Linke unter sich
Eine kommentierende Demonachbetrachtung
Was ist das Resultat, wenn innerhalb der «linksradikalen»
Szene im Jahr 2000 zu einer bundesweiten Demonstration mobilisiert
wird? Welche das (noch) interessiert, war am 14. Oktober in Leipzig
am richtigen Ort.
Das «Bündnis gegen Rechts» Leipzig und etliche
andere Gruppierungen hatten die «Szene» zur Demonstration
gegen «Sicherheitswahn und Überwachungsgesellschaft»
gerufen und ca. 3000 Menschen waren erschienen.
Eine relevante Thematik, ein guter Aufruf... und eine ziemlich
misslungene Veranstaltung.
Lag das an dem massiven Polizeiaufgebot? Wohl kaum! Das Verhalten
der Polizei ist eine Sache, die Reaktion der ModeratorInnen auf den
beiden Lautsprecherwagen eine andere.
Nur als peinlich kann es bezeichnet werden, wenn der Angriff der
«Ordnungshüter» auf die Spitze des Demonstrationszuges,
Rufe nach «Demokratie»(vom zweiten Lautsprecherwagen)
laut werden lässt. Die ModeratorInnen gerierten sich (und die
ganze Demo) als HüterInnen der «Meinungsfreiheit».
So weit schon schlimm genug und noch lange kein Ende. Während
der ersten Zwischenkundgebung vor dem Leipziger Hauptbahnhof wurde
der Redebeitrag einer «linken» palästinensischen
Vereinigung verlesen. Antiisraelische und antiimperialistische Sprüche
wie vor 25 Jahren. Protestrufe aus der Demo waren nur vereinzelt
zu hören. Direkt danach wurde immerhin (mensch wird bescheiden!)
vom Lauti aus verkündet, dass dieser Beitrag «so nicht
abgesprochen gewesen sei». Nun kann die uninformierte Demoteilnehmerin
nach Belieben spekulieren und interpretieren. Hilfreich hierbei sicherlich
die am ersten Lautsprecherwagen angebrachten Palästinafahnen.
So bleibt der Eindruck haften, dass die Diskussionen um Antisemitismus
und Antizionismus in der deutschen Linken an allzu vielen spurlos
vorübergegangen sind. Traurig, eigentlich.
s.n.
P.S. Und dies war erst der Anfang! In der nächsten GRZ gedenken
wir Euch mit einer ausführlichen Diskussion zum Thema Palästina-Solidarität/Antisemitismus
in der Linken zu beglücken.
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