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... Denn Angriff ist die beste Verteidigung
- Die KPD zwischen Revolution und Faschismus"
Dies ist der Titel des Buches, das eine Gruppe aus Antifa-Kreisen
(MAGMA) schreibt, eine Geschichte der KPD. Die Geschichte der
Entwicklung der antifaschistischen Linie der KPD, die Einheitsfrontstrategie,
das Verhältnis zur Sozialdemokratie und vor allem die Entwicklung
des Faschismusbegriffs von KPD und Komintern machen den Hauptteil
des Buches aus.
Der zweite Teil "Zwischen Masse und Klasse - Die
KPD und das Volk" und "Ein Fazit in fünf Thesen"
ist eine Kritik an der Politik der KPD aus heutiger Sicht und
Erfahrung. Die AutorInnen haben viele richtige Fakten aus unterschiedlichen
Ecken zusammengetragen und aus aktueller Sicht und heutiger Fragestellung
in die Entwicklung der KPD eingeordnet. Dies ergibt allerdings
keine Geschichte der KPD, sondern nur die eines wichtigen Teils
von Theorie und Praxis der KPD vor 1933 - des antifaschistischen
Kampfes. Deshalb sind manche Schlussfolgerungen in diesem (Kritik-)Teil
eben nicht nur aus dem Geschichtsteil bzw. aus der Entwicklung
der antifaschistischen Politik der KPD herzuleiten und zu begründen,
sondern aus heutiger Perspektive.
"Unsere Kritik an der KPD ist stellenweise schonungslos.
Dennoch gehört unser Respekt uneingeschränkt denjenigen,
die Widerstand gegen den deutschen Faschismus leisteten und zum
Teil noch heute - an der Seite einer jüngeren antifaschistischen
Generation - gegen dessen Kontinuitäten kämpfen."
Diese Respekterweisung zu Beginn des Buches hält die AutorInnen
aber nicht davon ab, der KPD "Versagen" vorzuwerfen:
"Es zeigt sich, dass im Wesentlichen die Haltung der Partei
mit dem offensiven Motto Denn Angriff ist die beste Verteidigung
beschrieben werden kann. Der Kapitalismus lag in seinen letzten
Zügen; die nächste Krise konnte nur seine letzte sein
- davon jedenfalls ging die KPD maßgeblich aus. Die Tatsache,
dass die herrschenden Klassen in der Krise zu ihrem letzten Mittel,
dem Faschismus, griffen, konnte für die KPD nur heißen,
dass die proletarische Revolution kurz vor ihrem Durchbruch stand.
Damit war zugleich die Erwartung verbunden, dass auch das Volk
unweigerlich die Zeichen der Zeit erkennen würde: Wo die
Totenglocken des Kapitalismus läuteten, würden Massen
ihm bald das Grab schaufeln. Die Annahme, dass diese nach 'Sozialismus
statt Barbarei' rufen würden, war jedoch eine der grundlegenden
Täuschungen der KPD."
Offensichtlicher Bezug zu aktuellen Politikfeldern
Hier liegt ein Geschichtsbuch vor, aber der Gruppe geht es um
"heutige, aktuelle Probleme" der linken Politik, um
die Themen: KPD und die "irregeführten Arbeiter",
KPD und Nationalismus, KPD und Antisemitismus, KPD und die Frauenbewegung
und die dazugehörigen Thesen. Die Gruppe MAGMA hat diese
Fragen nicht zufällig ausgewählt: "Bei Allen besteht
ein offensichtlicher Bezug zu Politikfeldern, die für die
heutigen Linken vor allem in Deutschland von Bedeutung sind -
teilweise explizit aufgrund des Scheiterns kommunistischer Politik
in der Weimarer Zeit. Die Kritik an der KPD basiert also auch
auf den Maßstäben, die die radikale Linke im Laufe der
Geschichte bis heute gesetzt hat. ... Ideologie und Werthaltung
der bürgerlichen Gesellschaft wurden seitens der Partei in
einem beträchtlichen Maße reproduziert. Daran knüpft
die Frage nach dem emanzipatorischen Charakter der KPD an."Es
geht also darum, was heute "emanzipatorische Politik"
ist, um Themen und Probleme, die uns heute beschäftigen und
die wir aus heutiger Sicht und Erfahrung kritisieren. Jedoch sollte
dies im historischen Zusammenhang geschehen.
Die AutorInnnen beginnen ihre Geschichtsschreibung mit der Gründung
der KPD. Doch die ideologischen Wurzeln und Erfahrungen liegen
tiefer, z.B. die Entwicklung des Begriffs der Nation in der Arbeiterbewegung.
Es werden solche Fragen aufgeworfen, die uns heute besonders beschäftigen,
weil wir das historische Wissen haben, was im und nach dem Faschismus
Realität wurde. Mensch sollte auch berücksichtigen,
dass hier Entwicklungsprobleme aus der Politik der KPD vor 1933,
also den ersten 24 Jahren ihrer Geschichte, aufgegriffen werden.
Damals standen unsere heutigen Fragen und Probleme nicht im Mittelpunkt
der Diskussion, sondern ein schmerzhafter Lernprozess zwischen
Revolutionserwartung, Enttäuschungen und dem sich Einrichten
in einer nichtrevolutionären Situation, wachsendem Faschismus
und Verboten.
Die Frage, ob die KPD nun eine "emanzipatorische Kraft"
war, machen die AutorInnen fest an den Fragen: "Wie war ihr
Verhältnis zum Nationalsozialismus und zum Antisemitismus?
Wie stand sie zur Frauenbewegung? Welches Verständnis hatte
sie vom Volk?" Das "Fazit in fünf Thesen"
fällt für die KPD negativ aus. Die Frage, warum es eben
diese Entwicklung gab und keine andere, kann im nachhinein immer
gestellt werden. Historische Entwicklungen, Erfahrungen, ideologische
Richtungsdiskussionen und ein real existierendes Bewusstsein dieser
Zeitepoche und die darauf beruhenden Fehleinschätzungen und
Entscheidungen sind Faktoren, an denen sich die KPD "entwickelt"
hat, d.h. welche "Linie" sich durchgesetzt hat.
Es reicht nicht, der KPD vorzuwerfen: "Ideologie und Werthaltung
der bürgerlichen Gesellschaft wurden seitens der Partei in
einem beträchtlichen Maße reproduziert". Demnach
hätte sie einen Sprung über ihre Zeit hinaus versuchen
müssen.
Weitere Diskussion mit den AutorInnen wäre gut. Die Möglichkeit
dazu besteht bei ihrer Lesung auf der 6. Linken-Literaturmesse:
am Samstag, 10. November 2001.
Walter Bauer
Gruppe MAGMA, "...Denn Angriff ist die beste Verteidigung"
Die KPD zwischen Revolution und Faschismus. Pahl-Rugenstein, Bonn
2001, 295 Seiten, 36,- DM/18.50 Eur
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