Puerto Rico
Ein anspruchsvolles Spiel
Nun ist es endlich raus: "Villa Paletti" aus dem Zochverlag
ist Spiel des Jahres! Aber nicht dieses Spiel soll hier besprochen
werden, sondern "Puerto Rico", das unter dem Label Alea
bei Ravensburger erschienen ist.
Ich halte dieses Spiel für wesentlich interessanter; allerdings
ist es einigermaßen komplex und mit einer Spieldauer von
gut zwei Stunden eher ein abendfüllendes Spiel. Wohl deshalb
hat die Jury dann doch "Villa Paletti" den Vorzug gegeben.
"Puerto Rico" ist ein Entwicklungsspiel. Jede Spielerin
hat ein Tableau mit Plantagen und Stadtfeldern vor sich liegen.
Aufgabe ist es, die Plantage zu bebauen oder dort aus Steinbrüchen
Steine zu brechen und in der Stadt Gebäude zu bauen, die
die Plantagenfrüchte dann verarbeiten können. Durch
den Verkauf von Waren gibt es Geld für neue Gebäude,
durch die Lieferung der Waren in die Alte Welt und den Besitz
von Gebäuden am Ende des Spiels gibt es Siegpunkte.
Jede Spielrunde ist in verschiedene Phasen unterteilt: Es können
neue Plantagen angebaut oder neue Gebäude errichtet werden.
Diese können mit Arbeitern aus der alten Welt versehen werden,
die dann in einer anderen Phase ernten und die Waren weiterverarbeiten
können. Die können in einer weiteren Phase gegen Geld
verkauft oder gegen Siegpunkte in die Alte Welt verschickt werden.
Der Clou des Spiels ist, dass die Spieler und Spielerinnen bestimmen,
welche Phasen in welcher Reihenfolge gespielt werden. Und da es
mehr Phasenkärtchen als Spielerinnen gibt, werden einige
Phasen in einer Runde gar nicht gespielt. Diese Kärtchen
werden aber mit Geld belegt, so dass es irgendwann schon allein
wegen des Geldes sinnvoll ist, diese Spielphase zu wählen.
Nach einigen Partien wird mensch feststellen, dass es nicht nur
besser ist, zu schauen, welche Spielphase mir nützt, sondern
auch zu überlegen, was denn jetzt den anderen schaden wird.
Ich habe zum Beispiel aus der vorherigen Runde noch Warensteine
übrig, die anderen Spielerinnen nicht. Da ist es dann sinnvoll,
noch vor der Produktion von Waren den Verkauf auszuwählen,
die anderen Spielerinnen müssen dann zum Verkaufen noch eine
Runde warten. Jeder Rundenablauf ist also anders und immer für
Überraschungen gut.
Es muss nicht immer ein neuer Mechanismus sein, der ein Spiel
interessant macht, oft genügt schon die richtige Mischung
verschiedenster gängiger Elemente, wie es zum Beispiel bei
den "Siedlern von Catan" der Fall ist. Bei "Puerto
Rico" ist aber dem Autoren Andreas Seyfarth ein ganz neuer
Mechanismus eingefallen. Und natürlich sind dazu die schon
bekannten Mechanismen sehr ausgewogen beigemischt: Voilà!
Natürlich ist dieses Spiel nicht jedermanns Geschmack, da
es, wie schon oben erwähnt, recht aufwändig zu spielen
ist. Ein kleiner Tip von mir: "Puerto Rico" erklärt
sich viel schneller, wenn die Funktion der Gebäude erst im
laufenden Spiel nach und nach erklärt wird. Das ist durchaus
möglich, ohne dem Spiel einen anderen Ablauf zu geben, da
auf dem Gebäudetableau schon in Stichpunkten die Funktionen
erwähnt werden.
Auch wenn "Puerto Rico" nicht Spiel des Jahres geworden
ist, gehört es mit Abstand zu meinen Favoriten bei den heuer
erschienenen Spielen; und im Herbst, wenn der alternative "Deutsche
Spielepreis" ermittelt wird, wird dieses auch von der Gestaltung
schöne Spiel auf Platz 1 stehen.
Puerto Rico
Autor: Andreas Seyfahrt
Grafik: Franz Vohwinkel
Verlag: Alea (Ravensburger)
Spielerinnen: 3 bis 5
Spieldauer: ca. 2 Stunden
Preis: ca. 30 EUR
Uwe
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