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INHALT
Editorial
Hintergrund
Gipfelstürme
Braune Flecken
Staat & Heer
Regionales
Streifzüge
Veranstaltungen
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Editorial
Zum Geleit
Entschuldigung Kaninchen
Hintergrund
Peru: Aufbruchstimmung nach 20 verlorenen Jahren?
Manfred Pirner über die Geschichte
Perus zwischen Regierungsterror und Guerillakrieg
Monatsrückblick
Wolfgang Schlicht kommentiert:
Die NATO-Politik in Mazedonien, der Umgang mit
GipfelgegnerInnen und bundesdeutsche Korruption
Zwischen schlauen Maschinen und digitalem Blödsinn
Von künstlicher Intelligenz träumen
Wissenschaftler und Scharlatane
Neger, Mohren, Bimbos
Rassismus in der Kinderliteratur (Teil 2)
Gipfelstürme
Raumzeit-Special: Von Göteborg nach
Genua
Embryo einer neuen Gesellschaft
Diskussion: Hängt die Anti-Globalisierungsbewegung
im theorielosen Raum?
Spieglein, Spieglein an der Wand ...
Recherche: Leichensäcke für
tote Gipfel-Gegnerinnen waren erfunden
Globalisierung anders
Kommentar: Göteborg und Genua
- Europa zeigt sein Gesicht
Braune Flecken
Alte Herren Neue Rechte
Interview: Rechtsradikale Burschenschaften
in Erlangen, na sowas...
Mutter Ostpreußens soll bleiben
Frauenaurach will ein NS-Idol im Strassennamen
behalten
Ostbayern ist braun!
Friedrich-Ebert-Stiftung dokumentiert Nazi-Umtriebe
Staat & Heer
Werben fürs Sterben
Bundeswehrausstellung I:
"Unser Heer" warb in Erlangen. Für Nebengeräusche
sorgten KriegsgegnerInnen
Verteidigungsarmee auf dem Rückzug
Bundeswehrausstellung II:
Tobias Pflüger (Informationsstelle Militarisierung) über den
Weg zur bundesdeutschen Angriffsarmee
Tatort Flughafen:
Die inneren Grenzen im Visier
Aufruf zum Camp gegen den Frankfurter Abschiebeflughafen
Von Nützlingen und Schädlingen
Über die Verschärfung der Einwanderungsdebatte
text
Die Vergangenheit der Zukunft
Ideologiekritik:
Nürnberg, Stadt der Menschenrechte?
Regionales
Auskehren in Fürth
Ein Kulturzentrum soll schöner werden:
Wird dem Schlachthof "kreuzbrave Normalkultur" verordnet?
Es grünt so grün...
Linker Betriebsrat bei Semikron im Kreuzfeuer
Streifzüge
If we have nothing left to say...
Evi Herzings Gesprächsfetzen: Geröstete
Bratwürste, tote Musiker, eitle Weltbanken und mehr
Lass Rocken Baby
Gehört Sexismus zur Rock- und Popmusik?
Erdbeerkuchen und Schnitzel
Zwei Computerspiele, die Lust auf Evolution
machen
Veranstaltungen
Zeittotschläger
Ausgewählte Veranstaltungen im Grossraum
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Hintergrund
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Peru - Aufbruchstimmung nach 20 verlorenen Jahren?
Im
Frühjahr 1980 trat eine bis dato unbekannte Guerillagruppe
zum ersten Mal an die Öffentlichkeit. Ein Rebellenkommando
hatte in einem kleinen Dorf im peruanischen Andendepartement Ayacucho
die Wahlurnen verbrannt. Die Bewegung nannte sich Sendero
Luminoso (Leuchtender Pfad), nach einem Zitat aus einem
Buch des Politikers, Journalisten und Schriftstellers José
Carlos Mariátegui. Gegründet von Professor Abimael Guzmán,
war der Sendero als Abspaltung der Kommunistischen Partei Perus
im Umfeld der Universität von Ayacucho in den frühen
70er Jahren entstanden.
