EDITORIAL
LiebeR LeserIn,
nun muss ich aber mal ein ernstes Wörtchen mit Dir reden.
Wenn du meinst, dass das so weitergeht mit uns zwei, hast Du Dich
aber geschnitten. Nein, irgendwie müssen wir beide mal ernsthaft
über unsere Beziehung reden. Meinst Du ich habe Lust mein ganzes
Leben nur nach Dir zu richten, nur für Dich da zu sein, und
dabei nichts als garstige Widerworte zu hören. Du behandelst
mich wie einen dreckigen Fetzen, schaust mich nicht einmal mehr richtig
an. Siehst Du eigentlich noch, wenn ich eine neue Frisur habe? Manchmal
habe ich das Gefühl, du möchtest mich möglichst schnell
lesen und danach - ab ins Altpapier!
Und dann - Deine leichtfertigen Worte, die mich bis ins Innerste
verletzen: Die Bildzeitung ist grösser, die Neue Revue ist bunter,
die Muppetshow ist lustiger, das Bild auf der vorigen Titelseite
ist falsch, weil die DESI ein Stadtteilzentrum und kein von
Kürzung bedrohter Kulturladen ist. Falsch?? Falsch?? Was soll
denn das? Ein Bild ist schön oder scheußlich, aber doch
nicht falsch! Weißt Du wie weh das tut?
Warum sagst Du nicht, du siehst zauberhaft aus RAUMZEIT. Ich will
Dich auf Händen tragen, RAUMZEIT - wenn's sein muss bis ans
Ende der Welt. Deine kleinen Druckfehler sind das Salz in der Suppe
unserer Liebe. So was könntest Du doch sagen.
Aber Du siehst mich nur an, mit kalten prüfenden Augen, ohne
Liebe; füllst nicht mal diesen ABOZETTEL hier unten aus, und
sei es nur, um Zuneigung wenigstens zu heucheln. Was weisst Du von
meiner lodernden Leidenschaft, meinem gebrochenen Herzen, den gebrochenen
Kugelschreiberminen meiner RedakteurInnen, den unter Schmerzen geborenen
Zeilenumbrüchen, jeder einzelne davon nur Dir zugedacht, dem
abgebrochenen Studium eines Handverkäufers, den gebrochenen
Händen einer Werbeaquisiteurin - bei dieser Gelegenheit liebe
Grüsse in ein kahles, trostloses Krankenzimmer....
Nein, von all jenen Brüchen weisst Du rein nichts - und sei
ehrlich, sie interessieren Dich auch nicht. Ich glaube es ist wirklich
Zeit, dass wir uns für eine Weile trennen. Komm zur Besinnung,
geh in Dich, denke über Deine Herzlosigkeit nach. Und wenn ich
am 15. Februar wieder erscheine will ich von Dir hören: «Verlass
mich nie wieder RAUMZEIT, ich will Dir von nun an für immer
treu sein».
Es herzt Dich
Deine Dich doch irgendwie liebende
RAUMZEIT
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