The Ex
Dizzy Spells (CD, Konkurrel, Efa)
Neu ist das nicht. The Ex haben ein weiteres Album herausgebracht
und sie sind sich treu geblieben. Es ist, bei aller Offenheit
gegenüber den unterschiedlichsten Einflüssen, etwas
Konstantes, Konsolidiertes und die Band hat darauf anscheinend
auch schon reagiert.
Es gibt ein Projekt namens The Ex Orkest mit Trompeten, Posaunen
und Saxophonen, einem echten Dirigenten, Ex-Arrangements und niederländischen
Texten. Letzteres ein Fakt, der in der über 20jährigen
Geschichte von The Ex noch nie da war ... - aber das ist dann
gelegentlich eine andere Geschichte.
Bleiben wir bei Dizzy Spells. Denn das ist doch eindrucksvoll.
Kein Nachlassen der Spannung, kein Abschlaffen der musikalischen
Fantasie, des Engagements und der Neugier über einen so langen
Zeitraum und kein Wiederholen eines immergleichen Schemas. Auf
Dizzy Spells sind Terrie, Andy, Luc, Katrin und G.W. Sok wieder
voll bei der Sache und mensch könnte es fast schon als pathetisch
empfinden, dieses Abarbeiten an der Realität unserer Existenz
- hätte nicht Harald Schmidt schon ein Zeitalter des Neuen
Pathos ausgerufen ...
Belassen wir´s auf der Ebene des Hymnischen: die Musik und
mein Lob.
Und natürlich ist das altmodisch. Aber so wie ein deutscher
Außenminister in Genua und anderswo seine WiedergängerInnen
erkennen könnte, so sind auch die Themen der neuen Ex-CD
notwendigerweise nicht neu. Es ist dabei nicht nötig, sich
irgendwelche Illusionen zu machen. Es reicht die Lektüre
des Wirtschaftsteils einer wirklich beliebigen Zeitung, um festzustellen,
dass sich wenig geändert hat außer dem Wegfall einer
allerdings untauglichen Alternative. Vielleicht gibt es eine größere
kritische Öffentlichkeit als früher.
Natürlich wäre auch ein Projekt wie Radio Z um - sagen
wir 1960 - nicht möglich gewesen - die technischen Gründe
mal aussen vor gelassen. Aber die Öffnung des Rundfunks für
nicht kommerzielle Anbieter wie Z ist die winzigkleine Kehrseite
einer umfassenden Kommerzialisierung. Natürlich sind auch
das nur Peanuts im Vergleich zu den Summen, die im TV-Geschäft
bewegt werden und diesbezüglich empfehle ich auch Sportuninteressierten
den Komplex Bundesliga/ran/Premiere des Herrn Kirch und seiner
Geldgeber.
Andererseits ist in der neuen Konkret eine Anzeige geschaltet
- und sie ist glaub ich nicht von der Titanic: Che geht jetzt
endgültig in Rauch auf, nachdem schon der rote Stern als
radical-chic der fashion victims die chill out areas füllte
und Faketerror die Modestrecken. Nein, das amüsiert mich
wirklich. The Ex denken ihrerseits ebenso global und zeigen uns
Walt´s Dizzyland - immer noch ein absolutes Schwergewicht
des Ablenkungssektors.
Was noch? The Ex sind zwar ständig unterwegs, aber leider
nicht in unserer Gegend. Anfang November gestalten sie ein dreitägiges
Festival in Wels/Österreich, dessen Konzept äußerst
interessant klingt. Alles ist nachzulesen im Internet unter http://www.theex.nl.
Wie schließen? Dass ich dieses neue Album Dizzy Spells für
wichtig halte und nicht etwa für einen Abklatsch / Aufguss
von Altbekanntem ? Das mögen andere anders sehen. Es gibt
ja auch eine Menge anderer engagierter und hörenswerter anderer
MusikerInnen, klar.
Aber was mich vor allem für The Ex einnimmt, ist eine Form
des Eigensinns, des Arbeitens an den harten Brettern, die spannend
und animierend umgesetzt wird, in Details immer wieder
anders, neu und aufregend.
Hans Plesch
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