"Was sie dem Herrn Christo zum Schmach gethan haben ..."
Eine Ritualmordlegende aus Unterfranken
In wenigen Tagen erscheint im Aschaffenburger Alibri-Verlag Heft
Nr. 10 der Zeitschrift "Geschichte quer". Dieses Heft
dreht sich um das Thema "Kriminalität". Einer der
Artikel handelt von dem Mord an einem vierjährigen Knaben,
der sich 1929 im unterfränkischen Manau zutrug. Diesen Mord
versuchten die NationalsozialistInnen der jüdischen Minderheit
in Unterfranken in die Schuhe zu schieben. Anhaltspunkte für
die verleumderischen Behauptungen der Nazis fanden sich zu keinem
Zeitpunkt, dennoch zog der Fall des angeblichen "jüdischen
Ritualmords" weite Kreise. Die raumzeit bringt diesen Artikel
von Christiane Kolbet als Vorabdruck und als Kostprobe für
das neue Heft von "Geschichte quer".
Am Sonntag den 17. März 1929 kehrte im fränkischen
Dörfchen Manau der kleine Karl Keßler nicht vom Spielen
heim. Es wurde schon dunkel und die Eltern machten sich Sorgen.
Zusammen mit den Nachbarn begannen sie nach dem Kind zu suchen.
Bald suchte das ganze Dorf mit Fackeln und Sturmlaternen. Gegen
Mitternacht fand man den Jungen schließlich mit durchschnittener
Kehle im Wald. Das Dorf war in Aufruhr.
Da schlich sich ein schlimmer Verdacht aus einem der Höfe
heraus. Eine Bäuerin hatte ein altes zerfleddertes Buch gefunden:
"Ein Bericht von den zwölf jüdischen Stämmen,
was ein jeder dem Herrn Christo zum Schmach gethan haben soll
und was sie dieß den heutigen Tag dafür leiden müssen".
Von den Nachkommen des Stammes Dan heißt es in diesem Machwerk,
dass sie keine Ruhe fänden, wenn sie nicht "mit der
Christen Blut ihren stinkenden Leichnam wieder salben und schmieren".
Es war noch nicht Mittag, da wussten alle BewohnerInnen von Manau
über den Inhalt des Buches und den Stamm Dan Bescheid.
Die Polizei, die am Morgen nach Manau gekommen war, ging von
einem "Lustmord" an dem viereinhalbjährigen Knaben
aus. Doch für die BewohnerInnen von Manau stand fest, dass
Karl Keßler einem "jüdischen Ritualmord"
zum Opfer gefallen sein musste. Auf Einladung seiner Gesinnungsgenossen
aus Burgpreppach kam wenige Tage später der Gauleiter der
NSDAP von Unterfranken, Dr. Otto Hellmuth, nach Manau. Er ließ
sich vor Ort über den Mord informieren.
Im Wald traf er mit dem jüdischen Religionslehrer Emanuel
Levi aus Burgpreppach zusammen. Diese Begegnung am Ort des Geschehens
erschien dem Gauleiter höchst verdächtig. Dies umso
mehr, als Levi auch für das rituelle Schlachten von Vieh
und Geflügel in den umliegenden jüdischen Gemeinden
zuständig war.
Der Zahnarzt Dr. Otto Hellmuth aus Marktbreit, der seit zwei
Jahren Gauleiter der NSDAP in Unterfranken war, verfasste noch
in der gleichen Woche als "Sonderberichterstatter" einen
Artikel über den Mord von Manau für das antisemitische
Wochenblatt "Der Stürmer". Blut-rünstig und
im Detail malte Hellmuth in seinem Beitrag aus, wie das Kind niedergemetzelt
worden war und welchem Zweck die Tötung seiner Meinung nach
gedient haben musste: der Gewinnung von Menschenblut.
Die bayerische Rabbinerkonferenz versuchte umgehend dem abergläubischen
Vorwurf in einer gemeinsamen Erklärung zu begegnen. Doch
die Rabbiner fanden vor den Augen der Nazis keine Gnade und bei
der verstörten Bevölkerung des Haßgaues kein Gehör.
