Die Solidarisierung der Gleichen aufbrechen
Der BUKO 24 vom 12. - 14. Oktober in München
Der Bundeskongress entwicklungspolitischer Aktionsgruppen
(BUKO) will nicht mehr so heißen, wie er heißt, und
dabei seinen Namen behalten: Bundeskongress oder Bundeskoordination
Internationalismus sind mögliche zukünftige Namen. Das
Kürzel wird beibehalten, und dennoch wird den veränderten
Bedingungen der internationalistischen Politik und der Verbandstrukturen
Rechnung getragen. Da die Arbeit der im BUKO organisierten ca.
160 Gruppen nicht mehr überwiegend aus unterteilten Arbeitsbereichen
besteht, soll auch der jährlich stattfindende Kongress einen
anderen Charakter erhalten. Er soll Treffpunkt verschiedener linker
Gruppen und Einzelpersonen aus den antimilitaristischen, feministischen,
antirassistischen, globalisierungskritischen Spektren werden.
Einen Anfang machte der BUKO 24, der vom 12. bis 14. Oktober
in München stattfand: Aus ganz Deutschland trafen sich Interessierte,
um das weitere Vorgehen gegen den Krieg zu diskutieren. Doch misst
man die Reichweite der Debatten an der Abschlusserklärung,
so wird deutlich, dass auch im linksradikalen Spektrum seit den
Terroranschlägen mehr Fragen als Antworten vorhanden sind.
Dabei sahen die Perspektiven vor dem 11. September zumindest
klarer aus. Nach den Ereignissen in Genua schien die Politik der
mächtigeren Staaten und der sie prägenden supranationalen
Institutionen in der Öffentlichkeit zumindest ramponiert,
einige sprachen gar von einer Delegitimierung. Die Staatschefs
müssten sich in Festungen, ins Internet oder in die Rocky
Mountains zurückziehen, um den Widerständen gegen die
bis dato als sakrosankte und alternativlos geltende neoliberale
Politik trotzen zu können. Dies war durchaus ein Erfolg der
Proteste, für die mittlerweile eine Reihe von Städtenamen
stehen, zuletzt Genua
Doch für die globalisierungskritische Bewegung gilt tatsächlich,
dass die Welt nach dem 11. September eine andere geworden ist.
Die im Anschluss an die Terroranschläge dominierenden Diskurse
teilen die Welt in Gut und Böse, für oder gegen den
Terrorismus - jeder Widerstand, gleich aus welcher
Motivation, wird in dieses Raster gezwängt, auch der globalisierungskritische.
Wer in seiner Analyse versucht, dem Raster von Freund oder Feind
der Zivilisation zu entkommen, befindet sich in einem Dilemma.
So war denn auch der Antiamerikanismus in der Linken beim BUKO
24 der zentrale Streitpunkt: Die einen meinten, man müsse
Imperialismus auch noch als solchen benennen können, somit
auch die dem Krieg zugrunde liegenden US-amerikanischen Interessen.
Die Selbstkritik der Linken bezüglich antiamerikanischer
Argumentationsfiguren sei größer als solche tatsächlich
bemüht würden. Andere warnten vor Vereinfachungen in
der Analyse und verwiesen auf den antisemitischen Charakter der
Anschläge. Einigkeit bestand darin, dass die Anschläge
nichts mit einer Kritik neoliberaler Globalisierung zu tun hätten,
dass es kein Krieg zwischen Arm und Reich sei, den der Süden
dem Norden erklärt hätte.
Es gibt keine Gleichen in diesem Krieg. Auch wenn es viele Menschen
im Süden gibt, die sich zumindest klammheimlich freuten,
so eint sie kein sich aus den Ereignissen ergebendes gemeinsames
Interesse. Wenn dies doch behauptet wird, so ist diese Solidarisierung
unter Gleichen aufzubrechen bzw. mit den bescheidenen Mitteln
der hiesigen Linken zu denunzieren. Dasselbe gilt für die
Länder des Nordens: Jeder, der beim vorgeblichen Kampf gegen
den Terrorismus mitmachen darf, ist auf seine Interessen zu prüfen
und dementsprechend zu bekämpfen.
Für Deutschland heißt das zum Einen, die Kriegspropaganda
zu denunzieren und Deutschlands nun auch militärischen Schritt
unter die Normalen der Weltpolitik zu behindern, wo immer es geht.
Ob sich dies im Bündnis mit der sich formierenden Antikriegsbewegung
machen lässt, wird vor allem von den Positionen abhängen,
die eine linksradikale antimilitaristische Bewegung in Abgrenzung
zu dem Gut-Böse-Schema erarbeiten kann. Die Ablehnung der
militärischen Gewalt und des Islamismus, die Überzeugung,
dass Krieg den Terrorismus nicht besiegen kann und dass die sich
verschärfenden innenpolitischen Verhältnisse zu bekämpfen
sind, werden für diese Positionsbestimmung nicht ausreichen
- das zeigten die Kontroversen beim Kongress. Zum Anderen heißt
das, sich hier im Norden für eine radikale Änderung
der Politik gegenüber dem Süden einzusetzen und zwar
entlang der Forderungen, die schon seit langem gestellt werden.
Durch diese Auseinandersetzungen sollen weiterreichende Alternativen
entwickelt werden - letztlich auch solche, die die Veränderung
der hiesigen Verhältnisse einschließen.
Was aus den beim BUKO 24 angestoßenen Diskussionen folgt,
wird sich spätestens beim nächsten BUKO zeigen - doch
hoffentlich schon früher. Der Jubiläumskongress BUKO
25 findet vom 9. bis 12. Mai 2002 in Frankfurt a.M. statt. Er
soll eine Zäsur in der bisherigen Konzeption der jährlichen
Treffen darstellen: Weg vom Mitgliedertreffen hin zu einem linken
Internationalismuskongress, zur Abwechslung auch mit internationaler
Beteiligung.
Infos unter: buko25@gmx.de.
Nächstes Treffen: 15.12 Frankfurt a.M. Eine Auswertung des
Kongresses unter: www.buko24.de
und demnächst in: alaska. Zeitschrift für Internationalismus
(Bestellung bei: redaktionalaska@vobis.net)
Alexander Schudy - BUKO Arbeitsschwerpunkt
Weltwirtschaft
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