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Nr. 17             Oktober 2002

 
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Auge um Auge

In Nürnberg startet ein neues Pilotprojekt in Sachen Videokameras

"Ausreisezentren" für Flüchtlinge

Ein neuer Baustein in der Abschreckungs- politik

"... jede nach ihrer Façon?"

Eine Podiumsdiskussion zum Streit um das Kopftuch

Neue Deutsche Welle von der Maas bis an den Belt

Studenten-verbindungen: akademische Vertreter der Rechten




 
Region
 

Werte entwickeln - Werte sichern - Werte steigern

Erlanger BürgerInnen wehren sich gegen Einzelhandels- und Bürozentrum

Den Kopf auf dem silbernen Tablett präsentiert

Gerichtsstreit um die Kündigung eines Betriebsrats: Wegen Diebstahl oder wegen Standhaftigkeit entlassen?

"Was sie dem Herrn Christo zum Schmach gethan haben ..."

Wie in Unterfranken die Legende eines jüdischen Ritualmords entstand




 
Buchkritik
 

... nationale Lügen und Mythen zu korrigieren

Drago Jancars Erzählungen aus der jugoslawischen Geschichte vom Mittelalter bis zur Tito-epoche

Inter Nationalismus

Eine Einführung in die Ideengeschichte des Internationalismus

Bunte Seiten der alternativen Medien

Ein Nachschlagwerk über selbstverwaltete Betriebe, soziale Projekte und politische Initiativen

Ästhetische Mobilmachungl

Sammelband über die abgestandenen Versuche des Tabubruchs in der Neonazi-Subkultur




 
Musik und Theater
 

The good and the bad...

Tine Plesch mit Tipps und Infos aus der Welt der subversiven Kultur

Enklave der behinderten, revolutionären AnarchistInnen

Theaterstück

die vier Regeln des Michael Hurley

und ein Todestag




 
Glosse
 

Bundeskanzler Stoiber

Fast hätten wir gewonnen! "Wenn wir nur unsere Stauseen a kloans bisserl aufgemacht hätten"

Musik und Theater
 

die vier Regeln des Michael Hurley (und ein Todestag)

1) Never walk in the sun

Wenn das denn das Gute an dieser Kälte sein sollte, dass die Hobos ihre Abende lieber auf kleinen Bühnen im Warmen verbringen, dann soll man nicht meckern. Z. B. Michael Hurley, der dieser Tage auch im K4 seinen Koffer auspackte. Drinnen seine Neueste, "Sweetkorn" (Snocko Music/BMI). Keine Ahnung, ob man die Platte braucht, aber ihr solltet wissen, dass es sie gibt. Denn es geht um Selbstverständlichkeiten: Ein Kerl, der auf seiner Gitarre Musik macht, seit 50 Jahren. Über "cars, jars, and guitars" oder gegen Bush, der selbstgebrautes Bier bevorzugt und fanatischer Teetrinker ist. Der Mitte der 60er sein erstes Konzert im Kreis der sehr angesagten ausufernden Folkbewegung in der Carnegie Hall gab und da bestimmt auch hingehörte, aber lieber zurückgezogen als Autoschrauber, Kinoputzer oder Comiczeichner lebte. Zudem mit zwei handvoll Platten die Welt bereichert hat, seitdem. Und der Einem die Ehre, die man ihm gibt, mit seinen Songs dankt.

2) Never stand up when you could sit

Links von ihm sitzt ein ol’ companion und schaut abwechselnd auf sein Eibauer - denn ich habe Mr. Hurley alias Elwood Snock in Dresden gehört - und auf das Griffbrett von Mr. Hurley, um so was wie ein Gerüst für die Lieder anzubieten. Aber keine Gefahr, dass Eines zerfallen, sich einfach auflösen würde. Denn da ist ja noch der linke Fuß von Hurley, der diese Gespinste aus Melodie und Rhythmus durchtaktet. Beim Hören der Platte fehlt einem dieser Fuß nur kurz, die Sorge ist auch ganz unbegründet. Denn es geht nicht um kunstvolles und künstliches Verzögern oder dramatisierendes Atemholen, wie es manchem um alternative Gitarrenmusik Verdienten zu eigen ist, sondern um den Raum und die Zeit, die der Song sich nimmt. Und es ist ein exaktes Maß an Dis-, das die Harmonie ausmacht. Die Stimme klingt vielleicht wie Vic Chesnutt, wer jetzt mal was konkretes lesen wollte. Und alles sehr entspannt, zwei bezaubernde backing vocals und ein Drummer, der bestimmt nicht nach Schlagzahl bezahlt wurde.

3) Never sit when you can lay down

In der Pause liefen leise Townes Van Zandt und Gillian Welch, so als Ortsangaben. Hier darf Thomas Koppelberg daneben stehen. Er starb am 4. Oktober vor vier Jahren, 41-jährig. Begnadeter François Villon Interpret, der den Gästen seiner Abende dringend vom Tragen einer Abendgarderobe abriet. Der Mann hat andere besudelt und er suhlte sich selbst durchs Leben. "Ich reim Euch was ins krumme Kreuz, ich sing’ Euch was ins Hemd, bis Ihr Rotz und Wasser heult und endlich Euren Wert erkennt." Ach Leute, er ist tot und damit keiner was sagen kann, er hätte nichts gewusst: Die erste Platte von Hurley aus dem Jahr 1964 ist als "Blueberry Whine" (Locustmusic) wieder zu haben.

4) Always eat lying down

mk