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Nr. 16             12.07.2002

 
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Eine Austellung der Nürnberger Albrecht Dürer Gesellschaft setzte sich provokant mit den "Eisernen Vorhängen" auseinander, die Flüchtlinge aus europäischen Ländern fernhalten sollen.

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PeerToPeer: Ein neuartiges Verfahren für Internetradio soll nicht nur kostenlos sein, sondern auch eine unbegrenzte Anzahl von EmpfängerInnen versorgen können




 
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"Vorsicht StuVe" auf Straße verteilt

Neonazis randalierten im Büro einer Erlanger Studierendenvertretung

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"Der Diskurs hat sein Pulver verschossen"

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Kommentar: Wie die Mächtigen gegen Armut und Terror kämpfen




 
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"Eine Type des Gemeinsinns"

Ein Portrait: Jakob Herz gelang es 1862 als erstem bayerischen Juden zum Professor zu habilitieren. Die Nazis stürzten seine Denkmale.




 
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Humor als Subversion

Testcard #11 beschäftigt sich mit dem Thema Humor

Jewish Disneyland

Die europäisch-jüdische Zeitung Golem stellt eine zunehmende Folklorisierung jüdischer Kultur fest

Hier spricht der Originalkanzler

Stefan Wirner zitiert Schröder und Stoiber auf seine eigene Weise - und verrät dabei verborgene Wahrheiten.

Moos: Theater auf der Deponie

Das Nürnberger Theater Thevo zeigt die Globalisierung im Wasserglas

Jeremiah

Buch: Der J.T. LeRoy veröffentlicht Kindheitserinnerungen an körperliche und seelische Qualen




 
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Puerto Rico

Abendfüllender Spaß im Steinbruch und auf der Plantage

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"Eine Type des Gemeinsinns" -

Der verkannte Erlanger Professor Jakob Herz

Auf dem Erlanger Hugenottenplatz steckt eine überdimensionale Stecknadel mit rotem Kopf dort im Boden, wo bis 1933 das Denkmal des jüdischen Arztes und Professors der Medizin, Jakob Herz, stand. 1862 war es ihm als erstem Juden in Bayern gelungen, den Gipfel der akademischen Laufbahn zu erklimmen. Dann tilgten die Nazis die Erinnerung an ihn. Obwohl heute zwei Denkmäler an Herz erinnern und in der Lokalpresse immer wieder Artikel über ihn erschienen, ist Herz bislang wenig Gerechtigkeit widerfahren.

Erlangen am frühen Morgen des 15. September 1933. Auf dem Luitpoldplatz, dem heutigen Hugenottenplatz, stürzen SA-Männer das Standbild des jüdischen Arztes und Professors der Medizin Jakob Herz. Er hatte von 1835 bis zu seinem Tod im Jahr 1871 in Erlangen gelebt und gewirkt und sich unzählige Verdienste um die Stadt erworben. Doch daran wollte man in Erlangen nicht erinnert werden im Dritten Reich. Der Beschluss zum Denkmalsturz war am Vortag auf den Antrag der NSDAP-Fraktion hin einstimmig im Erlanger Stadtrat gefasst worden.

Begründung:

"Nach der am 3. Juli 1869 erfolgten Judenemanzipation erstrebte das Judentum ein äußeres Zeichen seines Triumphes über das deutsche Volk zu errichten. Es gelang ihm in Erlangen die Genehmigung zur Aufstellung des Denkmals des jüdischen Arztes Herz zu erschleichen und damit das Bürgertum zu überlisten. Das erste Denkmal eines Juden war mit der ausschließlichen Hilfe eines jüdischen Komitees entstanden. Von dem heutigen nationalsozialistischen Deutschland mit seinen völkischen und rassebedingten Grundsätzen muß dieses Denkmal als Kulturschande empfunden werden, umso mehr, als es sich bei diesem Juden Herz nicht um einen anerkannten Wissenschaftler ... handelt."

Wer war dieser Jakob Herz, den die Erlanger so sehr hassten, dass sie sein bronzenes Ebenbild nicht nur demontierten, sondern auch noch mittels eines angeklebten Wattebartes verhöhnten, an das sie sich aber nur bei Nacht und Nebel, nicht aber am hellichten Tag herantrauten?

