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Alte Koffer mit neuem Gesicht
Die Kofferfabrik, wie wir sie kennen und lieben. Zu beiden
Seiten begrüßen im Eingangsportal Künstlerateliers
die Gäste. Metall- und HolzverarbeiterInnen haben sich in
diesem Teil des alten Fabrik-Geländes angesiedelt. Auf dem
Weg über den Hof passiert man das leerstehende ehemalige
TKKG-Theater, einst vom Team Döring/Nondorf bespielt. Heute
ist sogar das Dach undicht, eventuell soll der Schuppen als Lager
genutzt werden. Dafür aber ist ja ein neues Theater in der
Kofferfabrik entstanden: Die Fürther Bagaasch,
die am 28.9. mit einer großen Party eröffnete.
Der ehemalige Aikido-Raum im oberen Stockwerk hinter der unverändert
großen Kneipe und Galerie ist zwar etwas eng, bietet dafür
aber endlich eine feste Bühne, Garderoben und einen Technik-Stand.
Ute Weiherer, bekannt durch das boshaft-alternative Faschingskabarett
Dullnraamer, die mit ihrem Mann Uwe für das Programm
verantwortlich zeichnet, erklärt: Der Schwerpunkt liegt
auf dem Kabarett, doch einmal monatlich gibt es hier auch Impro-Theater
sowie immer wieder Eigenproduktionen, Gastspiele, Rezitationen
und mehr. Wir sehen in der Bagaasch mehr als nur eine Ausweichstätte
für das renovierte Kufo Schlachthof.
Mittlerweile haben die Weiherers den Traum von der eigenen Spielstätte
konkrete Wirklichkeit werden lassen, die Premiere ist erfolgreich
absolviert und man schreitet zu neuen Taten. Herzstück des
Konzeptes ist das Bagaasch-Ensemble bestehend aus Nicole Daniel,
Andreas Donnelly, Anke Fäller, Reinhard Heller-Brehm, Karsten
Kunde, Heike Moll, Matthes Muth, Doris Staudt, Beate Tirschner,
Kalle Zuber u.a. Einmal im Monat nehmen sie die politisch-gesellschaftlichen
Zustände aufs Korn (wie bisher z.B. in Oktober-Impressionen
- Kärwa Ernte Danke und dem ultimativen November-Depri-Programm),
doch gab es inzwischen auch schon das Mitte 40-Kabarett-Programm
der Weiherers, eine Baudelaire-Rezitation mit Karsten Kunde, Impro-Theater
mit den Nachwachsenden Rohstoffen, eine Ausstellung
von Yvonne Germann, Kindertheater mit dem Theater Mario,
ein Jazz-Pop-Konzert von Paudra Project und ein Wien-Happening
unter dem Motto Wir grüßen den Zentralfriedhof!.
Ähnlich bunt wird es im Bagaasch-Programm auch weitergehen.
Wem das zu anstrengend ist, der sollte sich in den neuen Couch
Club begeben, der ebenfalls am 27. 9. eröffnete und
sein Motto absitzen, abhängen, absacken völlig
zu Recht trägt. Im rechten Teil der unteren Kneipe erwarten
urgemütliche Liegestühle, Hängematten, eine Hollywoodschaukel
und relaxtes Südseeflair die Gäste. Es darf in luftiger
Kaffeehaus-Atmosphäre bei indischen Snacks, Bierausschank
und mehr von Donnerstag bis Sonntag geschaukelt und entspannt
werden! Das Licht ist sanft indirekt, die Farben harmonisch sandig.
Auch die ehemalige Galerie unten, die jetzt unter
Abteilung bildende Kunst firmiert, wartet mit neuem
Programm auf. Der letzte in den lichtdurchfluteten Räumen
vorgestellte Künstler war Comic- Meister Gerd Bauer, nun
soll eine Ausstellung Malende Musikanten - Musizierende
Maler von und mit Lokalgrößen wie Keili Keilhofer
und Garry Schmidt folgen. Wir wollen diese Musiker mal von
einer anderen Seite präsentieren, erklärt Couch-Club-Macher
Martin Reichel, allgemein als der Märtel von der Koffer
bekannt. Seit er als Pächter das Gelände an der Stadtgrenze
mit runderneuertem Konzept ganz unter seine Fittiche genommen
hat, ist wieder richtig was los, der monatelange Stillstand scheint
überwunden. Manches scheint, wie die Galerie, etwas übersichtlicher
und klarer als früher gegliedert. Und das ist schließlich
kein Nachteil, besonders, weil die alte Gemütlichkeit erhalten
geblieben ist.
Claudia Schuller
Infos und aktuelles Programm unter: www.kofferfabrik-fuerth.de
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