Bühne
(siehe Fotos). Eine Reihe von Veranstaltungen, zu denen unter
dem Bundeswehr-Label eingeladen wurde, fanden nicht statt: so
eine raveparty "bomb the bass if it is too loud, you are
too old" der "young generation Bundeswehr". Vergeblich
warteten auch die BesucherInnen des gleichzeitig stattfindenden
Zollhausfestes auf einem per Flugblatt angekündigten Umzug
quer durch das Straßenfest "mit mehreren kampffähigen
Panzern und schwerem Gerät".
Rund 50 TeilnehmerInnen fanden sich zum Aktionstag am 30. Juni
vor Ort ein. Der Bundeswehransager begrüßte über
Lautsprecher die "Demogruppe" und erklärte Gesprächsbereitschaft
mit den "Andersdenkenden". Polizei und Feldjäger
einigten sich das Spektakel weitgehend zu ignorieren.
"Wir hatten es mit einem wirklich interessierten Publikum
zu tun" meinte der Ausstellungsleiter in seinem "Abschlussbericht
Ausstellung UNSER HEER in Erlangen", der bereits einen
Tag vor dem Ende der Ausstellung bei der Presse einging. Ob
er damit auch die "Demogruppe" meint, wird sein Geheimnis
bleiben: dieses Kapitel bleibt ausgespart.
wm
Aktionstag am 30. Juni zur Bundeswehrausstellung "Unser
Heer": Eichhorn 13 (Technische Daten: wollte sich in technischer
Brillianz mit Leopard 2 messen.
Soldaten sind ... (hier nur spiegelverkehrt). Dynamische T-Shirtgruppe
dreht zwei Platzrunden über gestellte Beine von Ausstellungsbesuchern.
"Soldaten sind Gärtner" sticht den BesucherInnen
beim Betreten des Ausstellungsgeländes ins Auge. Das Transparent
hängt zehn Meter über dem benachbarten Wagendorf.
"Gärtner" heißt wahrscheinlich auch das
Lösungswort eines im Vorfeld verteilten Kreuzworträtsels
und nicht "Mörder", wie die "Erlanger Nachrichten"
berichteten. Das ermittelte die raumzeit-Redaktion in aufwendigen
Recherchen (durch das Zählen der leeren Buchstabenkästchen).
wm
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