Promotion über verkrümmte Füße

Geboren wurde Jakob Herz am 2. Februar 1816 in Bayreuth als Sohn jüdischer Kaufleute. Nach dem Abitur schrieb sich Koppel Herz, wie er sich damals noch nannte, im Winter-semester 1835/36 an der Universität Erlangen für das Fach Medizin ein. Herz studierte für heutige Verhältnisse äußerst zügig. Nach acht Semestern promovierte er am 16. November 1839 über "De pedibus incurvis", über verkrümmte Füße. Im gleichen Jahr machte Professor Louis Stromeyer ihn zu seinem Gehilfen bei orthopädischen Operationen. Stromeyer in seinen "Lebenserinnerungen eines deutschen Arztes" über Herz:

"Seine Stellung bei mir war keine Sinecure, da er die von mir Operierten zweimal allein und einmal in meiner Gesellschaft besuchen mußte. Wir hatten oft zwanzig bis dreißig Klumpfüßige zu gleicher Zeit zu behandeln, die Erlanger sagten, sie schienen aus der Erde zu wachsen."

In Scharen strömten die Klumpfüßigen nach Erlangen, um sich von Stromeyer und Herz operieren zu lassen. In Anzeigen im "Erlanger Intelligenzblatt" brachten die Geheilten oftmals ihre Dankbarkeit zum Ausdruck.

"Den hochverehrtesten Herren Ärzten, Professsor Dr. Stromeyer und Dr. Herz, welche mich nächst Gott von dem Übel zweier Klumpfüße befreiten und mich seit ¾ Jahren mit der größten Liebe behandelten, sage ich hiermit meinen innigsten Dank, mit dem Wunsche, daß der allgütige Gott diese edlen Menschenfreunde in dauernder Gesundheit zum Wohle der leidenden Menschheit recht lange erhalten wolle."

Bis zu Stromeyers Operationstechnik blieben Menschen mit Klumpfuß ihr Leben lang Krüppel, die auf die Fürsorge der Allgemeinheit angewiesen waren. Stromeyer hatte einen Weg gefunden, das Leiden zu lindern. Seine Technik, die bald weit über Deutschland und Europa hinaus als richtungweisend galt, wurde nach seinem Weggang von Erlangen am 7. Januar 1841 von Jakob Herz mit Erfolg weitergeführt.

Ochsenblase mit Glasröhre

Auf dem Gebiet der Gelenk- und Knochenchirurgie machte Herz interessante Beobachtungen, die er der "Physikalisch-medizinischen Sozietät zu Erlangen" mitteilte. Sein dort gehaltener Vortrag über das Enchondrom, den gutartigen Knochentumor, wurde 1843 als Festschrift zum 100jährigen Bestehen der Friedrich-Alexander-Universität publiziert.

Jakob Herz wurde Mitglied in zahlreichen gelehrten Gesellschaften, so in Würzburg, Leipzig, Brüssel und Gent. Dank seiner Belesenheit und seines Kontakts zu zahllosen Kollegen aus dem In- und Ausland bewegte sich Herz auf dem neuesten Stand der damaligen medizinischen Forschung.

In der Ausgabe der französischen "Revue médico-chirurgicale de Paris" vom Januar 1847 ebenso wie in der "Gazette médicale de Paris" vom 16. Januar des gleichen Jahres waren Berichte über Narkoseversuche mit Schwefeläther des Pariser Professors Joseph-Francois Malgaigne erschienen. Diese Artikel bewogen Professor Fredinand Heyfelder, der Nachfolger von Stromeyer an der chrirgurischen Klinik geworden war, und seinen Assistenten Jakob Herz, ähnliche Experimente in Erlangen durchzuführen. Ein Apparat zur Inhalation des Schwefel-äthers wurde konstruiert.

"Derselbe bestand aus einer Ochsenblase mit einer Glasröhre, deren freies Ende mit einem Mundstück aus Horn versehen war. Die mit anderthalb Unzen Schwefeläther gefüllte Blase wurde geschüttelt (um die Verdunstung des Äthers zu befördern) und das Mundstück dem Kranken in den Mund gegeben. Ein Gehilfe comprimierte die Nase, ein anderer drückte die Lippen fest an das Mundstück."

Am 24. Januar 1847 wurde der erste Versuch in der Erlanger chirurgischen Klinik an einem 26jährigen Schuhmachergesellen unternommen. Diesem ersten Versuch, bei dem ein Abszess entfernt worden war, folgten weitere. Zuweilen mehrere täglich. Bald gehörten auch Frauen und Kinder zu den Patienten, die sich unter Äthernarkose und somit frei von Schmerzen kleineren Eingriffen unterzogen.