Der Leuchtende Pfad engagierte sich in der Sozialarbeit in den entlegenen ländlichen Regionen des
Departements, das zu den ärmsten Perus zählt. Frustriert über die miserable Situation der Hochlandbevölkerung und das
absolute Desinteresse der Regierung in Lima, an diesen Zuständen etwas zu verändern, wandelte sich der Sendero Luminoso von der
politischen Partei zur Guerillabewegung, deren Kader ab Mitte der 70er Jahre in den Untergrund abtauchten. Die Aktion des
Leuchtenden Pfades in dem kleinen Andendorf bei Ayacucho hatte der Staatspräsident Fernando Belaúnde Terry kaum realisiert. Die
folgenden Aktionen des Sendero Luminoso - Überfälle auf Polizeistationen und Dorfbesetzungen - wurden in Lima ebensowenig ernst
genommen. Erst als die in dem südlichen Andendepartement stationierten Sicherheitskräfte der Guerilla nicht mehr Herr wurden und
diese immer mehr Zulauf bekam, begannen die Herren in der Hauptstadt, sich Gedanken zu machen. Ende 1982 wurden Militäreinheiten in
das Aufstandsgebiet versetzt und mit der Bekämpfung des Leuchtenden Pfades beauftragt. Ü ber das ganze Departement war
inzwischen der Ausnahmezustand verhängt worden. Die Sicherheitskräfte waren in der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich, ihre
Methoden der Aufstandsbekämpfung hatten sie von den Kollegen in Argentinien, Chile und Guatemala abgeschaut. Zahllose Menschen wurden
gefoltert, ermordet oder verschleppt, ganze Dörfer entvölkert. Auch der Sendero Luminoso setzte auf Terror. Das Ziel
war nicht mehr eine soziale Verbesserung für die Menschen des Hochlands, sondern eine Revolution mit dem Guerillagründer Abimael
Guzmán - inzwischen wurde er Presidente Gonzalo genannt - als Staatschef. Die Strategie beider Seiten lautete: Bist du nicht für
uns, so bist du gegen uns - eine Neutralität gab es nicht. Die Dörfer wurden von beiden Seiten förmlich
heimgesucht. Die Regierung Fernando Belaúnde Terrys bekam die Situation nicht in den Griff und hatte wohl auch die
Problematik nicht erkannt. Nicht eine Gruppe politischer Fanatiker war die Ursache für den Bürgerkrieg, der bis 1985 über
die Hälfte des Landes in den Ausnahmezustand versetzt hatte, sondern das alte Problem Perus - das enorme Entwicklungsgefälle
zwischen Küste und Hochland. Noch tiefer in die Krise Am 28 Juli 1985 musste Belaúnde Terry sein Amt
an den Sozialdemokraten Alán García Pérez abgeben. Als erste Amtshandlung setzte dieser die Schuldenzahlung Perus an den IWF
aus. Als er nach einem Besuch bei der UNO, bei dem er eine flammende Rede gehalten hatte, nach Peru zurückkehrte, wurde er vor dem
Präsidentenpalast in Lima von einer begeisterten Menge empfangen. Doch die Revolution fand nur in Worten statt. Der
Bürgerkrieg in Ayacucho ging weiter und erfasste immer mehr Teile des Landes. Die APRA-Regierung vergeudete derweil ihr Talent mit der
Planung von Großprojekten. Der tren eléctrico, eine Stadtbahn, die den Großraum Lima vom Verkehrskollaps befreien sollte,
zeugt als bizarre Bauruine vom Größenwahn Alan Garcías. Alan García gelang es ohne Mühe, die Wirtschaft
Perus zu ruinieren und die ohnehin miserable soziale Lage des Großteils der Bevölkerung noch zu verschlimmern. Die politische
Linke, die 1985 nach Alan Garcías APRA noch mit ca. 25 % der Stimmen zweitstärkste Partei gewesen war, war bis 1990 nach allerlei
kleinlichen Grabenkämpfen nahezu vollends zerrieben. Self made president Fujimori Bei den
Präsidentschaftswahlen 1990 kandidierte der international berühmte Schriftsteller Mario Vargas Llosa für ein rechtes
Parteienbündnis und verfehlte im ersten Wahlgang nur knapp die absolute Mehrheit. Bei der Stichwahl musste er gegen einen politischen
Neuling antreten - den Agraringenieur Alberto Fujimori. Der hatte sich von seiner Frau Susana Higuchi etwas Geld geliehen und war in
typischer Landestracht mit einem Traktor auf Wahlkampfreise gegangen, während das dollarschwere Bündnis um Vargas Llosa
Millionenbeträge in seine Kampagnen investiert hatte. Die Verschwendung bekam dem Schriftsteller nicht, denn völlig
überraschend gewann Fujimori den zweiten Durchgang und wurde mit viel Vorschußlorbeeren am 28. Juli 1990 zum
Staatspräsidenten gekürt. Die Peruaner hatten genug von den traditionellen Parteien, die im Ruch von Korruption und