Am 1. April 1929, dem Ostermontag, lud die NSDAP nach Hofheim,
in den Nachbarort von Manau, zu einer Versammlung über die
"Blutmorde der Juden" ein. Der Andrang war riesig: Aus
ganz Franken waren die ZuhörerInnen angereist. In drei Wirtshaussälen
und vor rund 1200 TeilnehmerInnen gleichzeitig hetzten die Nazis
und ihr unterfränkischer Gauleiter Otto Hellmuth gegen die
Juden. Unterstützt wurden sie dabei vom "Stürmer"-Redakteur
Karl Holz, der eigens für diese Veranstaltung von Nürnberg
nach Hofheim gekommen war. Unverhohlen riefen die Nazis zu Tätlichkeiten
gegen die Juden auf. Hellmuth verkündete voll Pathos:
"In Manau wurde ein kleiner, unschuldiger Mensch geopfert.
Aber dieses Opfer ist nicht umsonst gebracht worden. Man kann
ein Volk nur bis zu einem gewissen Grad mißhandeln, aber
ein Volk, das auch nur noch geringe Lebenskraft hat, wird sich
die weitere qualvolle Mißhandlung durch die Hebräer
nicht gefallen lassen. Wir Nationalsozialisten werden das Volk
jetzt wachrütteln und es zur Tat gegen seine fremdstämmigen
Bedrücker aufrufen."
Ähnliche Veranstaltungen folgten in Orten der Umgebung.
Ohnmächtig sahen die Behörden dem Treiben der Nazis
zu. Rechtlich waren ihnen die Hände gebunden.
Eine rasche Aufklärung des Mordes hätte die Lage zweifellos
entspannt. Doch die Polizei tat sich mit der Suche nach dem Täter
schwer. Offensichtlich angesteckt vom epidemisch um sich greifenden
Ritualmordwahn vernahm sie zahlreiche Juden aus der Umgebung.
Die Ermittlungen in dieser Richtung verliefen jedoch ergebnislos.
Noch während die Staatsanwaltschaft im Dunklen tappte, nach
ZeugInnen suchte und die spärlichen Spuren analysierte, nutzte
der Gauleiter Otto Hellmuth die Zeit, um seine Version der Ereignisse
weiter unter die teils verängstigte, teils fanatisierte Bevölkerung
zu bringen: Im April ließ er einen weiteren Artikel im "Stürmer"
folgen. Darin abgehandelt fand sich:
"Der Blutmord von Manau. Der blonde Knabe. Der Stich in
die Halsschlagader. Der blutleere Körper. Die Wunde am Rückenwirbel.
Das geheimnisvolle Auto"
Diese Ausgabe des "Stürmer" wurde kostenlos in
der Gegend von Manau verteilt. Mit dem Mord erstmals in Verbindung
gebracht wurde der Burgpreppacher Religionslehrer Emanuel Levi.
Zusätzlich zur Gratisausgabe des "Stürmer"
ließ Otto Hellmuth auf eigene Kosten ein einschlägiges
Flugblatt und eine Postkarte mit dem Konterfei des ermordeten
Kindes drucken und verbreiten. Das Resultat der Hetze war, dass
die jüdischen BürgerInnen der Gegend um ihr Leben und
ihre Habe zu fürchten begannen, und dass in Hofheim am 13.
April 1929 eine neue Ortsgruppe der NSDAP gegründet wurde.
