Spieglein, Spieglein an der Wand ...
Im Vorfeld des G8-Gipfels Ende Juli in Genua (s.a. rz 8) geisterten
Schauermeldungen durch die Presse. Sonderbestellungen von Särgen,
der Spiegel sprach von 200, die Junge Welt gar von 300, von
Bahren und Sonderkapazitäten an Kühlräumen wurden
gemeldet. (Wieviele Leichen passen in 500qm Kühlraum?)
... wer will die meisten Särge im Land
Die raumzeit erschauderte ebenfalls und erkundigte
sich vor Ort bei der Pressesprecherin Signora Cinachi des Krankenhauses
San Martino in Genua ob und wenn ja wie viele Särge bestellt
wurden:
Cinachi: Das ist absoluter Quatsch. Meiner persönlichen
Meinung nach handelt es sich hier um eine bösartige Kampagne.
rz: Diese Nachrichten erschien auch in den italienischen
Zeitungen?
Cinachi: Ja, sowohl in regionalen wie in überregionalen
Zeitungen. Wir haben nicht einmal eine Presseerklärung
als Dementi herausgegeben, weil wir dem nicht noch mehr Gewicht
verleihen wollten. Das Krankenhaus San Martino hat keine außergewöhnlichen
Maßnahmen im Hinblick auf den G8-Gipfel ergriffen. Diese
Behauptungen - die Bereitstellung von mehr Leichenkammern und
Bahren - ist eine bösartige Kampagne. Auch im Fall von
Notfällen durch ein Gemetzel wäre das Krankenhaus
in der Lage, 80 Leichen aufzunehmen und das immer. D.h. es ist
nicht nötig diese Strukturen auszuweiten. Es ist eine sehr
delikate Situation, die da in der Presse geschaffen wurde.
rz: Wer hat diese Nachrichten denn verbreitet?
Kommen sie von offizieller Seite?
Cinachi: Ich habe nicht die leiseste Idee. Als
ich dies in der Zeitung gelesen habe, habe ich nachgeforscht.
Aber weder die Kommune noch die Regionalbehörden haben
offiziell diese Nachrichten verbreitet. Ich könnte mir
vorstellen, aber das ist wiederum eine sehr persönliche
Einschätzung, dass sie aus einer Ecke kommen, die ein Interesse
daran hat, im Vorfeld ein Klima der Angst und der Verunsicherung
zu schaffen. Aber ich habe nicht den blassesten Schimmer, wer
dies gewesen sein könnte.
Was ich sagen will: Für den Fall, dass wirklich ein Blutbad
passiert, in dem Hunderte sterben, was wir nicht hoffen wollen,
wüsste ich nicht welches Krankenhaus der Welt in der Lage
wäre, mit so einer Situation fertig zu werden. Wir bereiten
uns auf Ereignisse vor, die, wenn sie auch außergewöhnlich
sind, im Bereich des Vorstellbaren liegen. Wir bereiten uns
nicht auf den Dritten Weltkrieg vor. Aber solche Panikmache
zu verbreiten, ist in der letzten Zeit die Richtung in der Presse
gewesen.
rz: Aber Sie sind auf alles vorbereitet?
Cinachi: Ja natürlich, aber
nicht auf Verrücktheiten.
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