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Es grünt so grün...
Ein interessanter Brief flatterte der raumzeit zu: Er betrifft
den Fall Josef Lutz, über den wir schon berichteten. Der
Betriebsrat soll bei der Nürnberger Firma Semikron für
die MLPD agitiert haben. Hauptvorwurf war aber geschäftsschädigendes
Verhalten, da im Internet politische Veröffentlichungen
des Vertrauenskörpers auftauchten, die der Geschäftsleitung
gar nicht gefielen. Man wollte Lutz fristlos entlassen, es kam
zu einem Arbeitsgerichtsprozess und er gewann. Amtlich wurde
festgestellt, dass nicht Lutz, sondern Andere die Erklärungen
ins Netz stellten. Ferner wies das Arbeitsgericht den Kündigungsgrund
MLPD-Sympathisant zurück. Er störe nicht
den Betriebsfrieden.
Anders sieht das die zuständige Gewerkschaft IG Metall.
Sie betreibt nach wie vor ein Ausschlussverfahren gegen Lutz
zitiert werden alte Unvereinbarkeitsbeschlüsse gegen die
MLPD. In diesem Zusammenhang steht der uns zugespielte Brief.
Er stammt von Ernst Kuttruf, Betriebsratsvorsitzender bei Semikron
und ist an Werner Ratzenböck gerichtet, IGM-Vertrauenskörperleiter
bei Siemens.
Exakt listet Kuttruf auf, was Lutz im Betrieb verbrochen habe.
Er sammelte Unterschriften gegen die Kündigung ...von
Ottfried Stein...Solche Aktivitäten startete er immer nur
dann, wenn seine Sinnungsgenossen betroffen waren oder auf Anweisung
seiner Partei, heißt es da. Lutz habe die Rote
Fahne verkauft, wobei die Schnüffelnase Kuttruf ihn
getroffen hätte. Auch Unterschriftensammlungen für
die Wahlzulassung der MLPD werden aufgelistet. Allerdings ist
Kuttruf hier ein faux pas unterlaufen: 1990 kann Lutz das gar
nicht, wie von ihm behauptet, getan haben. Denn die Partei hatte
sich damals nicht beworben!
Doch wer ist der Adressat Ratzenböck? Wie er im Gespräch
mit uns zugab, kennt er Lutz nicht näher. Trotzdem beantragte
er das Ausschlussverfahren aus der Gewerkschaft! So liegt der
Eindruck nahe, dass es sich um einen Strohmann handelt, der
sich dazu hergab, einen unbequemen Gewerkschafter loszuwerden,
der der Führung um Gerd Lobodda schon lange ein Dorn im
Auge ist.. Zwar war Ratzenböck nicht zu konkreten Stellungnahmen
bereit, da es sich um ein schwebendes Verfahren handle, doch
behauptete er, den zitierten Brief vom letzten Dezember nicht
zu kennen. Warum er dann einen Fremden angeblich uninformiert
angriff, wollte er nicht beantworten. Auch im Gewerkschaftshaus:
Keine Auskunft. Leider wollte auch Kuttruf keine Stellung beziehen,
obwohl er Lutz bereits öfters öffentlich angriff.
Pikant dabei: Der ehemalige Linke ist schon seit Jahren bei
den Grünen und ist auf einem vorderen Listenplatz für
die kommende Stadtratswahl zu finden. Nach anonymen Angaben
betätigte sich Kuttruf 1997 bei der letzten Kommunalwahl
als grüner Wahlkampfmanager und verwandte darauf die Hälfte
seiner Arbeitszeit! Spuren davon sind im Internet: Gab man kürzlich
noch Semikron ein, erschien grüne Wahlwerbung!
Kuttruf hatte seine E-Mail-Adresse bei Semikron angegeben. Aktuell
ist der Link verschwunden. Hat da jemand was zu verbergen? Uns
liegt ein alter Ausdruck der Seite gruene.odn.de/wirtsch.html
vor. Das Gesetz spricht eine klare Sprache und verbietet es
allen Parteien gleichermaßen, Einfluss in Betrieben zu
nehmen. Selbstverständlich befragten wir auch die Grünen
zu diesem undemokratischen Verhalten. Während die Landtagsabgeordnete
Christine Stahl sich nicht äußern wollte, da es sich
um Betriebsinterna handle, aber hinter Kuttruf stehe, sieht
die Grüne Jugend das kritisch. Man setze sich mit dem Fall
auseinander und wolle nachhaken, so Katrin Bär. Und Lutz
selbst?
Das ist ungeheuerlich, meint er. Ich habe im Betrieb
auch Unterschriften gesammelt für die Übernahme der
befristet Beschäftigten. Es gab diverse Kollegen, die gefeuert
wurden, wir haben uns dagegen engagiert. Ich bin sicher, daß
die nicht alle in diese Richtung gehören. Soll man, bevor
man mit einem Kollegen solidarisch ist, fragen welcher Richtung
er angehört?
Claudia Schuller
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