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Die Universalsprache Esperanto - ein Interview
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Bewegung
Achtung, Kameramann!
Eine feministische Kritik an Sicherheitswahn und Überwachungsgesellschaft
Innerhalb der Frauenbewegung werden einzelne Aspekte des Sicherheitskonzeptes,
die angeblich zum Schutz der Frauen sind, durchaus kontrovers diskutiert.
Das Leipziger Frauenkoordinierungstreffen stellt sich klar der Tendenz
entgegen, Frauen als Vorwand für verstärkte Überwachung
zu benutzen:
Private und staatliche repressive Sicherheitspolitik benötigt
für ihre Akzeptanz Begründungen, die in der Gesellschaft
präsent sein müssen. Gibt die Kriminalitätsstatistik
keine Argumente her, werden Frauen zur Rechtfertigung herangezogen.
Eine Bedrohung wird konstruiert, Angsträume werden erzeugt.
Frauen wird immer vermittelt, es gäbe sichere und gefährliche
Orte. In einer patriarchalen, bürgerlichen Gesellschaft sind
die vermeintlich sicheren natürlich im Privaten, wogegen das
Gefährliche in der Öffentlichkeit lauert. Soll also ein
öffentlicher Raum überwacht werden, wird ein Angstraum
konstruiert z.B. müssen Handtaschen von Omas herhalten oder
eine Gefährdung von Frauen durch Vergewaltigung wird suggeriert.
Dies führt dazu, dass Frauen als potentielle Opfer z.B. einer
Vergewaltigung lediglich zum Objekt staatlicher Strafverfolgung degradiert
werden. Ein Schutz der betroffenen Frauen erfolgt dadurch nicht.
Gleichzeitig werden diese Bedrohungsszenarien genutzt, um die Konstruktion
bestimmter Tätergruppen -DrogenkonsumentInnen , MigrantInnen
etc.- zu untermauern.
So ist immer auch der unbekannte Fremde angeblich besonders bedrohlich
- bis hin zur rassistischen Behauptung, dass vor allem durch ausländische
bzw. schwarze Männer sexualisierte Übergriffe drohen würden.
Dass die Realität eine andere ist, wird dabei ignoriert, da
die Warnung vor dem "gefährlichen Fremden" Frauen im Haus hält
bzw. an einen vermeintlichen Beschützer bindet und damit systemstabilisierend
wirkt. In der Regel sind die Täter Freunde, Ehemänner oder
Verwandte, die den angeblichen Schutz der Privatheit für ihre
Übergriffe nutzen. Eine gesellschaftliche Warnung vor Freundschaften
mit Männern oder gar der Ehe werden wir allerdings nicht hören.
Der voyeuristische Blick
Zudem wird durch Überwachung sexistische Anmache oder sexualisierte
Belästigung nicht verhindert und soll auch gar nicht verhindert
werden.
Videoüberwachung reduziert keineswegs die Belästigungen,
sondern stellt eine Ergänzung der ständigen Beobachtung
durch Männer hinter den Kameras dar. Auch dienen die Kameras
als Instrument sexueller Übergriffe. Erwiesen ist, dass jede
zehnte Frau lediglich zu voyeuristischen Zwecken beobachtet wird.
Frauen zu stärken kann gar nicht staatliches Interesse innerhalb
eines patriarchalen Systems sein. So werden emanzipative Ideen zwar
gelegentlich aufgegriffen, aber ins herrschende Konzept eingepasst
oder als symbolischer Hundeknochen angeboten.
Eine derartige Symptombekämpfung stellen Intentionen feministischer
Stadtplanung dar, die zu gut ausgeleuchteten Frauenparkplätzen,
Straßen und Winkeln führen. Das dadurch zunächst vermittelte
größere Sicherheitsgefühl trügt und führt
vielmehr zu einer total überwachten Stadt, in der individuelles
Handeln reguliert und normiert wird.
«Big Brother»
Das Verhalten von Frauen wird in allen Lebensbereichen stark normiert
und im Sinne der patriarchalen Verhältnisse und Rollenzuschreibungen
eingegrenzt. Kinder werden geschlechtsspezifisch erzogen. Wobei Mädchen
früh lernen sollen, sich zu begrenzen und angepasst zu verhalten.
Ihr Aktionsradius wird eingeengt, nicht nur durch den Zwang, sich
wie eine wohlerzogene junge Dame zu benehmen, sondern auch mit dem
Spruch, der ein Leben lang begleitet: Was sollen denn die anderen
denken? So wachsen Frauen mit dem ständigen Wissen der Beobachtung
und Bewertung auf. Das führt schnell zu Selbstkontrolle, um
den gesellschaftlichen Erwartungen gerecht zu werden. Der männliche
Blick, der das Objekt abschätzt, wird Frauen in der Sozialisation
so sehr eingeimpft, dass er beinahe als etwas Natürliches empfunden
wird. Es ist sicherlich kein Zufall, dass immer wieder von einem
"Big Brother" die Rede ist. In einer bürgerlich- patriarchalen
Gesellschaft kann der Blick, der beobachtet und bewertet, nur männlich
konnotiert sein.
In der heutigen Gesellschaft ist männliche Dominanz auf allen
Ebenen verankert. Zusätzlich zur Entscheidungsebene sind Männer
auf der ausführenden Ebene sowohl abstrakt als auch konkret
präsent. Security, Wachschutz, Polizei, Staatsanwälte,
Richter, Kameramänner: Der Überwachungsapparat ist fest
in Männerhand.
Überwachung unterstützt so die Reproduktion patriarchaler
Verhältnisse und trägt patriarchale Werte der bürgerlichen
Gesellschaft in einem Maß in die Öffentlichkeit zurück,
wie dies seit einiger Zeit nur noch unter den Kontrollbedingungen
der Familie möglich schien.
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