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Castor-Alarm:
Camp geräumt, Küche beschlagnahmt
Im Mai 1998 verhängte Angelika Merkel einen Transportstopp
für Zwischenlager- und Transportbehälter (sog. Castoren
V) für Atommüll, da erhöhte radioaktive Strahlung
direkt an den Behältern gemessen wurden. Grund dafür sei
radioaktives Wasser, das durch die Unterwasserbeladung im Abklingbecken
außen an der Hülle zurückbleibt, so ein Sprecher des
Bundesministeriums für Umweltschutz und Reaktorsicherheit. Eine
Lösung für dieses Problem wird seither fieberhaft gesucht,
da sonst keine Transporterlaubnis in ein Zwischenlager erteilt wird.
In der Zwischenzeit schickte sich die neu gewählte Regierung
an, einen sogenannten Atomkonsens zu erwirken, der den Atomstrombetreibern
eine Laufzeit für AKWs von mindestens 30 Jahren Betrieb zusichert.
Nicht nur, dass dieser Vertrag exakt den Forderungen der Atomindustrie
entspricht, er soll auch den GegnerInnen suggerieren, dass der Ausstieg
da wäre. Doch auf einer Konferenz von Anti-Atom-Gruppen im Frühling
wurde klargestellt, dass das Definitionsrecht auf Seiten der Umweltbewegung
läge und es nicht um einen vagen Ausstieg ginge, sondern um
die möglichst schnelle Stilllegung aller Anlagen. Den Atomstrombetreibern
würde sich nämlich die Möglichkeit eröffnen,
alte, unrentable Reaktoren abzuschalten, deren Kontingente auf neuere
umzulegen und das noch als Ausstieg zu verkaufen.
Die Regierung drückte sich lange um die Frage der Transporte
und erhoffte sich durch die sogenannte Bereitstellungslagerung auf
den AKW-Geländen, eine Konfrontation mit den alten KampfgefährtInnen
der Umweltbewegung zu vermeiden.
In der Zwischenzeit versuchten sich die Anti-Atom-GegnerInnen
von einer Anhäufung von Menschen, die auf Castoren wie Pawlov'sche
Hunde reagieren, zu einer gesellschaftspolitisch aktiven Bewegung
zu verändern. Es sollten gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge
(Kapitalismuskritik, Antirassismus ...) aufgegriffen und diskutiert
werden, darüber hinaus andere Bereiche der Energiebranche zum
Aktionsziel werden, wie etwa Uranabbau und Neubau von Reaktoren in
Europa.
Anfang Oktober verfestigte sich das Gerücht, dass am 23.
Oktober ein Atommülltransport von einem deutschen AKW in die
französische Wiederaufbereitungsanlage La Hague rollen sollte.
Untermauert wurde diese Annahme durch eine Urlaubssperre der Polizei
in dieser Zeit, durch fertig befüllte Behälter im AKW in
Philippsburg und durch die Erteilung einer Genehmigung für die
Behälter TN13, für die keine so strengen Richtlinien gelten,
da diese "nur" nach Frankreich befördert werden und nicht für
die Endlagerung dienen sollen.
AtomkraftgegnerInnen aus Bündnissen in Karlsruhe, Heidelberg,
Mannheim und Darmstadt lösten «Castor-Alarm'' aus und
luden zu einer Aktionswoche in Philippsburg (zwischen Speyer und
Karlsruhe) ein. Begonnen wurde mit einem »Sonntagsspaziergang''
am 15. Oktober, zu dem sich ca. 1000 AktivistInnen einfanden. Das
anschließend errichtete Camp wurde geräumt, obwohl ein
Bauer die Wiese bereit gestellt und der Bürgermeister zugestimmt
hatte. Ein Teil der CamperInnen verharrte und durfte ohne Zelte bleiben,
der Rest hielt bis zum nächsten Morgen eine Mahnwache auf dem
Marktplatz von Rheinsheim, nachts darauf auch auf dem in Philippsburg
ab. Der Kochgruppe Rampenplan wurden die Kochausrüstung beschlagnahmt
und strafrechtliche Konsequenzen angedroht. Zahlreiche friedliche
Blockaden vor den Toren des AKWs folgten, sowie Schienendemontagen,
Schichtwechselbehinderung und Spontandemonstrationen (gegen die kurzzeitige
Inhaftierung von einigen AktivistInnen). Die Polizei reagierte sehr
nervös.
Letztendlich kamen 600 AktivistInnen in die Region um Philippsburg,
obwohl sich schon am Montag herauskristallisiert hatte, dass Frankreich
den Atom-Müll nicht annimmt, solange Deutschland den bereits
wiederaufgearbeiteten nicht zurücknimmt. Die GegnerInnen blieben
dennoch vor Ort, da nach ihere Einschätzung und nach den Erfahrungen
des letzten Transports nach Ahaus, solche Probleme auch Täuschungsmanöver
sein könnten.
Weitere Transporttermine für Stade (HH): 13., 20. und 27.
November. Hier wie in Philipsburg und Biblis sind die Abklingbecken
und Bereitstellungslager voll. Ohne Transport müssten sie abgeschaltet
werden.
Pedersen
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