zeitung für den grossraum nürnberg - fürth - erlangen
 
Nr. 2             16.10.00
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Die Universalsprache Esperanto - ein Interview mit Hedwig Regnart-Laufer

Gute Skins, schlechte Skins?

Ein Skin und eine Gegnerin  des Glatzentums in der Diskussion

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«Wer behält das Land?»

Interview mit einem israelischen linken zur aktuellen situation im Nahen Osten


Riots in Belgrad
Kommentar zu den Wahlen in Jugoslawien


Widerstand in ItalienTeil II
Gegen Faschismus und deutsche Besatzung - die ital. Partisanen, eine vielschichtige Bewegung


Prag war großartig, alles andere ist Quark
IWF-Gipfel - wie es wirklich war

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Sparrunde abgewehrt, Kürzungen in Vorbereitung!

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Erlangen gibt viel Geld aus für Becksteins Wettbewerb "Saubere Stadt"


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Zum 5. Mal in Nürnberg: Die Linke Literaturmesse glänzt mit Veranstaltungen

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Rechte Tendenzen in der Dark-Wave Szene


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Wookie ist 2Step Protagonist der ersten Stunde - und kann gut leben mit den Ungereimtheiten seiner Szene


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Nachlese: Ein Antifa-konzert


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Was man wissen muss um Alice Schwarzer vergessen zu können.

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Eine Demokritische Nachbetrachtung 


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Die Welt des MP3's
Buch: Janko Röttgers  erklärt die Welt der
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Unser Glossenschreiber entdeckt seine Verantwortung für AusländerInnenintegration
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International
Der Widerstand in Italien 1943 - 45
 

Eine Serie vom Verein zur Förderung alternativer Medien E rlangen

Teil 2       

Gegen Faschismus und deutsche Besatzung

            Nach der Befreiung auf dem Rathausplatz in Reggio Emilia

Die italienische Resistenza: eine vielschichtige Widerstandsbewegung


Fernando Cavazzini, Deckname ``Toni'', erzählt von den letzten Tagen des 2. Weltkriegs: ``In den Tagen des 1000-fachen Rückzugs haben wir die deutschen Ausschilderungen verdreht. Mehrere deutsche Einheiten landeten so in Gegenden, in denen unsere Sabotagegruppe `Demonio' bereits alle Brück en und Straßen gesprengt hatte. Etliche deutsche Soldaten gerieten in Gefan genschaft oder wurden von alliierten Tieffliegern getötet.''

Zwanzig Monate vorher, ab dem 8. September 1943, marschierten die deutschen Truppen in Italien ein. Es gelang der Wehrmacht innerhalb von zwei Tagen den ehemaligen Verbündeten zu besetzen. Aus strategischen Überlegu ngen heraus errichteten die Deutschen keine Militärregierung, sondern liessen Mussolini eine faschistische ``Marionettenregierung'' bilden.

Der 8. September gilt aber auch symbolisch als der Tag, an dem Menschen ``in die Berge gingen'', um Widerstand zu leisten. Es entstand, anfänglich punktuell und unkoordiniert, die ``Resistenza'', die Widerstandsbewegung der italienischen PartisanInnen - der Partigiani.

Die Motivation, in die Berge zu gehen, war höchst unterschiedlich. ``Es brauchte nicht viel, um aus unserem Dorf einen antifaschistischen Kno tenpunkt zu machen'', erzählt Donato Pini aus einer 100-Seelen-Gemeinde im Apennin. ``Es gab Leute aus unseren Familien, die in den 20er Jahren nach Frankreich emigrieren mussten und antifaschistische Persönlichkeiten wie den Arzt oder Lehrer.'' ``Aber auch die große Not, die schwierige Situation des Kri eges hat viele überzeugt, gegen die Faschisten und die Deutschen zu kämpfen,'' wirft Vittorio Cavalli ein. Im Piemont, im Nord-Westen Italiens, bildet en aus Frankreich geflohene demobilisierte Soldaten Partisanen-Einheiten. Junge Männer, die ihren Einberufungsbefehl für das faschistische Heer erhielten, wählten lieber das ``alternative Kreiswehrersatzamt'' (Toni) in den Be rgen.

Im Laufe des Herbstes '43 organisierten die antifaschistischen und oppositionellen Gruppierungen verschiedene PartisanInnen-Einheiten. Die ``Briga te Garibaldini'' standen den Kommunisten, ``Giustizia e Libertà'' den Sozia ldemokraten nahe. ``Terza Giulia'' war eine katholische Formation. Zusätzlich gab es die unabhängigen ``autonomen'' Einheiten.