Vier Wochen nach dem Mord, der den ganzen Haßgau in Aufruhr
versetzt hatte, bezogen die Behörden endlich Stellung: Die
Staatsanwaltschaft ließ wissen, dass es keine Beweise für
einen "Ritualmord" gäbe und setzte zugleich eine
Belohnung in Höhe von RM 3500 für die Ergreifung des
Täters aus. Der bayerische Kultusminister Goldenberger erteilte
Anweisung, die SchülerInnen in Unterfranken über die
"Unsinnigkeit der Ritualmordanschuldigung gegen die Juden
im allgemeinen zu belehren". Auch die im Bezirksrabbinat
Burgpreppach zusammengefassten Israelitischen Kultusgemeinden
meldeten sich in einem eindringlichen Appell zu Wort und versuchten
das Vorurteil gegen ihre Religionsgemeinschaft zu widerlegen:
"Die Judengegner sagen, die Juden brauchen das Blut, um
es in die Mazzen zu verbacken. Nun ist das Mazzenbacken keine
geheime Kunst und wird auch nicht einmal ausschließlich
von Juden besorgt. Gerade in unserem Bezirk ist eine Mazzenbäckerei,
in welcher fast nur nichtjüdische Arbeitskräfte angestellt
und tätig sind; glaubt irgendein vernünftiger Mensch,
daß diese nichtjüdischen Arbeitskräfte es nicht
merken würden, wenn in den Mazzenteig Blut hineingebracht
würde, oder glaubt irgendein vernünftiger Mensch, daß,
wenn diese Arbeitskräfte irgend etwas von Blut bemerkt hätten,
sie dazu schweigen würden? Jeder Vernünftige muß
zugeben, daß diese Annahmen Unsinn sind."
Doch alle noch so vernünftigen Argumente verfingen bei der
aufgeputschten Bevölkerung nicht mehr. Im Gegenteil: Auch
die Mazzenbäckerei von Julius Neuberger geriet nun ins Zwielicht.
Am 30. April hielten die unterfränkische NSDAP und ihr Gauleiter
eine weitere Kundgebung über den angeblichen Ritualmord im
Würzburger Ausflugslokal "Huttenscher Garten" ab.
Wieder strömten die Massen herbei. Vergeblich hatten die
Würzburger JüdInnen versucht, bei der Regierung von
Unterfranken ein Verbot der Kundgebung durchzusetzen. Nachdem
sie die NSDAP-Versammlung nicht hatten verhindern können,
luden die JüdInnen von Würzburg am 6. Mai ihrerseits
zu einer Veranstaltung ebenfalls in den "Huttenschen Garten"
ein. Dort wollten sie die Bevölkerung über den Vorwurf
des Ritualmordes aufklären. Weit über tausend Würzburger
BürgerInnen nahmen an der vom Rechtsanwalt Karl Rosenthal
geleiteten Veranstaltung teil. Darunter waren auch viele Nazis.
Was als Aufklärungs- und Informationsveranstltung gedacht
war, ging im Tumult unter: Die Nazis brüllten die Redner
nieder. Die Polizei räumte das Lokal.
Dennoch werteten die Würzburger JüdInnen die Veranstaltung
als Erfolg, hatten doch ihr OB Hans Löffler und die Presse
bedingungslos Position für die bedrängten Juden und
gegen die Verleumder ergriffen. Der Chefredakteur des "Fränkischen
Volksblatts", der geistliche Rat Heinrich Leier war zur Verteidigung
der Jüdinnen und Juden selbst soweit gegangen, die Legenden
um die von der katholischen Kirche heilig gesprochenen angeblichen
Ritualmordopfer, Andreas von Rinn und Simon von Trient, ins Reich
der Phantasie zu verweisen. Für einen Christen, so der Pfarrer
Heinrich Leier, sei die Sache klar:
"Wer solche Lügen leichtfertig verbreitet, hat eine
schwere Verantwortung auf sein Gewissen geladen und eine schwere
Sünde begangen. Denn jedem Christen ist die Lüge verboten,
besonders eine solche törichte und boshafte Lüge, die
so verhängnisvolle Folgen haben muß."
Einige Monate später wurden die "Stürmer"-Herausgeber
Julius Streicher und Karl Holz wegen der Berichterstattung über
den Mordfall von Manau zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt.
Der Urheber der Artikel, Otto Hellmuth, blieb jedoch unbehelligt.
