zeitung für den grossraum nürnberg - fürth - erlangen
 
Nr. 2             16.10.00
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Die Universalsprache Esperanto - ein Interview mit Hedwig Regnart-Laufer

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Ein Skin und eine Gegnerin  des Glatzentums in der Diskussion

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Kommentar zu den Wahlen in Jugoslawien


Widerstand in ItalienTeil II
Gegen Faschismus und deutsche Besatzung - die ital. Partisanen, eine vielschichtige Bewegung


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Sparrunde abgewehrt, Kürzungen in Vorbereitung!

Kündigungsgrund: Solidarisch und international
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Erlangen gibt viel Geld aus für Becksteins Wettbewerb "Saubere Stadt"


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Zum 5. Mal in Nürnberg: Die Linke Literaturmesse glänzt mit Veranstaltungen

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Buch: "Who the fuck is Alice"
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Linke unter sich
Eine Demokritische Nachbetrachtung 


Achtung, Kameramann!
Eine feministische Kritik an Sicherheitswahn und Überwachungsgesellschaft

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Preis für Verstöße gegen die Privatsphäre und den Datenschutz verliehen


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Buch: Janko Röttgers  erklärt die Welt der
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Unser Glossenschreiber entdeckt seine Verantwortung für AusländerInnenintegration
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Kündigungsgrund: Solidarisch und international

Am 16.10. erhielt Josef Lutz, Physiker und Betriebsrat bei der Nürnberger Firma Semicron, seine außerordentliche Kündigung: Lutz habe eine Solidaritätsadresse mit den von Entlassung bedrohten Kollegen der Firma Adtranz in der Südstadt und einen Protestbrief gegen die Bombardierung Jugoslawiens durch die Nato ins Internet gestellt. Dies schade den Geschäftsinteressen der Firma Semicron.

Für Josef Lutz sind diese Anschuldigungen schlichtweg falsch. Die Veröffentlichung der Dokumente habe nicht er, sondern die Organisation Solidarität International (SI) veranlasst, auf deren Homepage sie schließlich auch zu finden seien.

Hintergrund scheint ein Konflikt zwischen der Geschäftsleitung und dem links ausgerichteten Betriebsrat und Vertrauenskörpermitglied Lutz zu sein, der schon seit Jahren schwelt. Seine Chefs nämlich verdächtigen ihn der Mitgliedschaft in der MLPD und bei SI.

Massive Bespitzelungsversuche

«Grundsätzlich kein Problem» sei «die politische Einstellung eines Mitarbeiters» bestätigte zwar der Betriebsratsvorsitzende Ernst Kuttruf auf Nachfrage der RAUMZEIT. Aber beschäftigen tut man sich bei Semikron mit dem Problem, das keines ist, trotzdem. Auszüge aus dem Verfassungsschutzbericht tauchen plötzlich am Schwarzen Brett auf. Überschrift: «Semicron gegen Extremismus». Massive Bespitzelungsversuche durch die Betriebsleitung habe es gegeben, pikanterweise auch noch mit tatkräftiger Unterstützung der zuständigen IG Metall-Funktionäre, sagten uns MitarbeiterInnen. Der zweite IG Metall-Bevollmächtigte Wechsler soll auf einer Sitzung des Vertrauenskörpers alle Anwesenden ausführlich über ihre Meinung zum Thema «Linksradikalismus» befragt haben.Wer denn die fraglichen Gruppierungen (SI und MLPD) kenne, wollte er wissen. Zuvor hatte sich die VK-Leitung bereits mit Lutz solidarisiert. Die Kündigung aufgrund politischer Betätigung war entschlossen zurückgewiesen worden. Doch Wechsler, der behauptete, eine Kündigung sei gar nicht geplant, diktierte nun förmlich einen Distanzierungsbeschluss. Diese Spaltungspolitik wirkte, der Vertrauenskörper ließ sich ins Bockshorn jagen und unterzeichnete. Immerhin hatte ja der Betriebsrat die Kündigung zunächst abgelehnt, man wog sich in Sicherheit. Am nächsten Tag jedoch flatterte Josef Lutz ein Schreiben ins Haus: Semicron kündigt den Gang vor das Arbeitsgericht an. Auch von seiner Gewerkschaft gab es Post. Die IG Metall will den aktiven, kämpferischen Betriebsrat wegen «gewerkschaftsfeindlichem Verhalten» ausschließen. Auf Nachfrage im DGB-Haus zitierte ein Metaller aus einem uralten Unvereinbarkeitsbeschluss mit der MLPD. Auch am Kornmarkt hält man also die Mitgliedschaft von Lutz in der kleinen Partei für eine ausgemachte Sache. Sind linke Positionen, die unter anderem auch die Gewerkschaftsfürsten kritisieren, per se verdächtig?

Sprachrohr Gewerkschaft?

Als Beweis für die subversiven Kontakte des Physikers soll ein Foto herhalten, das ihn gemeinsam mit Leuten von Solidarität International bei einer Spendensammlung für die Erdbebenopfer in der Türkei Ende 99 zeigt. So viel Internationalismus mag einem global agierenden Konzern freilich zu weit gehen. Ob die Spekulationen über das Parteibuch des engagierten Betriebsrates allerdings der einzige Grund für die Entlassung sind, daran bestehen erhebliche Zweifel. Aufgefallen ist Lutz im Betrieb in jüngster Zeit nämlich vor allem durch sein solidarisches Verhalten und seine klare Position in der Auseinandersetzung um ein neues Schichtmodell. Darüber nämlich soll die Samstags- und Sonntagsarbeit eingeführt werden, und das gefällt vielen bei SEMICRON nicht. Nun wurde ein Solidaritätskreis für ihn gegründet, der plant, die Verhandlung am 15.11. vor dem Arbeitsgericht zu beobachten und eine Kundgebung in der Sigmundstraße durchzuführen. Ein breites Spektrum unter dem Motto: «Wer einen von uns angreift, greift uns alle an». «Für mich ist Josef ein echter Gewerkschaftler und zeigt, wie Gewerkschaften sein sollten: «Kämpferisch und auf ArbeiterInnenseite», sagt einer, der selbst Betriebsrat ist. Einem anderen ist die Meinungsfreiheit und die Möglichkeit, das Internet für eigene Zwecke zu nutzen, wichtig. Doch in einem sind sich die UnterstützerInnen einig: «Die Gewerkschaften wegen solcher Fälle zu verlassen, ist der falsche Weg. Vielmehr gilt es sie zu stärken und zu dem zu machen, was sie sein sollten - und das ist kaum das Sprachrohr der Konzernherren!»

Claudia Schuller