THE GOOD AND THE BAD AND THE UGLY
TIPPS + INFOS aus der Welt der (subversiven) Kultur
Subversiv klingt die erste Nachricht aufs Erste nicht: Das Bundesland
Nordrhein-Westfalen unterstützt in NRW ansässige Komponistinnen
mit 35.600 Euro. E-Musik? Staatliche Förderung? Und wo bleibt
dabei der Umsturz nebst dem revolutionären Gedanken? Alles
da: "Musikerinnen seien im Konzertbetrieb immer noch unterrepräsentiert"
hat das Kulturministerium erkannt und darum wird mit dem Geld
ein Nachwuchsworkshop sowie eine Konzertreihe gefördert,
in der die Musik der Komponistinnen Carola Bauckholt, Karin Haußmann
oder Noriko Kawakami aufgeführt wird. (HÖRTIPP: Tinnitus
- zeitgenössische Musik bei Radio Z, UKW 95.8 - jeden 1.
u.3. Sonntag von 22.00-24.00)
Ganz anders wird derlei in Hamburg gesehen - wo die CDU ja bekanntlich
mit der Schill-Partei zusammen regiert - und ganz nach Manier
von Richter Gnadenlos agiert auch seine Kultursenatorin, die ehemalige
BILD-Journalistin Dana Horáková - Zwackdiwack, wir
müssen sparen! lautet die Devise und das am besten und ganz
schnell und einfach bei der Frauenkulturförderung, denn "Die
spezifische Förderung von Frauen sei nicht mehr zeitgemäß",
lautet das Argument der Senatorin. Damit steht die Arbeit und
Existenz von Vereinen wie Bildwechsel (Video/Film/Kunst von Frauen)
sowie des Hamburger Frauenmusikzentrums fm:z auf dem Spiel. Das
Engagement des fm:z basiert auf den Inhalten und Zielen des Gender
Mainstreamings, und zeigt, dass Frauen wie Männer die dringende
Notwendigkeit sehen, die Monogeschlechtlichkeit in der Musikszene
zu überwinden - die sich z.B. darin ausdrückt, dass
im Hamburger Livemusik-Club "Logo" im letzten Monat
von 150 aufgetretenen Musikern ganze 3 weiblichen Geschlechts
waren ...
Dennoch bleibt Horáková bei der Ansicht, bei der Frauenkultur
könne ruhig gekürzt werden, denn die Bedeutung dieser
Art der Förderung sei im Schwinden. Als Gewährsfrau
für diese Sicht der Dinge führt sie Alice Schwarzer
an, die ihr erklärt habe, dass die Förderung von Frauen
als Frauen von diesen selbst nicht mehr gewünscht und nachgefragt
werde. Alice Schwarzer dementiert das in einem Brief: "Nein,
ich habe noch nie in meinem Leben mit Frau Horáková
über die Förderung von Frauenprojekten gesprochen."
Danke, Alice.
Eigentlich wollte ich euch ja auf dieser Seite das 5. Hamburger
Musikerinnen-Symposium nahebringen - aber damit ordentlich Tatkraft demonstriert
wird, hat die Hamburger Kulturbehörde beschlossen, dem Frauenmusikzentrum für
2003 sämtliche Gelder fristlos zu streichen. In einem Abwasch hat die
Kulturbehörde auch gleich sämtliche Anträge fürs Symposium gekippt, was heißt:
Es gibt plötzlich weder Geld für Honorare noch für Fahrtkosten für die
Referentinnen. Weil Arbeit von Frauen nicht gleich Arbeit umsonst sein soll,
steht damit das Musikerinnensymposium, das für dieses Jahr im November geplant
war, vor dem Aus und ihr verpasst:
Diskussionen über Queering popular culture - Körperpolitiken und Musikgeschäft
mit Rosemarie Reitsamer, Redakteurin und Herausgeberin. von "female sequences",
Wien, Monika Bloss, Musikwissenschaftlerin, Berlin und Ines Paul Baumann,
"low-end-models", Köln, über Lesbian Clubbing - Körperkultur, Sexualität & Pop
mit Vina Yun, Redakteurin bei "nylon" und "malmoe", Wien, Karin Kaufmann
Clubbetreiberin vom "Amantes", Hamburg, Chris Regen, Künstlerin,
Festivalorganisatorin, Hamburg und Christina Schäfer (visual artist, Hamburg)
sowie das hochinteressante und notwendige Panel zu Gender, Ethnizität und
Nationalisierung - mit den Themen Rap und Gender (Michaela Wünsch, Kulturwiss.,
Berlin) Deutsch-türkischer Hip Hop in Berlin (Verda Kaya, Ethnologin, Berlin)
Ethnizität und Hip Hop (Ina Rotter, Journalistin, Kulturwissenschaftlerin,
Berlin) Gender und Hip Hop (Annette Weber, Kulturwissenschaftlerin, Berlin)
Nationalisierung des Popdiskurses mit Alenka Barber-Kersovan
(Musikwissenschaftlerin, Hamburg) und Katja Diefenbach (Journalistin, u.a.
Jungle World, Berlin).*
Diese Ausführlichkeit einer Absage soll nicht nur die Abgründe
verfehlter Kulturpolitik verdeutlichen, sondern auch das Ausmaß
dessen, was euch entgeht - abgesehen davon, das NAMEING auch eine
prima Strategie ist.
Wenn denn alles gut geht, könnt ihr das Symposium zwischen
dem 4.und 7.9. 2003 auf dem ersten LADYFEST in Hamburg nachholen.
(TIPP: Mehr unter www.espressiva.de
und www.ladyfesthamburg.org
.)
Also gut, mag mensch da seufzen, das Geld für die Hamburgreise gespart. Und was
jetzt mit den kleinen Herbstferien?
