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zeitung für den grossraum nürnberg - fürth - erlangen


Nr. 10       Oktober 2001

 inhalt

Editorial
 
Genua, Berlusconi und die CSU
 
11. September und die Folgen
 
Diskussion und Kommentar
 
Rechts und Links
 
Einsichten und Hintergründe
 
Literatur und Messen
 
Musik und Spiele
 
Zeit und Vertreib
 
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Berlusconi und die CSU
 

Die Gewalt geht vom Volke aus

"Genua-Nachbereitung" durch italienische Regierung und Justiz


 
 
11. September und die Folgen
 

"Krieg ist keine Lösung"

Interview mit Richard Becker, Antikriegsaktivist in den USA

 

We're not with you, Mr Bush!

Christoph Spehr kommentiert die Reaktionen danach

Es kommt ein langer Krieg, der aussieht, als ob er keiner sei

Kommentar:Tobias Pflüger über kriegrische Aussichten

Vom 'Terror', unseren 'Grundrechten' und einem Raumschiffkapitän

Der 11. September aus Sicht einer Kulturschaffenden




 
Diskussion und Kommentar
 

Monatsrückblick

Kommentar

Globalisierung bekämpfen - mit Steinen oder Steuern?

Podiumsdiskussion: Bewegung zwischen Tobinsteuer und militanter Aktion




 
Rechts und Links
 

NPD plant Aufmarsch und Kundgebung am 27. Oktober in Nürnberg


Back in Wunsiedel - Der Rudolf-Heß-Marsch 2001

Erstmals seit 10 Jahren marschierten wieder 1000de Nazis durch Wunsiedel




 
Einsichten und Hintergründe
 

Ricardo Dominguez - virtueller Widerstand im Cyberspace

Politisch motivierte Performance im Internet

"Aber ich hatte einen "Fehler" - ich war schon immer Antifaschist."

Über Internierung und Zwangsarbeit italienischer Gefangener in Nazideutschland




 
Literatur und Messen
 

Linke Literaturmesse

Zum 6. Mal in Nürnberg: Linke Literatur am laufenden Meter -
Das komplette Programm der Messe

Nürnberger Lernprozess

Buchbesprechung: Von Kriegsverbrechern und Starreportern

... Denn Angriff ist die beste Verteidigung

Buch: Die KPD zwischen Revolution und Faschismus

"Die Tages des Lebens sind wie Abgestandene Limonade"

Bücher von Pablo Neruda und Michel Houellebecq: Der Sinn des Kampfes / Der unsichtbare Fluss

Das irdische Chaos dreht sich weiter

Martin Droschke rezensiert Paulus Böhmer




 
Musik und Spiele
 

Lass rocken, Baby II

Mögliche Beobachtungen aus dem musikjournalistischen Alltag

Hatschi! Snief! Konstantin, wir lieben dich!

Konstantin Wecker am 5. Novemberin Nürnberg

The Ex

Neues Album von Dizzy Spells

Medina

Spiele-CD




 
Zeit und Vertreib
 

Zeittotschläger Oktober/November

Veranstaltungen

Literatur und Messen

 

... Denn Angriff ist die beste Verteidigung

- Die KPD zwischen Revolution und Faschismus"

Dies ist der Titel des Buches, das eine Gruppe aus Antifa-Kreisen (MAGMA) schreibt, eine Geschichte der KPD. Die Geschichte der Entwicklung der antifaschistischen Linie der KPD, die Einheitsfrontstrategie, das Verhältnis zur Sozialdemokratie und vor allem die Entwicklung des Faschismusbegriffs von KPD und Komintern machen den Hauptteil des Buches aus.
Der zweite Teil "Zwischen Masse und Klasse - Die KPD und das Volk" und "Ein Fazit in fünf Thesen" ist eine Kritik an der Politik der KPD aus heutiger Sicht und Erfahrung. Die AutorInnen haben viele richtige Fakten aus unterschiedlichen Ecken zusammengetragen und aus aktueller Sicht und heutiger Fragestellung in die Entwicklung der KPD eingeordnet. Dies ergibt allerdings keine Geschichte der KPD, sondern nur die eines wichtigen Teils von Theorie und Praxis der KPD vor 1933 - des antifaschistischen Kampfes. Deshalb sind manche Schlussfolgerungen in diesem (Kritik-)Teil eben nicht nur aus dem Geschichtsteil bzw. aus der Entwicklung der antifaschistischen Politik der KPD herzuleiten und zu begründen, sondern aus heutiger Perspektive.