In Verbindung mit den Arbeitskämpfen in den großen Industriestädten entwickelte sich die ``Resistenza'' zu einer vielschichtigen Widerstandsbewegung. PartisanInnen aus den Bergen blockierten z.B. bei den grossen Streiks in Turin im Frühjahr 1944 die Einfallstraßen.

Die Koordinierung der Resistenza mit ihren unterschiedlichen politischen Ausrichtungen und Aspekten - nationaler Befreiungskampf, Bürgerkrieg und Klassenkampf - oblag dem CLN, dem bereits am 9. September gegründeten Komitee zur nationalen Befreiung. 

Über die genaue Größe der Resistenza ist wenig bekannt. Noch im Nachkriegsitalien versuchten die italienischen Faschisten, den Widerstand als Bandenkrieg abzuwerten. Italienische Historiker gehen von etwa 150.00 0 bewaffneten Partigiani aus und verweisen darauf, dass man in einem Bürgerkrieg für einen Menschen ``in den Bergen'' etwa 14 Zivilisten zur Verpflegung und weiteren Unterstützung rechnen muss.

Die 30 Partisanen der Gruppe von Donato Pini überfielen regelmäßig die Carabinieri-Station im Tal, um sich selber zu bewaffnen, ``aber auch um es den Carabineri schwerer zu machen, Familien, deren Söhne in die Berge gegangen waren, zu terrorisieren''. Die Aktionen der PartisanInnen reichten von kleineren Einzelaktionen bis zu großen mit den Alliierten koordinierten Angriffen.

Ab dem Frühsommer 1944 gelingt es den PartisanInnen zeitweise, ganze Gebiete zu befreien: ``Wir haben es geschafft, im Apennin eine 7 Gemeinden umfassende Partisanenrepublik, im Juni `44 auszurufen - die Republik von Montefiorino. Nach 20 Jahren konnte dort wieder ein Bürgermeister und ein Gemei nderat gewählt werden. Wir hatten gute Verbindungen zu den Alliierten und w urden täglich von ihnen versorgt. Wir haben dann sogar angefangen, eine kleine Landebahn zu bauen'', berichtet Toni.

Die Landebahn und die permanenten Sabotageaktionen der PartisanInn en auf die Bundesstraße waren es, die ``das Fass zum Überlaufen bracht en'', sagt Toni. Nach 6 Wochen begannen die Deutschen eine große Säube rungsaktion gegen die PartisanInnenrepublik von Montefiorino, die daraufhin zusammenbrach und erst im Winter 1944 reorganisiert werden konnte.

Italienische SS-Verbände unter deutschem Kommando, aber auch deutsche SS und Wehrmacht, wurden zur Bekämpfung der ``Banditen'' herangezo gen. Die italienischen SS-Verbände wurden ab Oktober 1943 aufgestellt. Sie setzten sich größtenteils aus Freiwilligen und so genannten Freiwillig en zusammen; letztere waren Arbeitsemigranten, die in den 30ern Jahren von Deuts chland heiß umworben wurden und seit Ausbruch des Krieges oftmals in Arbeit slagern interniert waren.

Die Schlagkraft der Resistenza wurde nicht nur von ihrer oft unzur eichenden Ausrüstung eingeschränkt, sondern auch durch das Vorgehen de r Deutschen, die von Anfang an die Bevölkerung als Geisel benutzten. Es gal t die Regel: Für einen erschossenen Deutschen zehn Italiener. Es gab die An ordnung, bei vermehrter Aktivität der PartisanInnen in einer Gegend mä nnliche Bewohner festzunehmen und im Falle von Angriffen oder Aktionen zu erschi eßen.

Bei Beschuss von Truppen aus einem Dorf heraus wurde dieses nieder gebrannt. Eines der unfreiwillig bekanntesten Dörfer ist in diesem Zusammen hang Marzabotto in der Nähe von Bologna. Hier wurden im Laufe der Kampfhand lungen gegen eine garibaldinische PartisanInneneinheit während sechs Tagen 770 DorfbewohnerInnen erschossen.

