die vier Regeln des Michael Hurley (und ein Todestag)
1) Never walk in the sun
Wenn das denn das Gute an dieser Kälte sein sollte, dass
die Hobos ihre Abende lieber auf kleinen Bühnen im Warmen
verbringen, dann soll man nicht meckern. Z. B. Michael Hurley,
der dieser Tage auch im K4 seinen Koffer auspackte. Drinnen seine
Neueste, "Sweetkorn" (Snocko Music/BMI). Keine Ahnung,
ob man die Platte braucht, aber ihr solltet wissen, dass es sie
gibt. Denn es geht um Selbstverständlichkeiten: Ein Kerl,
der auf seiner Gitarre Musik macht, seit 50 Jahren. Über
"cars, jars, and guitars" oder gegen Bush, der selbstgebrautes
Bier bevorzugt und fanatischer Teetrinker ist. Der Mitte der 60er
sein erstes Konzert im Kreis der sehr angesagten ausufernden Folkbewegung
in der Carnegie Hall gab und da bestimmt auch hingehörte,
aber lieber zurückgezogen als Autoschrauber, Kinoputzer oder
Comiczeichner lebte. Zudem mit zwei handvoll Platten die Welt
bereichert hat, seitdem. Und der Einem die Ehre, die man ihm gibt,
mit seinen Songs dankt.
2) Never stand up when you could sit
Links von ihm sitzt ein ol’ companion und schaut abwechselnd
auf sein Eibauer - denn ich habe Mr. Hurley alias Elwood Snock
in Dresden gehört - und auf das Griffbrett von Mr. Hurley,
um so was wie ein Gerüst für die Lieder anzubieten.
Aber keine Gefahr, dass Eines zerfallen, sich einfach auflösen
würde. Denn da ist ja noch der linke Fuß von Hurley,
der diese Gespinste aus Melodie und Rhythmus durchtaktet. Beim
Hören der Platte fehlt einem dieser Fuß nur kurz, die
Sorge ist auch ganz unbegründet. Denn es geht nicht um kunstvolles
und künstliches Verzögern oder dramatisierendes Atemholen,
wie es manchem um alternative Gitarrenmusik Verdienten zu eigen
ist, sondern um den Raum und die Zeit, die der Song sich nimmt.
Und es ist ein exaktes Maß an Dis-, das die Harmonie ausmacht.
Die Stimme klingt vielleicht wie Vic Chesnutt, wer jetzt mal was
konkretes lesen wollte. Und alles sehr entspannt, zwei bezaubernde
backing vocals und ein Drummer, der bestimmt nicht nach Schlagzahl
bezahlt wurde.
3) Never sit when you can lay down
In der Pause liefen leise Townes Van Zandt und Gillian Welch,
so als Ortsangaben. Hier darf Thomas Koppelberg daneben stehen.
Er starb am 4. Oktober vor vier Jahren, 41-jährig. Begnadeter
François Villon Interpret, der den Gästen seiner Abende dringend
vom Tragen einer Abendgarderobe abriet. Der Mann hat andere besudelt
und er suhlte sich selbst durchs Leben. "Ich reim Euch was
ins krumme Kreuz, ich sing’ Euch was ins Hemd, bis Ihr Rotz und
Wasser heult und endlich Euren Wert erkennt." Ach Leute,
er ist tot und damit keiner was sagen kann, er hätte nichts
gewusst: Die erste Platte von Hurley aus dem Jahr 1964 ist als
"Blueberry Whine" (Locustmusic) wieder zu haben.
4) Always eat lying down
mk
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