Ein Jahr nach dem Mord wurde im Wald von Manau ein Gedenkstein
für den ermordeten Karl Keßler eingeweiht. Die kirchliche
Feier, an der das ganze Dorf teilnahm, wurde vom evangelischen
Pfarrer Seiler vorgenommen, auf dessen Initiative hin das Denkmal
errichtet worden war. Der Pfarrer hatte den ermordeten Jungen
gekannt. Nun ruhte das Kind auf dem Dorffriedhof von Manau. Vom
Mörder des kleinen Karl aber fehlte jede Spur.
Fast fünf Jahre war es still um den Mord von Manau. In dieser
Zeit hatten die politischen Geschicke des Landes eine dramatische
Wendung genommen: Die Nazis waren an die Macht gekommen und der
Gauleiter der NSDAP, Otto Hellmuth, war Regierungspräsident
von Unterfranken geworden. Doch der unaufgeklärte Mordfall
ließ ihm keine Ruhe. Im Mai 1934 erschien eine abstoßende
"Ritualmord"-Sondernummer des "Stürmer".
Der Mord von Manau nahm darin breiten Raum ein. Im Herbst 1934
wurde auf Betreiben von Otto Hellmuth ein neuer Versuch unternommen,
den Fall doch noch zu lösen. Wieder wurden jüdische
Tatverdächtige verhört und wieder gab es in der Sache
keinerlei Ergebnisse.
1937, acht Jahre nach dem Mord und quasi aus Anlaß seines
zehnjährigen Wirkens als Gauleiter von Unterfranken, unternahm
Otto Hellmuth einen weiteren Vorstoß, um den Mörder
des Kindes endlich dingfest machen zu können. Den Täter
hatte er sich bereits ausersehen: Der Religionslehrer und Schächter
Emanuel Levi aus Burgpreppach, den er Jahre zuvor am Tatort getroffen
hatte. Am 27. April 1937 wurde Levi verhaftet und seine Wohnung
durchsucht. Zur gleichen Zeit wurden weitere Tatverdächtige
und mutmaßliche Komplizen festgenommen. Es waren dies u.
a. der Kaufmann David Adler aus Burgpreppach und die Lehrer Simon
Blumenthal und Justin Fränkel. Ein "Zeuge" hatte
angegeben, am 17. März 1929 Levi, Blumenthal und Fränkel
auf dem Marktplatz von Hofheim gesehen zu haben, von wo aus sie
mutmaßlich an den Tatort gefahren sein sollten.
In den nächsten Wochen wurden wahllos weitere Juden festgenommen.
Darunter die Metzger Julius Schloß und Theodor Levor. Sie
alle wurden für viele Monate im berüchtigten Würzburger
Gestapogefängnis in der Ottostraße inhaftiert. Am 20.
Mai 1937 kam ein weiterer Häftling dazu: der Burgpreppacher
Mazzenbäcker Julius Neuberger.
Die Häftlinge saßen in Einzelhaft. Häufig wussten
nicht einmal ihre Angehörigen, wo sie sich befanden und was
man ihnen vorwarf. Nahezu täglich wurden die Beschuldigten
zu Verhören geholt. Jeder neue Name, der dabei fiel, konnte
eine weitere Verhaftung nach sich ziehen. Im Oktober 1937 wurde
auch Simon Levi, der Sohn des Hauptverdächtigen Emanuel Levi
festgenommen. Zum Tathergang hatte sich die Gestapo eine Theorie
zurecht gelegt, die sie nun mit allen Mitteln zu untermauern versuchte.
Diese Theorie umriss der ehemalige Rabbiner Saul Munk von Burgpreppach
1965 in einem Bericht für Yad Vashem.
"Hauptlehrer Levi wurde beschuldigt, das Kind geschächtet
zu haben, Herr Lehrer Mahlermann hätte ihm assistiert, Herr
David Adler und Herr Simon Levi hätten die Herren in ihren
Wagen zu der Stelle gefahren und Herr Julius Neuberger hätte
das Blut des Kindes in der Mazzothfabrik verwendet."