Nun war Jakob Herz auf die Fürsprache von Prof. Gottfried Fleischmann hin die Stelle eines Prosectors an der Universitätsklinik zuteil geworden. Es war mehr eine Funktion, als eine Anstellung und das Gehalt war mit 300 Gulden eher mäßig. Dennoch betrachtete Herz diese Ernennung als einen wesentlichen Schritt in der von ihm angestrebten akademischen Laufbahn.

Bekanntschaft mit Ludwig Feuerbach

1850 starb Professor Fleischmann, langjähriger Freund und Förderer von Jakob Herz. Im Herbst des gleichen Jahres erhielten der Internist Franz Dittrich und der Anatom Joseph Gerlach einen Ruf nach Erlangen. Beide Professoren kamen aus der naturwissenschaftlich orientierten Prager und Wiener Schule der Medizin, der auch Herz anhing. Eine Zusammen-arbeit bot sich an. 1851 obduzierten die drei zusammen die Leichen von zwei Hingerichteten. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen publizierten sie in der renommierten "Prager Vierteljahr-schrift". Otto Nitzsche, der Neffe von Franz Dittrich, hob das Besondere an diesen beiden Sektionen hervor:

"Deren Wert für die Forschung liegt insbesondere darin, daß der Tod in diesen Fällen nicht als die langsam und allmählich erfolgte Funktions-einstellung eines durch Krankheit geschwächten Organismus eintritt, somit ein durch Selbstauflösung verändertes Bild gegenüber dem gesunden Organismus bietet, sondern, daß durch plötzliches Unterbrechen lebenswichtiger Funktionen in einem gesunden oder wenigstens noch längere Zeit lebensfähigen Individuum die Möglichkeit geboten wird, dem Leben gleiche oder nahe Zustände und Funktionen festzustellen, zu beobachten und zu verfolgen, bevor jene Veränderungen eintreten, die man als Leichenveränderungen mit mehr oder weniger Recht anzusprechen hat."

Die Obduktion an den Hingerichteten geriet zu einem Spektakel, das sich vor einer großen Zahl von Medizinstudenten abspielte. Nur selten boten sich den angehenden Medizinern derart günstige Gelegenheiten zu Studien am Objekt. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein mussten sich die medizinischen Lehranstalten ihre Leichen auf äußerst mühsame Weise besorgen. Zuweilen schreckte man nicht einmal davor zurück, die Studienobjekte aus ihren Gräbern zu stehlen. In Erlangen war es zudem üblich, die Studenten an den Unkosten für die Leichenbeschaffung zu beteiligen.

Das Wirken der naturwissenschaftlich orientierten Neuerer an der medizinischen Fakultät in Erlangen sprach sich alsbald herum und weckte auch das Interesse des Philosophen Ludwig Feuerbach, der von der Erlanger Universität verfemt in Nürnberg als Privatgelehrter lebte. Am 23. Juni 1853 schrieb er an einen Freund:

"Während meines hiesigen Aufenthaltes war ich auch auf einige Stunden in Erlangen und mit dortigen Ärzten der neuen materialistischen Schule namentlich meinem Liebling, dem Dr. Herz in höchst angenehmem Verkehr."

Der Kontakt zwischen Jakob Herz und Ludwig Feuerbach hielt viele Jahre und das Denken Feuerbachs beeinflusste Herz maßgeblich.

Neider in der christlichen Universität

In Erlangen kam Jakob Herz zu Ansehen und Ehren: Die Bewohner der Stadt strömten als Patienten zu ihm, viele Professoren erkoren ihn zu ihrem Hausarzt und immer noch kamen Klumpfüßige nach Erlangen, um sich von Herz operieren zu lassen. Auch seine Vorlesungen und Übungen erfreuten sich bei den Studenten großer Beliebtheit. Ohne Zweifel hätte Herz das Zeug zum Professor gehabt. Doch dazu bedurfte es seiner Habilitierung. Im Mai 1854 stellte Herz beim Senat der Universität den förmlichen Antrag dazu.

Die Antwort fiel vernichtend aus. Die medizinische Fakultät, die um eine Stellungnahme gebeten worden war, äußerte sich ablehnend. Angeführt wurde die Front der Gegner vom Professor für theoretische Medizin, Johann Michael Leupoldt. Er galt als Vertreter eines positiven Christentums, das sich wie ein roter Faden durch alle sein Schriften zieht und ihn zu einer mystischen christlich-germanischen Auffassung der Heilkunde brachte. Der Orthopäde Louis Stromeyer hatte den Kollegen einst als "unerqicklichen Sophisten" bezeichnet und spöttisch über ihn bemerkt:

"da er nicht practizierte, so war es ihm vielleicht nicht eingefallen, dass man bei Verordnung von Klistieren und anderen Mitteln keinen kirchlichen Standpunkt einnehmen kann und die Heilkunst konfessionslos sein müsse."

