Widerpost:
Ein Leser schrieb uns:
Prag war großartig, alles andere ist Quark
Im Artikel «Das war der Gipfel» und im Kommentar zu Prag
(letzte Ausgabe) sind mir ein paar Sachen aufgestoßen.
Seit langer, langer Zeit hat endlich ein breiter, internationaler und
vor allem militanter Widerstand Erfolg gezeigt. Unsere Forderung, den Widerstand
gegen den weltweiten Kapitalismus zu internationalisieren, hat erstmals
konkrete und auch noch militante Formen angenommen. GenossInnen aus ganz
Europa und erfreulicherweise auch viele aus den ehemaligen realsozialistischen
Staaten, waren massenhaft nach Prag gekommen. Jede Gruppe brachte jeweils
ihre Form des Widerstandes in den gemeinsamen Kampf ein. Diesen mitzuerleben
war einfach großartig. Dass auch die TeilnehmerInnen der IWF- und
Weltbanktagung dies live und teilweise am eigenen Körper miterleben
durften, hat sicherlich zum vorzeitigen Abbruch der Tagung geführt.
Zu behaupten, dass Leute gegen das Konzept verstoßen hätten,
weil: « Leute nur noch Steine und Mollies werfend durch die Innenstadt»
zogen, ist ziemlicher Blödsinn. Natürlich gehören entglaste
Mc Donalds und Banken am Wenzelsplatz mit zum Widerstand gegen den IWF
und Weltbank, da diese Institutionen als Teil des Systems gesehen und bekämpft
werden müssen. Weltweit wurde sehr genau beobachtet, ob es uns gelingt,
diesem Treffen entschiedenen Widerstand entgegen zu bringen. Die Reaktionen
waren dann auch durchwegs positiv. In hunderten von E-Mails haben Menschen
weltweit ihrer Freude Ausdruck verliehen, dass es uns gelungen ist, handlungsfähig,
militant und erfolgreich vorzugehen. Sind wir denn durch unsere eigene
Erfolglosigkeit schon so frustriert und deprimiert, dass wir uns nicht
wenigsten mal ab und zu - ganz selten- einfach freuen können? Hier
könnten wir unter anderem etwas von unseren nicht deutschen GenossInnen
lernen (UUPSS sorry das war ja jetzt alles sehr identitäts-politisch
und konstruiert aber ich arbeite daran.)
Klar darf bei aller Freude und Euphorie nicht vergessen werden, was
danach mit den verhafteten GenossInnen passiert ist. (Dank an Radio Z für
die ausführliche und informative Berichterstattung.) Aber auch hier
war der Einsatz für die Verhafteten international, u.a. in London,
Berlin, Bremen und vielen italienischen Städten wurde aktive Solidarität
mit den Verhafteten gezeigt, die auch noch Erfolg hatte. Einem Verhafteten
sagte ein B**** bei seiner Entlassung: »Ihr habt einfach zu viele
Freunde, deshalb müssen wir euch jetzt rauslassen.»
PS. Klar ist es richtig, auch über Fehler zu diskutieren, das aber
an anderer Stelle
Das mit dem Freuen und Feiern wird in Nürnbergs Szene auch ganz,
ganz langsam besser.
Ach, und ein Nachdenken für Nürnberg lohnt sich auch noch,
da die hauptsächliche und weltweite Mobilisierung über das Internet
stattgefunden hat.
Euer Festausschuss
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