Leitkultur mit Leberkäs
Warum hat nur die CDU die Forderung nach einer deutschen Leitkultur
aus ihrem Papier zur Einwanderung erst einmal verschämt verschwinden
lassen, und wenig später wurde der Begriff dort doch wieder
verwendet?
Hing das vielleicht mit den zeitgleichen Kokainfunden auf Abgeordnetentoiletten
zusammen? War am Ende der Abgeordnete und CDU-Fraktionsvorsitzende
Merz
kurzzeitig verdächtig, während der Plenarpausen öfter
mal
zwischenzutanken? Sniff! Stand die CDU-Fraktion unter Schock und
spielte
mit dem Gedanken, lieber doch auf eine Leitkultur aus dem islamischen
Kulturkreis
zurückzugreifen, in der sogar Alkohol in der Öffentlichkeit
verpönt
ist? Und überhaupt, wer hat eigentlich das Koks auf den Klodeckeln
verteilt? Wirklich die Putzfrau? Oder doch eher Daum, der die ganze
Nation
- repräsentiert durch ihre Abgeordneten - zur Mittäterin
machen
möchte? War es der subversive, kommunistische Untergrund? Die
RAF?
Greenpeace? Islamische Fundamentalisten? Der Bund Deutscher Steuerzahler?
Mir selbst fehlt es ja an den journalistischen Erfahrungen
und Recherchemöglichkeiten.
Ich habe aber Ulrich Meyer von Sat1 in einem längeren Schreiben
über
meine Vermutungen und Extrapolationen informiert - soll er die Sache
weiter
in die Hand nehmen.
Persönlich - vielleicht ging es anderen ja auch so - wurde
mir
schon etwas schwummerig, als dieser Satz von der Leitkultur ins Gespräch
gebracht wurde. Bis dahin war es mir - da bin ich ehrlich - gar nicht
bewusst
gewesen, dass ich Angehöriger einer solchen Leitkultur bin,
und von
daher eine gewisse Verantwortung auf meinen Schultern lastet. So
fiel mir
gleich siedendheiß ein, dass ich erst kürzlich in Pantoffeln
und mit herunterhängenden Hosenträgern und dem Feinripp-Unterhemd
vor meiner Garage gekehrt hatte. In dieser Zeit waren mindestens
drei Ausländer
vorbeigelaufen und hatten mich beobachtet. Was sollen die denken?
In welcher
Weise mag mein Verhalten ihren Integrationsprozess beeinflusst haben?
Solche
Fragen muss man sich da schon stellen!
Eine Redakteurin der Raumzeit machte übrigens in meinem
Auftrag
ein repräsentative Umfrage unter 17 Nürnberger PassantInnen.
Was herauskam war niederschmetternd: 41% der Befragten gaben zu,
ihr Lieblingsessen
sei Spaghetti oder Pizza. Erst als die Befragung vor einen Leberkässtand
verlegt wurde, besserten sich zwar die Ergebnisse etwas zugunsten
der deutschen
Leitkultur, doch der Schaden, den verantwortungslose Essgewohnheiten
bereits
anrichteten, wurde sogleich offenbar: Eine Türkin oder Araberin,
offensichtlich
integrationswillig, da blondiert, zählte sich, selbst in unmittelbarer
Nähe des duftenden Leberkäs', stolz zur PizzafresserInnenfraktion.
«Ich bevorzuge die leichte mediterrane Kost», verklausulierte
sie ihre gastronomischen Verirrungen. Ja schlägt das nicht dem
Fass
den Boden aus? Quo vadis Integration? Andererseits, müssen wir
uns
wundern? Wie sollen wir frisch eingewanderte KurdInnen oder IranerInnen
zu Schäufele mit Kloß überreden, wenn die Leitkulturangehörigen
selbst ihre eigenen Traditionen mit Füßen treten?
Das fragt sich
Michael Liebler
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