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Kehrd wärd in Fährd
Bye, Bye Schlachthof! Nach 12 Jahren heißt es nun: Wir
sagen Tschüss! für das Fürther Kulturforum.
Am 23.6. stieg unter diesem Motto die Abschiedsfete. Im August
oder September sollen die Bagger anrücken, doch ob die
Wiedereröffnung Silvester 2002 tatsächlich stattfinden
kann, scheint fraglich.
Ab dem nächsten Jahr soll der Schlachthof mit einem neuen,
schicken Foyer und einer professionellen Gastronomie plus Biergarten
aufwarten. Die große Schlachthalle wird komplett saniert
sein und auch die kleine Halle verschönt. Besonders positiv:
Bessere Beheizungsmöglichkeiten.
Novitäten sollten angelockt und Nischen genutzt werden,
hört man aus dem Kulturreferat. Von der geplanten professionellen
Gastronomie verspricht man sich Mitnahmeeffekte
auf die freie Szene, mehr Leute könnten dann auf die nichtkommerziellen
Spartenangebote aufmerksam werden. Die Sorgen der Kulturaktiven,
aus dem Haus verdrängt zu werden, können die städtischen
Verantwortlichen nicht nachvollziehen. Die Gruppen hätten
ihre Chancen im Haus leider oft schlecht wahrgenommem, heißt
es dazu in der Lokalpresse.
Die Betroffenen sehen das ganz anders. Die Mitglieder
des Musikhauses, hauptsächlich Leute um die Bands Fab
Chief, Travelling Playmates und Einstürzende
Doppelhaushälften, fühlen sich hinausgesäubert,
denn das Musikhaus ist die freie Initiative, die nach der Wiedereröffnung
nicht mehr dabei sein wird. Jetzt wird, ähnlich wie
im ehemaligen Nürnberger KOMM, eine kreuzbrave Normalkultur
Einzug halten, befürchtet der Basser der Travelling
Playmates. Ein Freund ist der Meinung, die Bürokratie
der Stadtobrigkeit töte jede Eigeninitiative ab. Er selbst
habe sich mit einem Café an der Kulturmeile beteiligen
wollen, sei aber von Amt zu Amt geschickt und schließlich
negativ beschieden worden. So wandern wir jetzt ins Private
ab, es gibt aktuell zahlreiche Hinterhoffeste auf nichtkommerzieller
Basis was bleibt uns sonst übrig, wenn authentische Kultur
so geschliffen wird und alles nur noch vom Geld abhängt,
es sind momentan nicht gerade unsere Zeiten, resümiert
er, wobei er diese Entwicklung gesamtgesellschaftlich verortet.
Den Beteuerungen, dass sich im Schlachthof nichts ändern
werde, mag hier niemand glauben, auch wenn Schlachthof-Leiter
Roland Wrobel öffentlich versprochen hat, dass keine sterile
Sauberkeit einziehen werde und selbstorganisierte Projekte Bestandteil
blieben.
Doch zum Glück tut sich für die Musikszene etwas in
der Ottostraße 27, wo ein alter Luftschutzkeller zur Verfügung
steht. Dort sind bereits die Renovierungsarbeiten gestartet
(wir berichteten) und man hofft, im Herbst die O27 mit rund
300 Quadratmetern und Auftrittsmöglichkeiten für kleine
Gigs zu eröffnen. Selbstverwaltet, natürlich.
Und die anderen bisher im Schlachthof beheimateten Gruppen?
Was wird aus Vorsicht Varieté, dem Magischen
Zirkel, der Bühne Erholung, den Dullnraamern
und der Kinokooperative Uferpalast? Letzterer wird
bis zur Wiedereröffnung zum Wanderkino, Ideen gibt es da
schon viele, von Filmvorführungen in der U-Bahn oder in
Kirchen ist die Rede, doch mehr soll nicht verraten werden.
Allerdings fehlt künftig eine wichtige Einnahmequelle,
wenn die Kinokooperative wegen der neuen Gastronomie nicht mehr
an der Theke verkaufen kann. Aber dafür findet sich sicher
ein Ausgleich, sind die meisten Mitglieder optimistisch. Nur
vereinzelt wird hier Kritik am neuen Schlachthof-Konzept laut.
Ähnlich sieht es auch bei den anderen oben genannten Gruppen
aus, die im Haus verbleiben: Die Stimmung ist gut, der Optimismus
herrscht vor. Bleibt nur zu hoffen, dass man sich da mal nicht
täuscht angesichts der neuen kleineren Bühne im Obergeschoss,
die erst ihre Tauglichkeit wird beweisen müssen und angesichts
von 100 Tagen jährlich, die künftig das Stadttheater
als Vertreterin der etablierten Kultur im neuen, glänzenden
Kufo gestalten soll. Manch eineR fühlt sich da schon überrannt
und okkupiert.
Unterschiedliche Ansätze, verschiedene Auffassungen stehen
hinter den Differenzen. Kulturelle Freiheit lässt sich
eben nicht gestatten, ebenso wenig kann Eigeninitiative eingeplant
werden.
Anne Müller
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