Leupoldt dachte anders darüber. Unter seiner Federführung teilte die medizinische Fakultät dem Senat der Universität mit:

"Prosector Dr. Herz ist mosaischen Glaubens und bisher ist an allen vaterländischen Universitäten eine conditio sine qua non gewesen, dass jeder, der als Docent sich habilitieren wollte oder als Lehrer berufen werden sollte, immer den christlichen Konfessionen anzugehören habe."

Leupoldt verwies auf die geltende Gesetzeslage und darauf, dass man bei Herz keine Aus-nahme davon machen könne.

"Die deutschen Universitäten haben bisher als christliche Lehranstalten dagestanden und gegolten, ihr Prinzip kann daher nur durch Bekenner des Christentums vertreten werden."

Wer kein Christ sei, könne nicht Lehrer an einer höchsten Bildungseinrichtung für ein christ-liches Volk sein. Damit sprach Leupoldt Herz auch schlechthin das Recht ab, Vorlesungen zu halten.

Die Animositäten von Leupoldt und seinen Anhängern gegen Herz waren nicht neu. Sie beruhten nicht nur auf allzu offensichtlichen antijüdischen Ressentiments, sondern auch auf wissenschaftlichen Differenzen und vor allem auf Eifersucht: Während die Studenten in hellen Scharen in die Vorlesungen des Assistenten Jakob Herz strömten, dozierte der Lehrstuhl-inhaber Leupoldt vor leeren Rängen.

Die Professoren Dittrich und Gerlach sprangen ihrem Freund Herz bei. Sie richteten Eingaben an den Senat, in denen sie die wissenschaftlichen Verdienste von Jakob Herz auf dem Gebiet der topographischen Anatomie und insbesondere sein Lehrtalent hervorhoben. Doch vergeblich: Der Senat der Universität beharrte auf der Habilitationsordnung, die eine christliche Konfession zwingend vorschrieb. Der Altphilologe Friedrich Spiegel beschreibt die Situation, in der sich sein Freund Herz befand:

"Zwei Wege standen ihm damals offen, einen derselben schien er wählen zu müssen: entweder, er mußte offen zum Christenthume übertreten, dann stand seinem Herzenswunsche, der Ergreifung der akademischen Lauf-bahn, kein Hindernis im Wege, es ließ sich ihm vielmehr eine glänzende Zukunft voraussagen. Oder, er blieb seiner Religion treu, entsagte der akademischen Laufbahn und wandte sich ganz der Praxis zu, für die er nicht minder befähigt war. Auch in diesem Fall konnte man ihm ein glänzendes Los versprechen, sein Ruf als Arzt war festbegründet, löste er die Bande, welche ihn an die Universität fesselten, so war er nicht länger an Erlangen gebunden, in jeder Stadt in Deutschland oder Amerika, welche er zu seinem Aufenthalte erwählte, konnte er einer ausgezeichneten Aufnahme sicher sein."

Doch Herz konnte sich zu keiner der beiden Lösungen durchringen. Stattdessen harrte er in untergeordneter Stelle im Lehrbetrieb der Universität aus. Als Entschädigung für die versagte Habilitation hatte er jedoch vom bayerischen König persönlich das Recht verliehen bekommen, Vorlesungen zu halten und diese auch öffentlich anzukündigen. Und damit hatte Jakob Herz schon mehr erreicht, als je ein Jude in Bayern vor ihm.

Lebensziel erreicht

1861 war den Juden in Bayern endlich die Gleichberechtigung zuteil geworden. Nunmehr schien auch der Ernennung eines jüdischen Professors nichts mehr im Wege zu stehen. Der Senat der Universität setzte sich dafür ein, Jakob Herz zum außerordentlichen Professor zu ernennen. Dem Gesuch der Universität, dem sich diesmal selbst die Erlanger theologische Fakultät angeschlossen hatte, wurde mit der Ernennung von Herz zum Honorarprofessor jedoch nur teilweise entsprochen. Herz protestierte enttäuscht und kündigte an, die Stadt Erlangen und die Universität nunmehr zu verlassen. Diese Ankündigung zeigte Wirkung: Jakob Herz wurde zum außerordentlichen Professor an der Universität Erlangen ernannt. Friedrich Spiegel schildert den Triumph des Freundes:

"Das Ziel, welches er sich für sein Leben gesetzt hatte, war erreicht, die Principienfrage, welche seinem Fortkommen im Wege gestanden hatte, war zu seinen Gunsten gelöst und es war für Herz ein Gegen-stand gerechten Stolzes, der erste Israelit zu sein, welcher als Staatsdiener an einer bayerischen Universität wirkte."

