Erlangen: Anzeichen von Rauschmittelkonsum
Sauber!
Erlangen gibt viel Geld aus für einen Händedruck des
bayerischen Innenministers. Für Becksteins Wettbewerb "Saubere
Stadt" (siehe vorletzte Ausgabe) reichte die Stadt nun ihre Beiträge
ein und hat bereits Vorarbeit geleistet. Fachfirmen für Graffitibeseitigung
wurden getestet und mit großem Kostenaufwand Graffiti in Unterführungen
und an Schulen entfernt. "Reinigung allein genügt nicht", empfiehlt
die Verwaltung, man müsse die Flächen für Sprayer
unattraktiv gestalten, zumal bereits wieder neue Graffiti auf den
gereinigten Wänden aufgetaucht sind. Am besten man sperrt das
Werkzeug weg: So wurde die Verkaufsstelle für Spraydosen im
E-Werk geschlossen. Baumärkte wurden von der Stadt mit der Bitte
angeschrieben, Spraydosen möglichst diebstahlsicher zu platzieren.
Prävention - Ahndung: zukünftig soll in jedem Fall
Anzeige erstattet werden, um das "Unrechtsbewusstsein" zu wecken
- bei Jugendlichen und Eltern. "Viele Jugendliche stritten bisher
die Tat ab und wurden vom Elternhaus darin bestärkt", klagt
das Rechtsamt und bietet pädagogische Hilfestellung an: den
Jugendlichen werde geholfen, indem durch den Strafantrag Grenzen
aufgezeigt werden und die Eltern würden aufmerksamer, dass ihre
Lieben nicht noch weiter abrutschen. "Nicht selten findet die Polizei
in diesen Gruppen Anzeichen für Rauschmittelkonsum".
Rauschgift - das könnte auch der Grund für die von
der Polizei beklagte Respektlosigkeit der Sprayerszene sein: "Während
früher ein gewisser Ehrenkodex galt, z.B. Sandstein zu meiden,"
so die Polizeiinspektion Erlangen-Stadt, "ist heute nichts mehr tabu."
Während bei Graffiti auf gekachelten Flächen nicht
einmal Strafantrag gestellt werden kann, da es aufgrund der jetzigen
Rechtslage keine Sachbeschädigung darstellt, hört bei Sandstein
der Spaß endgültig auf. Ein besonderer Brennpunkt des Antigraffitiprojektes
ist deshalb die historische Stadtmauer. Nach dem Wissenstand der
Stadtverwaltung ist die Beseitigung der dortigen Parolen, z.B. von
"Nie wieder Faschismus", besonders diffizil. Um hier die richtige
Methode zu finden, wurde das Fachwissen der "Interdisziplinären
Bausteinforschung der Universität Erlangen-Nürnberg, Prof.
Koch" in Anspruch genommen. Die Beratungen dauern noch an.
Sicher ...
stehen nun NachtschwärmerInnen, die noch vor einiger Zeit
am Wochenende in aller Frühe beim Bahnhofskiosk auftauchten
und ihr "Zechgelage" im Bahnhof fortsetzten, vor verschlossener Tür.
Der Kiosk öffnet nun erst um 8 Uhr und schließt um 21 Uhr.
Jungendliche, die ihr Leergut zurückbringen, werden mit einen
Sandwich belohnt. Dieses "konstruktive Verhalten" des Kioskbetreibers
sei besonders hervorzuheben als positiver Ansatz für mehr Sicherheit
am Bahnhof, betonen die SicherheitsstrategInnen der Bahn und des
Rathauses.
Erweitert wurden die Dienstzeiten der Bahnschutzgesellschaft
der Deutschen Bahn AG. Die dunkelblau uniformierten MitarbeiterInnen
patrouillieren nun von Montag bis Donnerstag zwischen 19 bis 21 Uhr
und sonst zwischen 18 bis 22 am Bahnhofsgelände und sollen in
geschulter Weise den PassantInnen ein Gefühl von Sicherheit
vermitteln.
Rundum sicher ...
können sich nun die 63% aller Erlanger Haushalte fühlen,
die dieses Jahr bei einer Befragung "Ordnung und Sicherheit" als
"sehr wichtig" einstuften. Die Stadt knüpfte Kontakt zur Universität
und das Institut für Psychologie war bereit, eine Diplomarbeit
zu diesem Thema zu vergeben. Die Diplomantin wird zunächst dem
Amt für Statistik bei der Ausarbeitung der Fragen für die
nächste Sicherheitsbefragung beistehen. Zwischen Ostern und
Pfingsten 2001 sollen 2000 ErlangerInnen repräsentativ zu ihrem
Sicherheitsgefühl befragt werden.
Inzwischen hat sich auch eine "Sicherheitsrunde Erlangen" etabliert.
VertreterInnen der Polizei und aus verschiedenen Ämtern der
Verwaltung sehen es als zentrale Aufgabe dieses "Fachgremiums", die
Ergebnisse der oben erwähnten Sicherheitsbefragung zu analysieren.
Danach sollen entsprechende Maßnahmen entwickelt und umgesetzt
werden.
Außerdem will die "Sicherheitsrunde" künftig bei allen
städtischen Entscheidungen "sicherheitsrelevanter Art" mitreden,
"damit Sicherheitsaspekten eine größere Bedeutung beigemessen
wird". Z. B. bei der Beleuchtung von Tiefgarage, Einbruchsicherheit
und der Flächengestaltung hinsichtlich Graffiti.
(wm)
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