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Nr. 17             Oktober 2002

 
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Auge um Auge

In Nürnberg startet ein neues Pilotprojekt in Sachen Videokameras

"Ausreisezentren" für Flüchtlinge

Ein neuer Baustein in der Abschreckungs- politik

"... jede nach ihrer Façon?"

Eine Podiumsdiskussion zum Streit um das Kopftuch

Neue Deutsche Welle von der Maas bis an den Belt

Studenten-verbindungen: akademische Vertreter der Rechten




 
Region
 

Werte entwickeln - Werte sichern - Werte steigern

Erlanger BürgerInnen wehren sich gegen Einzelhandels- und Bürozentrum

Den Kopf auf dem silbernen Tablett präsentiert

Gerichtsstreit um die Kündigung eines Betriebsrats: Wegen Diebstahl oder wegen Standhaftigkeit entlassen?

"Was sie dem Herrn Christo zum Schmach gethan haben ..."

Wie in Unterfranken die Legende eines jüdischen Ritualmords entstand




 
Buchkritik
 

... nationale Lügen und Mythen zu korrigieren

Drago Jancars Erzählungen aus der jugoslawischen Geschichte vom Mittelalter bis zur Tito-epoche

Inter Nationalismus

Eine Einführung in die Ideengeschichte des Internationalismus

Bunte Seiten der alternativen Medien

Ein Nachschlagwerk über selbstverwaltete Betriebe, soziale Projekte und politische Initiativen

Ästhetische Mobilmachungl

Sammelband über die abgestandenen Versuche des Tabubruchs in der Neonazi-Subkultur




 
Musik und Theater
 

The good and the bad...

Tine Plesch mit Tipps und Infos aus der Welt der subversiven Kultur

Enklave der behinderten, revolutionären AnarchistInnen

Theaterstück

die vier Regeln des Michael Hurley

und ein Todestag




 
Glosse
 

Bundeskanzler Stoiber

Fast hätten wir gewonnen! "Wenn wir nur unsere Stauseen a kloans bisserl aufgemacht hätten"

Buchkritik
 

... nationale Lügen und Mythen zu korrigieren ...

Hündische Unterwürfigkeit und vorauseilender Gehorsam gehören dem Slowenischen Schriftsteller Drago Jancar zufolge zu den zentralen Triebfedern in der Geschichte seiner Heimat. Ein Satz von Erzherzog Ferdinand Max genügt, und ein biederer Maurer mutiert in der Titelgeschichte des Erzählungenbands "Die Erscheinung von Rovenska" zum Völkermörder, zieht blutlüstern durch Mexiko, dass es selbst seinem Habsburger Herren übel wird. Vom Mittelalter bis in die rote Epoche reichen die Beispiele, die der in den 70ern als Oppositioneller inhaftierte Autor durcherzählt, um nationale Lügen und Mythen zu korrigieren. Da ist zum Beispiel "Die Geschichte von den Augen": Ustascha-Führer Ante Pavelic habe im zweiten Weltkrieg auf seinem Schreibtisch eine Schale voll Augen getöteter Partisanen stehen gehabt, so die Kriegslegende. Jancar ist sich bewusst, dass seine literarische Korrektur der Historie die Faschisten entlasten wird. Trotzdem, der Wahrheit wegen: Die Schale war eine rein poetische Metapher, von einem Dichter in die Welt gesetzt, von anderen Dichtern übernommen. Nichts anderes.

Titos Jugoslawien galt und gilt noch heute als das menschlichste unter den kommunistischen Regimen. Dabei folgte seine Gründung einem Programm namens Rache, erklärt Jancar in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift Kommune. Allein in Slowenien liquidierten die ehemaligen Partisanen 14000 Menschen. Gesprochen werden durfte darüber später natürlich nicht. Der Aufsatz wirft ein erhellendes Licht auf die ohne Vorwissen schwer verständlichen Erzählungen. Trotz aller Wunden: "Niemand soll einen Stein aufheben, niemand richte, auf dass er nicht gerichtet werde", denn "die gestrigen Kommunisten können heute Demokraten sein." Titos Regime muss "ein Bestandteil unseres historischen Bewusstseins" werden. "Wie es die Gewalt des Nazismus bereits ist".

Martin Droschke

Kommune 5/01, Postfach 90 06 09, D-60446 Frankfurt, www.oeko-net.de/kommune, kommune@oeko-net.de. Ca. ÖS 84.-

Drago Jancar: Die Erscheinung von Rovenska. Aus dem Slowenischen von Klaus Detlef Olof. Wien (Folio) 2001. 194 S., ÖS 248.-