"Unsere Kritik an der KPD ist stellenweise schonungslos. Dennoch gehört unser Respekt uneingeschränkt denjenigen, die Widerstand gegen den deutschen Faschismus leisteten und zum Teil noch heute - an der Seite einer jüngeren antifaschistischen Generation - gegen dessen Kontinuitäten kämpfen." Diese Respekterweisung zu Beginn des Buches hält die AutorInnen aber nicht davon ab, der KPD "Versagen" vorzuwerfen:
"Es zeigt sich, dass im Wesentlichen die Haltung der Partei mit dem offensiven Motto Denn Angriff ist die beste Verteidigung beschrieben werden kann. Der Kapitalismus lag in seinen letzten Zügen; die nächste Krise konnte nur seine letzte sein - davon jedenfalls ging die KPD maßgeblich aus. Die Tatsache, dass die herrschenden Klassen in der Krise zu ihrem letzten Mittel, dem Faschismus, griffen, konnte für die KPD nur heißen, dass die proletarische Revolution kurz vor ihrem Durchbruch stand. Damit war zugleich die Erwartung verbunden, dass auch das Volk unweigerlich die Zeichen der Zeit erkennen würde: Wo die Totenglocken des Kapitalismus läuteten, würden Massen ihm bald das Grab schaufeln. Die Annahme, dass diese nach 'Sozialismus statt Barbarei' rufen würden, war jedoch eine der grundlegenden Täuschungen der KPD."

Offensichtlicher Bezug zu aktuellen Politikfeldern

Hier liegt ein Geschichtsbuch vor, aber der Gruppe geht es um "heutige, aktuelle Probleme" der linken Politik, um die Themen: KPD und die "irregeführten Arbeiter", KPD und Nationalismus, KPD und Antisemitismus, KPD und die Frauenbewegung und die dazugehörigen Thesen. Die Gruppe MAGMA hat diese Fragen nicht zufällig ausgewählt: "Bei Allen besteht ein offensichtlicher Bezug zu Politikfeldern, die für die heutigen Linken vor allem in Deutschland von Bedeutung sind - teilweise explizit aufgrund des Scheiterns kommunistischer Politik in der Weimarer Zeit. Die Kritik an der KPD basiert also auch auf den Maßstäben, die die radikale Linke im Laufe der Geschichte bis heute gesetzt hat. ... Ideologie und Werthaltung der bürgerlichen Gesellschaft wurden seitens der Partei in einem beträchtlichen Maße reproduziert. Daran knüpft die Frage nach dem emanzipatorischen Charakter der KPD an."Es geht also darum, was heute "emanzipatorische Politik" ist, um Themen und Probleme, die uns heute beschäftigen und die wir aus heutiger Sicht und Erfahrung kritisieren. Jedoch sollte dies im historischen Zusammenhang geschehen.

Die AutorInnnen beginnen ihre Geschichtsschreibung mit der Gründung der KPD. Doch die ideologischen Wurzeln und Erfahrungen liegen tiefer, z.B. die Entwicklung des Begriffs der Nation in der Arbeiterbewegung. Es werden solche Fragen aufgeworfen, die uns heute besonders beschäftigen, weil wir das historische Wissen haben, was im und nach dem Faschismus Realität wurde. Mensch sollte auch berücksichtigen, dass hier Entwicklungsprobleme aus der Politik der KPD vor 1933, also den ersten 24 Jahren ihrer Geschichte, aufgegriffen werden. Damals standen unsere heutigen Fragen und Probleme nicht im Mittelpunkt der Diskussion, sondern ein schmerzhafter Lernprozess zwischen Revolutionserwartung, Enttäuschungen und dem sich Einrichten in einer nichtrevolutionären Situation, wachsendem Faschismus und Verboten.

Die Frage, ob die KPD nun eine "emanzipatorische Kraft" war, machen die AutorInnen fest an den Fragen: "Wie war ihr Verhältnis zum Nationalsozialismus und zum Antisemitismus? Wie stand sie zur Frauenbewegung? Welches Verständnis hatte sie vom Volk?" Das "Fazit in fünf Thesen" fällt für die KPD negativ aus. Die Frage, warum es eben diese Entwicklung gab und keine andere, kann im nachhinein immer gestellt werden. Historische Entwicklungen, Erfahrungen, ideologische Richtungsdiskussionen und ein real existierendes Bewusstsein dieser Zeitepoche und die darauf beruhenden Fehleinschätzungen und Entscheidungen sind Faktoren, an denen sich die KPD "entwickelt" hat, d.h. welche "Linie" sich durchgesetzt hat.
Es reicht nicht, der KPD vorzuwerfen: "Ideologie und Werthaltung der bürgerlichen Gesellschaft wurden seitens der Partei in einem beträchtlichen Maße reproduziert". Demnach hätte sie einen Sprung über ihre Zeit hinaus versuchen müssen.

Weitere Diskussion mit den AutorInnen wäre gut. Die Möglichkeit dazu besteht bei ihrer Lesung auf der 6. Linken-Literaturmesse: am Samstag, 10. November 2001.

Walter Bauer

Gruppe MAGMA, "...Denn Angriff ist die beste Verteidigung" Die KPD zwischen Revolution und Faschismus. Pahl-Rugenstein, Bonn 2001, 295 Seiten, 36,- DM/18.50 Eur