Alle Zeugen, die schon 1929 und 1934 vernommen worden waren,
wurden nun erneut befragt. Die wenigsten hatten ihren ursprünglichen
Aussagen etwas hinzuzufügen. Es gab aber auch Zeugen, die
der Gestapo geflissentlich mit den Informationen dienten, die
diese offensichtlich hören wollte. Darüber hieß
es im Bericht vom Rabbiner Munk:
"In der Mazzothfabrik waren fast nur christliche Arbeitskräfte
tätig. Dieses geschah, um jeder Verleumdung vorzubeugen.
Nichtdestoweniger haben diese Arbeitenden unter Eid ausgesagt,
sie hätten gesehen, wie eine Schüssel Blut in die Bäckerei
hineingetragen wurde."
Die Gestapo scheint mit den Beschuldigten wenig zimperlich umgegangen
zu sein. Der siebzigjährige Hauptbeschuldigte Emanuel Levi
drohte bei einem der zahllosen Verhöre offen mit Selbstmord.
Auch die anderen Beschuldigten standen unter großer seelischer
Anspannung. Hinzu kam, dass die Häftlinge, wenn sie schon
nicht selbst misshandelt wurden, so doch Zeugen von tätlichen
Übergriffen auf andere wurden. Falls sie es erreicht hatten,
dass sie Briefe und Besuche von Angehörigen bekommen durften,
so mussten sie doch über die Sache selbst Stillschweigen
bewahren. Die Untersuchungen und Verhöre zogen sich monatelang
hin.
Ende 1937 mußte die Gestapo dennoch alle Beschuldigten
einschließlich des Hauptverdächtigen Emanuel Levi wieder
frei lassen. Einer Aufklärung des Falles war man auch diesmal
nicht näher gekommen.
Im Wald von Manau war mittlerweile eine Pilgerstätte entstanden.
Die Nazis hatten einen Weg zum Gedenkstein für den ermordeten
Karl Keßler angelegt und zu beiden Seiten des Steins Säulen
mit abnehmbaren Lampen angebracht. Selbst ein Rednerpult soll
es gegeben haben. Alljährlich seit 1937 wurden am 17. März
Gedenkveranstaltungen am Ort des Verbrechens abgehalten, an denen
neben zahlreichen NS-Gliederungen auch die lokalen und regionalen
Größen der Partei teilnahmen.
Einige der entlassenen jüdischen Verdächtigten nutzten
die Ende 1937 wiedergewonnene Freiheit dazu, Deutschland zu verlassen.
Andere Beschuldigte kehrten in ihre Heimatorte zurück. Julius
Neuberger, den die Aussagen seiner Angestellten um ein Haar Kopf
und Kragen gekostet hätten, wurde nach seiner Haftentlassung
gezwungen, die selben Angestellten weiter in seiner Mazzenfabrik
zu beschäftigen. Die meisten der im Manauer Mordfall beschuldigten
Juden wurden später in Konzentrationslagern ermordet.
Die Nazis hielten bis 1945 alljährlich Gedenkveranstaltungen
im Wald von Manau ab: Als Würzburg bereits in Trümmern
lag und die Amerikaner vor den Toren der Stadt standen, berichtete
die "Mainfränkische Zeitung" noch von einer Feier
anläßlich des 16. Jahrestages des Mordes. Der Gauleiter
Otto Hellmuth wurde bald danach als Kriegsverbrecher gesucht,
gefasst und zum Tode verurteilt. Doch die Nachkriegszeit meinte
es gut mit Hellmuth: Zu lebenslanger Haft begnadigt, wurde er
bereits 1955 aus dem Gefängnis entlassen und erhielt eine
Entschädigung für seine "Kriegsgefangenschaft".
1958 ließ er sich im Schwäbischen nieder und praktizierte
wieder als Zahnarzt. Er starb 1968.
Der Mörder des kleinen Karl Keßler wurde nie gefasst.
Noch heute erinnern das Grab auf dem Friedhof und der Gedenkstein
im Wald von Manau an das ermordete Kind.
Christiane Kolbet
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