Denk ich an Deutschland in der Nacht ...
Sulzbach-Rosenberger Schülergruppe macht Theater gegen
Rechts
So kam ich unter die Deutschen ist der vielsagende
Titel des Bühnenstücks der Theatergruppe des Sulzbacher
Gymnasiums, mit dem sie am 12. November bei den Theatertagen in
Gostenhof gastierte.
Das Stück beginnt mit einer eindrucksvollen Szene: In ansteigender
Lautstärke lesen die AkteurInnen Zeitungsmeldungen über
rassistische und rechtsradikale Übergriffe gegen MigrantInnen
vor. Daneben erzählt ein Migrant über sein Leben in
Deutschland, über den Rassismus von BürgerInnen und
Staat. Gezielt wird das Publikum auf den alltäglichen Rassismus
in der BRD aufmerksam gemacht, werden typisch deutsche Eigenarten
von Rassismus und Rechtsextremismus dargestellt. Verdeutlicht
wird dies durch Dialoge aus dem Struwwelpeter und
durch Volks- bzw. Kinderlieder
Die Botschaft ist klar: Rassistische Einstellungen beginnen bereits
im Kindesalter und werden oftmals bewusst oder unbewusst durch
Märchen und Lieder weitergegeben. Szenen von Deutschen
Dialogen in Form von Saunagesprächen deutscher Frauen
über vermeintliche Eigenschaften der AusländerInnen
bis zum plump rechtsextremistischen Dialog zweier Nazi-Skins machen
den ZuschauerInnen die Bandbreite des Rechtsextremismus und Rassismus
in Deutschland und die Tatsache, dass sich diese nicht nur durch
prügelnde oder mordende Nazi-Skins äußern, deutlich.
Am besten gelungen ist sicherlich die Abschlussszene: PolitikerInnen
treten mit typischen Neonazi-Accessoires auf und legen dieses
anschließend an einem Kleiderständer ab. Dabei zitieren
sie Stoiber, Beckstein und Schily: Wir brauchen mehr Ausländer,
die uns nützen und weniger, die uns ausnützen,
Das Boot ist voll etc. Schließlich entsteht ein
Nazi-Skinhead, der lautstark Deutschland den Deutschen,
Ausländer raus skandiert. Entsetzt wenden sich die
PolitikerInnen ab und beklagen die wachsende Ausländerfeindlichkeit.
Nach all diesen Ereignissen beschließt der anfangs aufgetretene
Migrant schließlich, Deutschland zu verlassen. Das ist das
tragisches Ende einer MigrantInnen-Karriere in Deutschland, Besserung
der politischen Situation ist nicht in Sicht.
Auffallend professionell
Die 17- und 18jährigen SchülerInnen haben das Stück
gemeinsam konzipiert und geplant. Für ein Schultheater auffallend
professionell, überzeugen sie mit sehr guter schauspielerischer
Leistung. Rassismus und Rechtsextremismus werden nicht isoliert
von gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen betrachtet;
stattdessen werden Zusammenhänge hergestellt und Verbindungen
geknüpft. Das Theaterstück macht deutlich, dass Stoiber,
Schily und Beckstein sowie die sogenannte Neue Mitte
mit ihrer Politik den Boden für Rechtsextremismus bereiten,
dass Neonazismus nicht auf Nazi-Skins beschränkt ist. Damit
geht das Stück weiter als viele andere Schultheateraufführungen,
die sich meist nur oberflächlich mit rechter Gewalt
befassen. Mit den im Schultheater veranschaulichten Positionen
muss sich somit auch ein meist sehr bürgerliches Publikum
auseinandersetzen, das sich unter anderen Umständen einer
Konfrontation mit dieser Problematik wohl entziehen würde.
Markus Beyer
Weitere Aufführungen der Jugendtheatertage findet
ihr im zeittotschläger.
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