Rückblickend ist die Einschätzung der militärischen Bedeutung der Resistenza unterschiedlich: Giu- glio Nicoletta, Kommandeur einer autonomen Einheit im Piemont, meint, sie hätten nie die Illusion gehabt, m ilitärisch gegen die Deutschen etwas ausrichten zu können. ``Es war ni cht ein Krieg der Zerstörung des Feindes, sondern der Einschüchterung. '' Leonardo ``Nardo'' Tarantini, Kommandeur garibaldinischer Partisanen, hingege n wehrt sich gegen die Behauptung, die PartisaInnen hätten militärisch keine Rolle gespielt. Schließlich hätten sie zeitweise bis zu 20.000 deutsche Soldaten gebunden und dadurch von der Front ferngehalten - zur Entlastung der Alliierten. Die großen Städte Norditaliens (Mailand, Turin, Par ma) wurden im April 1944 auch nicht von den Alliierten befreit, sondern von den PartisanInnen und dem CLN.

Verein zur Förderung alternativer Medien Erlangen

Leonardo "Nardi" Tarantini (links) wehrt sich gegen die Behauptung die Resistencia sei militärisch bedeutungslos gewesen
 

(Nächste Ausgabe: Frauen der Resistenza und Interview mit `Toni')


Zeittafel:

10.6.40 Italien erklärt Frankreich und Großbr itannien den Krieg
11.12.41 Deutschland und Italien erklären den USA den Krieg
Jan. 43 Vernichtung der italienischen Armee in Russland
März 43 ArbeiterInnenstreiks in Norditalien
13.5.43 Kapitulation der deutsch-italienischen Truppen in A frika
9.7.43 Die Alliierten landen in Sizilien
25.7.43 Entmachtung Mussolinis durch den faschistischen Gro ßrat, die Fortsetzung des Krieges wird durch den neuen faschistischen Minis terpräsidenten Badoglio bekräftigt
3.9.43 Die Alliierten setzen von Sizilien auf das italienis che Festland über
3.9.43 Geheimer Waffenstillstand zwischen Italien und den A lliierten
8.9.43 Die Regierung flieht, da der Waffenstillstand bekann t wird, bevor die Alliierten Rom erreichen konnten
8.9.43 Deutsche Truppen besetzen daraufhin Nord- und Mittelitalien
9.9.43 Der Comitato di Libe- ra- zi- one Nazionale (CLN) wi rd von einem breiten Bündnis gegründet
12.9.43 Mussolini wird aus seinem Grand-Hotel-Gefängni s in den Abruzzen befreit
23.9.43 Mussolini ruft am Garda- see die Repubblica Sociale Ita- liana, die Republik von Salò, aus
4.6.44 Die Alliierten stoßen nach Rom vor
11.8.44 Aufstand in Florenz, der CLN übernimmt die Mac ht
27.4.45 PartisanInnen befreien Mailand
28.4.45 Mussolini wird von PartisanInnen in Mailand hingeri chtet
28.4.45 Befreiung Turins
29.4.45 Die Deutschen kapitulieren in Italien

Partigiani 
Gegen Faschismus und deutsche Besatzung.
Der Widerstand in Italien.

Fotoausstellung der Institute für Widerstand und Zeitg eschichte Modena/Parma/Reggio Emilia

Stadtbücherei Erlangen

26.01. bis 25.02.2001

Veranstaltungen zur Ausstellung:

(alle in der Stadtbücherei, 20 Uhr)

26.01.: Eröffnungsveranstaltung mit Dr. Pisi vom Insti tut ISTORECO in Parma und als Zeugzeugin Laura "Mirka" Ex-Partisanin und Vorsitz ende der ANPI in Parma

In der Woche v. 29.1.-4.2.: Veranstaltung mit Marco Comello, Histo riker aus Cumiana, zum Massaker von Cumiana (siehe letzte Ausgabe)

6.2.: Frauen im Widerstand - mit Liana Novelli Glaab, Histo rikerin und Romanistin aus Frankfurt

13.2. od. 15.2.: Kriegsverbrechen der Wehrmacht in Italien - mit Gerhard Schreiber, Historiker und Autor aus Gundelfingen

22.2.: Bedeutung der Resistenza für die italienische Nachk riegsgesellschaft - mit Dario Azzelini, Journalist aus Berlin

Termin steht noch nicht fest:

Resistenza im Spiegel der Literatur - mit Prof. Titus Heyde nreich (Institut für Romanistik der Uni)

Außerdem:

Themenbezogene Soundcolage von Stefan Poetzsch, Auss tellungsführungen

Buchausstellung zur Resistenza und eine vierwöchige Filmreihe in folgenden Kinos: E-Werkkino (Erlangen), Uferpalast (Fürth ) und vieleicht Filmhauskino Nürnberg).

Weitere Informationen unter:

http://www.partigiani.de