Die Autorin empfiehlt einen Londontrip zu einer Ausstellung, bei der gleichfalls
Künstlerinnen sowie politische, frauenspezifische Themen im Mittelpunkt stehen:
Mons Veneris: Female Geographies
Thursday 24 October 2002, 1830h - 6 December 2002
Austrian Cultural Forum, 28 Rutland Gate, London SW7 1PQ
Monday-Friday 0900-1700h
Die beteiligten Künstlerinnen sind zum Teil bekannt, aber immer interessant: Uli
Aigner, Jamika Ajalon, Fiona Banner, Sadie Benning, Ursula Biemann, Anca
Daucikova, Valie Export, Christina Della Guistina, Roza El-Hassan/Milica Tomic,
Sanja Ivekovic, Susanna Jacobs, Le Tigre/Elisabeth Subrin, Ly Lestberg, Marth,
Mara Mattuschka, Muda Mathis/Sus Zwick, Tanja Ostojic, Fiona Rukschcio, Cindy
Sherman, Mare Tralla, Julia Wayne
Co-ordinator: Rosemarie Reitsamer
Consultants: Anthony Auerbach, Anca Daucikova, Marina Grzinic, Sally Tallant
"Mons Veneris", schreibt Rosemarie Reitsamer, "ist eine Expedition in
transsexuelle Geographien, Grenzregionen, strategische Orte, Konflikt- oder
Isolationsräume, Orte an denen Identitäten brüchig sind und einander überlagern.
Ich wollte schon immer eine Ausstellung sehen, die sich um weibliche Sexualität
und weibliches Begehren dreht und dabei nicht in eine staubtrockene und
ängstlich bemühte Polithaltung oder in einen kuratorInnenspezifischen
Didaktizismus verfällt ... eine Ausstellung, die in der Lage ist, den so
genannten Mainstream-Feminismus zu vermeiden, aus dem politischen Themen nahezu
verschwunden sind, eine Ausstellung, die sich gleichzeitig der Marginalität
verweigert. Feminismus ist schließlich ein politischer Standpunkt und eine
Strategie mit der frau arbeiten kann."
Die Ausstellung versammelt Künstlerinnen, die sich ihren Ruf in den 60er und
70er Jahren erarbeitet haben und junge Künstlerinnen, die jetzt erst allmählich
und unter ganz anderen Umständen Anerkennung finden. Die Erfahrungen von Frauen
aus postkommunistischen Ländern, die in den letzten zehn Jahren eine rapiden
ökonomische Veränderungen erlebten, mit denen die gesellschaftlichen Änderungen
oft nicht Schritt hielten, fließen ebenso ein wie
u.a. die Auseinandersetzung mit Pornographie und Begehren als Themen der Kunst,
Gewalt gegen Frauen, der weibliche Körper in der Kunst, u. a. ist zu sehen Valie
Export mit "Aktionshose: Genitalpanik", weibliche Homosexualität -
Künstlerinnen, die sich in ihren Arbeiten mit lesbischer Identität und
Sexualität befassen, werden vom Mainstream kaum anerkannt - oder weichen dem
Mainstream aus, so wie die ehemalige Le Tigre Musikerin und Videokünstlerin
Sadie Benning.
Ein Diskussionsforum findet am 26.10 statt. Eine zweisprachige Sonderausgabe von
Female Sequences: FrauenLesbenKulturHEFTig zu dieser Ausstellung erscheint im
Februar 2003.
Näheres und weiteres unter http://www.austria.org.uk/art/news/index.html
und bei: Rosemarie Reitsamer, e-mail: fem.seq@gmx.at
In diesem Zusammenhang muss ich unbedingt auf ein individuell
gefertigtes schöpferisches Werk der derzeitigen Le Tigre-Musikerin
JD Samson verweisen, nämlich JD Samsons Lesbenkalender für
2003. Den Vertrieb hat der Verbrecher-Verlag übernommen,
der zum besseren und halbwegs kostendeckenden Arbeiten gerne Vorbestellungen
annimmt. Dafür zahlt ihr dann 1 € weniger und erfahrt
mehr unter www.verbrecherei.de,
oder Tel: 030-28 38 59 (Fax: -55).
Gleichfalls im Verbrecher-Verlag erschienen ist die fulminante
Sci-fi-Satire "Schwester Mitternacht" von Barbara Kirchner
("Die verbesserte Frau") und Dietmar Dath ("Am
blinden Ufer" etc) - Geheimdienst, Drogen, Hubschraubereinsatz,
undurchsichtige Wissenschaftler, verkrachte Mediziner, Boulevardjournalisten,
nichtlineare Verelendung, literarischer Klassenstandpunkt und
Sex - they got it all. (TIPP: unter www.radio-z.net
redaktionen->musik->zores findet ihr eine Rezension)
***
Country ist Redneck-Scheisse? Aber nicht doch, vor allem dann nicht, wenn er aus
Hamburg und von COW kommt und von Petra Devlin, die auch beim DACKELBLUT-Ableger
OMA HANS dabei ist (that´s punk, people) gesungen wird! Zusammen mit Smokestack
Lightning. 2.11., Zentralcafé, K 4 ***
Die Frage lautet nicht "Wie kommt es, dass Michelle Shocked
die einzige Musikerin ist, die die Rechte an ihrem gesamten Backkatalog,
also an allen ihren Veröffentlichungen, hat?" Die Frage
lautet: "Warum ist Michelle Shocked die Einzige?" Ihre
neue CD heißt "Deep Natural, Dub Natural", wird
von Efa vertrieben und den FolkPunkGospelBluesDub könnt ihr
am 6.11. live im Erlanger E-Werk hören! Look also under www.mighty-sound.com***
That´s all.
Says the queenofcrime
Tine Plesch
|