Der Ruhm von Professor Herz mehrte sich nun Jahr um Jahr. Während des Krieges mit Preußen im Jahr 1866 hatte er sich um die Verwundeten in den Erlanger Lazaretten gekümmert. Dafür wurde ihm ein Orden zuteil. Nun wollte auch die Stadt Erlangen mit einer Würdigung nicht länger zurückstehen und ernannte ihn zum Ehrenbürger

Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde 1867 erscheint umso bedeutsamer, als Erlangen erst 1860 Juden wieder gestattete, sich in der Stadt niederzulassen, wobei man bei jüdischen Studenten und dem Universitätsangestellten Jakob Herz schon seit längerem eine Ausnahme hatte machen müssen. Zweifellos hatte das Wirken von Jakob Herz die Stimmung in der Stadt für Juden positiv beeinflusst.

Einstieg in die Politik

1866 war Herz der bayerischen Fortschrittspartei beigetreten. Ihr vorrangiges Ziel war die nationale Einigung Deutschlands unter der Führung Preußens. Mit Karl Brater, einem der führenden Köpfe der Partei, verband Herz eine enge Freundschaft. Drei Jahre später wurde Herz selbst in Erlangen ins Kollegium der Gemeindebevollmächtigten gewählt.

Gesundheitlich ging es ihm immer schlechter. 1862 hatte er sich bei einer Sektion eine Leichenvergiftung zugezogen, von der er sich nur mühsam erholte. Dennoch kannte er weder Rast noch Ruhe. Als der deutsch-französische Krieg ausbrach, fuhr Herz mit einem Spitalzug als Militärarzt nach Frankreich und holte dort Verwundete ab, die er nach Erlangen in die Lazarette brachte, wo er sich weiter um sie kümmerte.

Im Sommer 1871 verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Jakob Herz rapide. Er starb am 27. September 1871 im Alter von 55 Jahren. Zwei Jahre zuvor waren ihm die höchsten akademischen Weihen zuteil geworden: Die Ernennung zum ordentlichen Professor der Medizin.

Denkmal in doppelter Lebensgröße

Die Trauer über den Tod von Jakob Herz war allgemein. Stadt und Universität würdigten Herz und sein Lebenswerk in zahllosen Nachrufen und am Sonntag, dem 3. Oktober, folgte ein langer Trauerzug seinem Sarg auf den jüdischen Friedhof von Baiersdorf.

Am 5. Mai 1875 wurde Jakob Herz posthum eine weitere Ehre zuteil: Auf dem heutigen Hugenottenplatz errichteten ihm seine Freunde und viele dankbare Patienten ein Denkmal: Eine Bronzeskulptur, die Herz im Gehrock in doppelter Lebensgröße darstellte. Als "Type des Gemeinsinns" wurde Herz in der Laudatio gewürdigt.

Es folgten weitere Ehrungen: Eine Jakob-Herz-Stipendienstiftung, die von Angehörigen und Freunden ins Lebens gerufen worden war und mittellosen Studenten der Medizin ungeachtet ihrer Konfession zugute kam. Das gleiche Ziel setzte sich die Jakob-Herz-Loge, die 1921 von Max Freudenthal, dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Nürnberg, gegründet worden war. Auch die kleine jüdische Gemeinde, die sich 1873 in Erlangen konstituiert hatte, hielt das Andenken an Jakob Herz hoch. Im Vorraum zu ihrem Betsaal hing sein Porträt.

Dennoch waren nie die Stimmen verstummt, die Jakob Herz den Ruhm selbst posthum noch missgönnten. Man zweifelte seine wissenschaftliche Reputation an und bestritt ihm das Recht auf ein Denkmal. Zu den gehässigsten seiner Neider gehörte der Erlanger Professor für Theologie Theodor Kolde. Seine abfälligen Bemerkungen über den "kleinen unscheinbaren Mann, der Mitte des 19. Jahrhunderts an der Universität auftauchte", diente den Nazis später vortrefflich als Begründung für ihren Denkmalsturz.

Der Traum von der Gleichstellung der jüdischen Bürger Deutschlands, den auch Jakob Herz geträumt hatte, zerstob 1933. Sein Denkmal fiel auf den Tag genau zwei Jahre vor der Verkündung der "Nürnberger Gesetze".

Christiane Kolbet