Keine Atempause - Geschichte wird gemacht - Es geht voran!
Es geht voran - zweifellos. "Das alte Komm ist nun endgültig
vorbei,
das ist Geschichte. Die Baustelle, mit Ausnahme des Kopfbaus, neigt
sich
dem Ende und das Kulturzentrum eröffnet endlich seine Pforten
im Zentrum
der Stadt" erläutert Matthias Dachwald, stellvertretender Leiter
des
Künstlerhauses der versammelten Journaille vor einer Führung
durch das neue, sich noch heftigst im Umbau befindliche K4. Wolfgang
Kischka,
seines Zeichens Leiter des neuen kulturellen Schmuckstücks der
Stadt
Nürnberg, führt uns anschließend durch die noch staubigen
Räumlichkeiten, durch die aber jetzt schon der frische Wind
der Moderne
bläst. "An dieser Stelle entsteht ein Servicepoint, das heißt
das wird die Anlaufstelle im Tages- und Abendbetrieb sein, an der
man dann
Karten kaufen kann, Informationen erhält, wo ein Leitsystem
durch
das Haus entwickelt wird, wo die Dienste und das Betreuungspersonal
ansprechbar
sind und die Gäste empfangen werden".
Neue Bequemlichkeit
Ein Servicepoint im ehemaligen Domizil der Steineschmeißer
und Bombenleger?
Kaum zu glauben, aber wahr. Doch das ist nur ein Feature im neuen
feuchten
Traum aller etablierten Kulturschaffenden. "Also hier linkerhand
das Filmhauskino.
Neue Abspiel, wie man das in der Filmsprache nennt, des Filmhauses,
das
auch mit der derzeit aktuellen Technik und Bequemlichkeit ausgestattet
wird. Es sollte mindestens soviel Komfort bieten wie das Filmhaus
im Cinecittá.".
Tja, die Standards sind eben gestiegen und werden heute von multimedialen
Konsumtempeln in den Ausmaßen und dem Ambiente eines mittleren
Flughafens
gesetzt - immerhin, es geht voran.
Wenn also die Standards steigen, ist bestimmt auch die Zielgruppe
nicht
mehr die gleiche. "Ganz sicher hat sie sich verändert, sie ist
nach
unserer Definition und auch dem Zulauf der vergangenen Jahre sehr
viel
breiter geworden, von den Altersgruppen ein Stück nach oben
gegangen,
also nicht so stark jugendorientiert. Sie ist von den verschiedenen
kulturellen
und sozialen Milieus her breiter geworden, ohne dass man es jetzt
spezifisch
aufsplitten könnte in bestimmte Zielgruppen".
Eimerweise helle Farbe
Vier Stockwerke umfasst das neue Künstlerhaus, voll mit Gruppen
und
Arbeitsräumen, einem modernen Kino, einem modernen Konzertsaal,
neuen
sanitären Anlagen, und, und, und. Unzählige neuinstallierte
Fenster
und eimerweise helle Farben durchleuchten den letzten trüben
Winkel.
Behindertengerechte Aufzüge sorgen für zusätzlichen
Komfort.
Die Außenfassade wird ebenfalls mit viel Aufwand restauriert.
Wer
bezahlt das eigentlich alles? "Das Gesamthaus wird nahezu ausschließlich
von der Stadt Nürnberg finanziert, also in seinem Gesamtvolumen
von
etwa 1,3 Millionen Mark. Es gibt auch noch Eigenerwirtschaftungsanteile
- Einnahmen, die aber insgesamt im Bereich von vielleicht 100.000
Mark
liegen. Den Löwenanteil trägt jedoch die Stadt Nürnberg
über Zuschüsse".
Ist da mit einer Erhöhung des Preisniveaus zu rechnen, im
Vergleich
zu früher? "Vermutlich ja. Neue Standards, neue Technik, hohe
Kosten
auch auf gehobenem Niveau müssen auch irgendwo gedeckt oder
zum Teil
zumindest amortisiert werden, und das wird sich auf Preise niederschlagen.
Wobei wir nach wie vor den Standpunkt vertreten: Es bleibt ein non-profit-Prinzip.
Zwar soll Kostendeckung womöglich erreicht werden, und Preise
werden
denke ich nicht an der Ebene liegen, wie sie möglicherweise
andere
Kinos oder Weber oder andere Konzertbereiche haben, da wir ja auch
subventioniert
werden."
Event über Event
Bleibt die Frage zum Programm: Werden solche festen Events wie beispielsweise
das Endzeit-Festival auch in Zukunft noch ihren Platz im K4 haben?
"Die
wird es auch in Zukunft geben. Auch andere Events, z.B. im Bereich
Film:
Filmfestivals zum Thema Menschenrechte, möglicherweise auch
ein Filmfestival
des Kurzfilmes. Auch ganz andere Events, etwa "Nürnberg singt
oder
klingt". Es werden zum Beispiel im Rahmen eines solchen Programms
Chöre
hier im Haus zu hören sein. Neben dem Alltagsprogramm ist es
auch
Bestandteil unserer Planung, ein zentraler Festspielort zu werden.
Wer den neuen Festspielort also genauer unter Augenschein nehmen
will,
hat dazu bereits seit Anfang Oktober Gelegenheit.
Wir sagen so long, bye, bye Subkultur, schön war die Zeit,
aber
immerhin - es geht voran!
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Peter Gruner
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