Vetternwirtschaft standen. Mit dieser Politikerklientel räumte Alberto Fujimori dann knapp zwei Jahre nach seiner Amtseinführung
auf. Mit Unterstützung der Streitkräfte putschte er anschließend gegen seine eigene Regierung und löste das
Parlament auf. Die restlichen drei Jahre regierte er diktatorisch, gestützt auf Militär und Geheimdienste. Die
Sicherheitskräfte intensivierten den Kampf gegen die Guerillabewegungen und konnten schließlich die Chefs der beiden großen
Gruppen Sendero Luminoso und MRTA festnehmen. Nach der Verhaftung Abimael Guzmáns und einiger weiterer Kader des Leuchtenden Pfades,
ließen die Guerillaaktivitäten in Peru nach. Mit den Rebellenführern wanderten Hunderte PeruanerInnen zumeist unschuldig zu
langen Haftstrafen verurteilt in die Knäste des Landes. Illegale Wiederwahl Die PeruanerInnen dankten
Alberto Fujimori das radikale Vorgehen gegen die Demokratie mit der Wiederwahl im Frühjahr 1995. Der einzige ernstzunehmende
Gegenkandidat, der frühere UN-Generalsekretär Javier Pérez de Cuéllar, hatte keine Chance gegen den amtierenden
Präsidenten, der Staatsbedienstete und Streitkräfte für seinen Wahlkampf einsetzte. Um wieder gewählt werden zu
können, hatte Fujimori die peruanische Verfassung geändert. Am 28. Juli, dem peruanischen Unabhängigkeitstag, der
gleichzeitig sein Geburtstag ist, zog Alberto Fujimori für weitere 5 Jahre in den Regierungspalast in Lima ein. Seine Macht
stützte sich auf einen gewaltigen Apparat von Korruption und Terror, der vom Präsidentenberater und Geheimdienstchef Vladimiro
Montesinos aufgebaut worden war. Richter, Politiker und Medien wurden gekauft, und wer sich nicht kaufen ließ, der bekam den Einfluss
des SIN, des mächtigen Geheimdienstes, zu spüren. Die Grupo Colina, eine Todesschwadron massakrierte politische GegnerInnen und
abtrünnige GeheimdienstlerInnen. Inzwischen hatte sich über sämtliche Parteigrenzen hinweg ein Bündnis gegen
eine dritte Amtszeit Fujimoris gebildet. Zugpferd der Bewegung war der Bürgermeister von Lima, Alberto Andrade. Als der aber von
Montesinos Medienapparat massiv diffamiert wurde, übernahm Alejandro Toledo die Führung der
Anti-Fujimori-Bewegung. Hätte das Regime nicht ein letztes Mal zu massivem Wahlbetrug gegriffen, Toledo hätte im Mai
2000 die Präsidentschaftswahlen gewonnen. So siegte Alberto Fujimori knapp gegen den Wirtschaftswissenschaftler aus dem Andenhochland
Nordperus. Doch Fujimoris dritte Amtszeit dauerte nur knappe 2 Monate. Abgestürzt und abgehauen Im
September gelangten Videos an die Öffentlichkeit, die Vladimiro Montesinos bei der Bestechung eines Oppositionspolitikers zeigen.
Montesinos setzte sich bei Nacht und Nebel aus Peru ab und wurde erst Ende Juni in Caracas verhaftet. Nun sitzt er im Marinestützpunkt
Callao bei Lima hinter schwedischen Gardinen. Und - Laune des Schicksals: Einige Zellen weiter darben Víctor Polay Campos, der
ehemalige Chef der MRTA-Guerilla, und Abimael Guzmán, der Gründer des Leuchtenden Pfades. Alberto Fujimori hatte sich
im Herbst 2000 während einer Fernostreise nach Japan abgesetzt. Das Land seiner Vorfahren hat bisher eine Auslieferung an Peru
abgelehnt. Schließlich hat er in Japan noch was gut: Als seine Spezialeinheiten die von MRTA-Guerilleros besetzte japanische
Botschafterresidenz in Lima stürmten, blieben die japanischen Geiseln unverletzt. Dass bei der Aktion sämtliche Rebellen ums
Leben kamen, manche nachdem sie sich bereits ergeben hatten, hat die japanische Regierung nie interessiert. Nach Fujimoris
Flucht bereitete eine Übergangsregierung unter Valentín Paniagua und Javier Pérez de Cuéllar die zweiten Wahlen
innerhalb eines Jahres vor. Die PeruanerInnen stimmten für Alejandro Toledo, den Mann, der maßgeblichen Anteil am Ende des
Fujimori-Regimes hatte, weil er trotz Bedrohung und Diffamierung nicht nachgab. Auf ihn kommt nun die Aufgabe zu, die korrupten und
terroristischen Strukturen der Vorgänger-Regierung zu zerstören und den PeruanerInnen eine neue Chance zu geben. Einmal mehr
lastet die Hoffnung von Millionen PeruanerInnen auf einem neuen Staatspräsidenten. Doch trotz seiner indianischen Abstammung und
demokratischer Wahlen: Auch dieses Mal sollte niemand ein Wunder erwarten.
Manfred Pirner
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