Macht Kiffen gleichgültig - oder macht Hanf Frieden, Gerechtigkeit,
Glück und so?
Pot, der Kiffer-Aktivist diskutierte mit Marie Juana, die das mal
war
GRZ: Wie progressiv ist deiner Meinung nach die Hanfbewegung, Pot?
Pot: Die Hanfbewegung an sich lässt sich politisch schwer
zusammenfassen. Man kann jedoch am Beispiel Hollands erkennen, dass Regierungen
und Parteien, welche die Hanfbewegung «voranbringen», eindeutig
Linkspolitisches in anderen Bereichen zu Tage fördern.
Marie Juana: Meiner Meinung nach ist die Hanfbewegung kaum fortschrittlich.
Die Legalisierung allein macht noch keinen progressiven Gehalt aus. Die
Kommerzialisierung dieses Spektrums lässt sich zum Beispiel an Hanfläden,
Growshops oder der Hanfparade gut beobachten. Einige Leute wollen da nur
noch Geld machen, Ideale sind nicht vorhanden. Allzu viele wollen einfach
Spaß und fügen sich damit perfekt in die Handy- und Börsengeneration
ein, was mir zu platt ist. Oder es wird herumgehangen und sich, zumindest
zum großen Teil, für gar nichts mehr interessiert. Die Leute
kriegen sich nicht mehr hoch und haben dann zum Teil auch ihr Leben nicht
mehr im Griff. Oft kann man leider rassistische oder sexistische Inhalte
problemlos vertreten, solange die Bong gut gefüllt ist. Mir fehlt
in diesen Kreisen aber vor allem auch die Solidarität. Da werden bedenkenlos
Aussagen über Bezugsquellen bei der Polizei gemacht. Leute, die im
Knast sitzen, werden kaum unterstützt. Viele wollen was erleben, was
ja auch in Ordnung ist, aber sie würden sich egal wem bedenkenlos
anschließen, der ein Piece einstecken hat- und das kann es für
mich nicht sein.
GRZ: Das ist ja eine ziemlich harte Kritik. Kannst Du der Einschätzung
zustimmen, die Hanfbewegung sei nur eine pseudopolitische Bewegung, Pot?
Pot: Nein. Es ist so wie überall: Viele Leute sagen, sie
wären links, aber wieviele können dir tatsächlich etwas
über die Theorien des Sozialismus oder Anarchismus erzählen?
Was ich sagen will ist: Die Tatsache, dass man Hasch konsumiert, hat nichts
damit zu tun, politisch aktiv zu sein. Und dass die Gattung Mensch an sich
ein Konstrukt von Spaß und Konsum ist, zu der sich noch eine gute
Portion Hass, Neid und Gier gesellen, brauche ich ja wohl nicht zu sagen.
Marie Juana: Klar, aber ich habe beobachtet, dass Menschen aus
dem Hanfspektrum teilweise etwas vorspielen, was gar nicht dahinter steckt.
Zwar kommt das bei anderen natürlich auch vor, aber es scheint mir
typisch zu sein, dass um das Dope ein großer Kult veranstaltet wird
und viel dabei auf der Strecke bleibt. Immerhin reden wir von einer «ganz
normalen Droge», auch wenn sie derzeit kriminalisiert wird. Um einen
Stoff, welcher Art auch immer, will ich kein derartiges Brimborium machen,
besonders in harten Zeiten wie diesen. Es gibt genug zu tun in der Flüchtlingspolitik,
im Umweltbereich etc., da sollte meiner Meinung nach kein fitter Mensch
das Kiffertum in den Mittelpunkt seines Lebens stellen. Dazu gibt es zu
viele interessante Dinge zu erleben.
Pot: Du hast natürlich recht. In der Flüchtlingspolitik
muss noch einiges mehr getan werden. Die Hanfbewegung ist mit dem Umweltbereich
sehr eng verstrickt. In den USA wurde der Anbau der Hanfpflanze nicht etwa
deswegen verboten, weil Dope dumm macht, sondern weil in der Hanfpflanze
ein gewaltiges wirtschaftliches Potential steckt. Henry Ford hat vor der
Illegalisierung bereits ein Auto gebaut, das eine Karosserie aus Hanfkunststoff
hatte und mit Hanfbenzin gefahren ist. Überhaupt kann man aus der
Hanfpflanze ALLES ,und ich betone ALLES, herstellen, was man auch aus Erdöl
herstellen kann. Wie abhängig sämtliche Wirtschaftszweige vom
Erdöl sind, ist ja jedem/r klar. Wir reden hier von Tausenden von
Milliarden Dollars, und wenn es um Geld geht, dann wird nicht nur die Erdölindustrie
ALLES tun um das zu unterbinden. «Droge» heißt ursprünglich
einfach «Kraut» oder «Kräuter», die medizinisch
verwendet werden.
GRZ: Glaubst Du, Marie Juana, dass gerade die vielseitigen alternativen
Möglichkeiten der Anwendung der Hanf-Pflanze auch Argumente der Linken
gegen Machtstrukturen, wie z.B. gegen die Mineralölkonzerne sein können?
Marie Juana: Einiges entlarvt die Prohibition natürlich
schon. Wenn man an den Dupont-Konzern und die Entwicklung der Chemiefaser
als billigen chemischen Naturersatz denkt, hat man ein Lehrstück in
Sachen Entwicklung des Kapitalismus vor sich, da die Hanfpflanze mit allen
Mitteln verdrängt werden sollte. Allerdings fehlt mir hier in der
Hanf-Scene etwas der klare Kopf, Stichwort «Kiffer-Paranoia».
Ich habe da z.B. schon manchmal erlebt, wie Menschen in den Antisemitismus
abrutschen und überall die «große Weltverschwörung»
wittern, zum Beispiel von Illuminaten oder sonstigen Hirngespinsten. Wenn
man sich mit der proletarischen Geschichte oder mit Arbeitskämpfen
befassen will, sollte man das doch anders angehen! Gegen «die Macht»
an sich zu sein, wie viele KifferInnen es wohl sind, verhindert zum Teil
den Aufbau eigener Strukturen. Man wird unverbindlich aus Angst, sonst
von einem «Chef» dominiert zu werden, wenn man sich in einer
Gruppe organisiert.
GRZ: Euer Fazit also?
Pot und Marie Juana: LEGALIZE IT!!
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