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Erdbeerkuchen und Schnitzel
Die EVOlution der Ursuppe
Du sollst nicht Spiele miteinander vergleichen!
Wenn ich Spiele vorstelle, bekomme ich recht oft zu hören:
"Ah, das ist doch so wie ..." Und es hat sich von
vornherein ein falscher Eindruck im Kopf festgesetzt und das
vorgestellte Spiel wird uninteressant; ein Spiel, das vielleicht
viel Spaß gemacht hätte, ist einem entgangen.
Meistens werden Spiele von der Aufmachung oder vom Thema bzw.
Genre her verglichen, anstatt nach gleichen Mechanismen zu suchen.
Aber nicht jedes Spiel, das sechseckige Felder hat ist "so
wie Siedler" und die Eroberungsspiele Risiko und Vinci
sind von der Art zu spielen grundverschieden. Aber auch einzelne
Mechanismen, die in den Spielen verwendet werden, lassen einen
Vergleich oft nicht zu. Sowohl bei "Siedler von Catan"
als auch bei "Mensch ärgere dich nicht" wird
gewürfelt; aber es wird ja auch für Erdbeerkuchen
und Schnitzel Mehl verwendet.
Doch es gibt schon auch Spiele, bei denen sich ein Vergleich
geradezu aufdrängt, ohne dass dem Autor des nachfolgenden
Spiels ein Plagiatsvorwurf gemacht werden kann. So eben bei
dem Spiel "Ursuppe", das 1997 im Verlag "Spiele
von Doris und Frank" erschienen ist und dem heuer bei "Eurogames"
editierten Spiel "EVO".
Beide Spiele sind Entwicklungsspiele, die vom Thema her in der
Urzeit angesiedelt wurden. Bei "Ursuppe" gilt es Amöben,
bei "EVO" Dinos mittels "Genkärtchen"
flexibler zu machen; bei beiden Spielen werden in jeder Runde
Siegpunkte für die Anzahl der eigenen Tierchen auf dem
Spielplan vergeben. Zudem sind Amöben bzw. Dinos immer
auf dem Brett unterwegs; bei der "Ursuppe" auf der
Suche nach geeignetem Futter, bei "EVO" auf der Flucht
vor extremen klimatischen Verhältnissen. Bei der "Ursuppe"
spielt auch vom Thema her das Klima eine Rolle; die Dicke der
Ozonschicht begrenzt die Anzahl der Gene, die die SpielerInnen
besitzen dürfen.
Beide Spiele erscheinen recht ähnlich. Allerdings ist die
"Ursuppe" vom Regelwerk - gerade was die Möglichkeiten
der verschiedenen Gene betrifft - und von der Spieldauer her
aufwendiger als "EVO". Viele bezeichnen mit mir daher
"EVO" als "Ursuppe light". Allerdings ist
"Ursuppe" eher ein Mängelspiel: Es gibt eine
ganze Reihe von Aktionsmöglichkeiten, die allerdings durch
das Kontingent der Runde für Runde zugeteilten Aktionspunkte
beschränkt werden. Bei "EVO" hingegen spielt
bei der Zuteilung der Genkärtchen ein neuer, pfiffiger
Versteigerungsmechanismus eine zentrale Rolle; zudem stehen
Kämpfe untereinander mehr im Mittelpunkt als bei der "Ursuppe".
Letztendlich sind bei näherer Betrachtung beide Spiele
sowohl vom Aufwand als auch von den Mechanismen her recht unterschiedliche
Spiele, so dass - würden beide Spiele mit Speisen verglichen
werden - die "Ursuppe" eher einem opulenten Schnitzel
entspräche, "EVO" dagegen einem sommerlich leichten
Erdbeerkuchen. Beide Spiele, so unterschiedlich sie sein mögen,
sind in meinen Augen - der jeweiligen Situation entsprechend
- ausgezeichnete Spiele; ich bin schon gespannt, welchen Platz
"EVO" im Herbst bei der Vergabe des Deutschen Spiele
Preises belegen wird; die "Ursuppe" ist 1998 mit dem
zweiten Platz prämiert worden.
Erwähnt werden soll zum Schluss auch noch eine wichtige
Gemeinsamkeit: Beide Spiele sind von der graphischen Gestaltung
her ein Augenschmaus.
Uwe
EVO
Autor: Philippe Keyaerts
Verlag: Eurogames
Graphik: Guillaume Rohmer
SpielerInnen: 3-5
Preis: ca. 65 DM
Ursuppe
Autoren: Frank Nestel und Doris Matthäus
Verlag: Spiele von Doris und Frank
Graphik: Doris Matthäus
SpielerInnen: 3 oder 4
Preis: ca. 89 DM
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