Wir sind Verbrecher in eurem Staat - und sind stolz auf unser
Verbrechen
Nach dieser Liedzeile, gesungen von antifaschistischen
Jugendlichen zur Melodie der bekannten «wilden Gesellen»,
betitelt die Autonome Jugendantifa AJA ihre Ausstellung zum Jugendwiderstand
im Dritten Reich.
Die inhaltliche Beschäftigung mit dem Thema brachte den Jugendlichen
von der AJA viel. «Ich wusste vorher noch gar nicht so viel
über das Thema, die entstandenen Diskussionen waren wichtig
für uns», so eine AJA- Aktivistin.
Die Inhalte, das sind die acht klar und übersichtlich gegliederten
Tafeln, die derzeit die Wände des Veranstaltungsraumes im Archiv
Metroproletan schmücken. In einem Einführungstext wird
auf das offiziell vermittelte Geschichtsbild hingewiesen, das besagt:
«Man konnte leider nichts machen». Doch die danach vorgestellten
Jugendgruppen, ihre mutigen und entschlossenen Aktionen, beweisen
deutlich das Gegenteil. Um so interessanter, über sie informiert
zu sein.
Die erste Welle der antifaschistischen Jugendbewegung, die etwa
Mitte bis Ende der dreißiger Jahre eingeordnet werden kann,
war, bis auf kommunistische und sozialistische Jugendverbände,
noch eher politisch unmotiviert. Kennzeichnend war ein «antiautoritäres»
Verhalten. Man ging etwa trotz Verbot weiterhin gemeinsam Wandern
und Zelten, was die nationalsozialistischen Machthaber außerhalb
ihrer Hitlerjugend unterbinden wollten.
«Von der deutschen Jugend hängt die
Zukunft ab»,
schrieben die Nazis in ihrem «Gesetz über die Hitlerjugend».
Dass von ihnen die Zukunft abhängt, dessen waren sich auch die
antifaschistischen Jugendgruppierungen, welche die AJA jeweils auf
einzelnen Plakaten vorstellt, bewusst. Am bekanntesten davon dürften
die Edelweißpiraten sein. Edelweißpiraten gab es in vielen
deutschen Städten: «Kleine Gruppen 15-18 Jähriger,
die vom HJ-Dienst nicht begeistert sind, treffen sich in der Stadt
oder im Keller eines zerstörten Hauses und beraten ihre Pläne.
Dann tauchen sie eines Abends maskiert und verkleidet bei HJ-Veranstaltungen
auf. Die Drähte der Lichtleitungen werden durchgeschnitten,
Stühle zerbrochen, und dann gibt es eine furchtbare Schlacht
im Dunkeln, bis der HJ-Leiter und seine Anhänger durchgedroschen
sind», schrieb damals die Londoner Exilzeitung Freie
Tribüne.
Doch es gab auch andere Gruppierungen wie die Bündische Jugend
oder die heute noch existente Naturfreundejugend. Letztere stammten
zumeist aus dem gehobenen Bürgertum und legten Wert auf ihre
weiten Hosen und langen Jacketts.
Die Ausstellung mit Bildern und Originaldokumenten ist montags
und donnerstags von 19-22 Uhr und Sonntags von 15-18 Uhr bis 26.11.
im Archiv Metroproletan in der Eberhardshofstraße 11 zu sehen.
Wer die AJA anderweitig unterstützen möchte, sollte
den Soli-Sampler «Widerstand ist wundaba» bestellen:
Er enthält Bands wie No Respect, Goldene Zitronen, Chumbawamba,
La Fraction, Aeronauten und viele andere und ist erhältlich
im Buchladen LIBRESSO in der Bauerngasse 14.
Claudia Schuller
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