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Editorial
Liebe LeserInLiebesbriefe und Abschied bis
Februar...

Top Themen
Die Linke ist angeekelt!Interview um und über die Wahlen in den USA
In the Belly of the Beast:Dem Aufstand in Seattle folgte die Repression gegen die
US-Linke
"Chef, ich habe es für Dich
getan"Vor 20 Jahren:
Die "schwierigen" Ermittlungen gegen den rechtsextremen Mörder Karl-Heinz
Hoffmann
Tatort Zivilcourage§129a Ermittlungen gegen Passauer
Antifaschisten

Kommentar &
Diskussion
Keine Klasse im Nahen
Osten??Diskussion:
Linker Antisemitismus oder internationalistische Solidarität?
Dem Ochsen ist das nicht
gestattetKommentar von Moshe Zuckermann zu Israel
und der deutschen Linken
Kommentierter
MonatsrückblickWolfgang Schlicht blickt zurück
Die MaßnahmeTagebuch einer Qualifizierungsmaßnahme
"Linke Mythen in bunten Tüten"
Meinung: Tomek mags nicht tanzen
lassen

Partisanen
Frauen in der ResistenzaDie historische Bedeutung weiblichen Widerstands in
Italien
In den Untergrund zu müssen war wie eine
BeförderungDie
Geschichte der Partisanin "Mirka"
"Obenauf die Kartoffeln, darunter die
Flugblätter"Giacomma
Castagnetti: Als "Staffetta" in der
Resistenza

Kulturrevolution
Mipsel Ritop SmorpProjekt Log.in: Vernetzung als Kunstform
Female SequencesFeminismus - Pop - Widerstand - Diskurs in
Österreich
Internationale Hofer Filmtage 2000
Rotes Haus
Eine unverkrampft politische Band im Interview

Glosse
Falsch gelocht, Gutgrün?Warum die Nürnberger Grünen einmal falsch
stimmten

Staat &
Bewegung
Ein besetztes Haus ist wie ein neues
LebenErinnerungen an
die erste Hausbesetzung in den Nürnberger
80igern
Auf dem legalen Weg in einen
Polizeistaat?Eine
juristische Aufarbeitung über den gefährlichen
Abgrund "Innere Sicherheit"
Für das Recht auf
BewegungsfreiheitResidenzpflicht: Flüchtlinge sind Gefangene ohne goldene
Ketten
"Das Spiel ist aus, Sie gehen jetzt nach
Haus"In
Herzogenaurach wehren sich Jugendliche gegen
Nazipräsenz
Antifaschismus macht SchuleBehörden ermitteln
gegen Antifaschüler
Luxemburg-Liebknecht-DemoIn
Berlin trifft sich jährlich die Linke zum Gedenken
Ökologisch DirektÖkologie-Netzwerk trifft
sich
Jugend Umwelt Kongress
Erklärung an die "Szene"Nürnberg: Projektwerkstatt löst sich
auf

Buch &
Ausstellung
"Meine Krankheit heißt Auschwitz, und die ist
unheilbar"Eine verspätete Reminiszenz an die
deutsch-jüdische Schriftstellerin Grete Weil
Va Banque!Die Kulturgeschichte des Bankraubs
VERBRIEFTE VERSÖHNUNG Kritik: Ausstellung über die
Briefe von Kindern an ihre
Soldatenväter

Zeitvertreib
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Kulturrevolution
FEMALE SEQUENCES - NYLON - COCO
Feminismus/Pop/Widerstand/Diskurs in Österreich
Ich musste erst mal wieder nach Hamburg auf´s Frauenmusiksymposium
fahren, um frohe Botschaften zu entdecken. Die popfeministische Vernetzung,
die von der Elbmetropole ausgeht, reicht mittlerweile bis nach Wien
und so waren zwischen den Vorträgen zu Musikerinnen und Internet
(s.a.YOT u. RADIO Z) auf dem Büchertisch gleich eins, zwei,
drei interessante Magazine zu entdecken, von denen eines, NYLON,
nicht nur bereits in der Novemberausgabe von Akte XX (Radio Z, 2.
Freitag, 22-24 Uhr) vorgestellt wurde, sondern es gar in die Seiten
des neuen «Intro» (diesmal der Schwerpunkt «SIE»!)
geschafft hat.
Aber von Anfang an: Es mag wohl auch an der politischen Lage
in Österreich liegen, die Widerstand auf vielen Ebenen notwendig
macht gegen das, was eine schwarzblaue Regierung an bitteren Kelchen
präsentiert, sagen mir Nicole Mahal und Rosemarie Reitsamer
von FEMALE SEQUENCES - Untertitel: FrauenLesbenKulturheft. Das Editorial
der Nullnummer vom Juni dieses Jahres verweist auf programmatische
Zusammenhänge: «Es war zu erwarten, daß es kein Frauenministerium
mehr geben wird. Es ist auch zu erwarten, daß Frauenrechte in
Zukunft mit Füßen getreten werden. Und es ist weiters zu
erwarten, daß das politische Klima Österreichs Rassismus,
Antisemitismus und Antiziganismus noch weiter verstärken wird.
Selbst linke, um eine kritische Gegenöffentlichkeit Bemühte
kümmern sich kaum um die Auswirkungen der rechtskonservativen
Politik auf FrauenLesbenMädchen.» Im Vordergrund steht
Relevantes aus dem Kulturbereich und der meint in FEMALE SEQUENCES
Musik, Film, Theater, bildende Kunst. Wenn Künstlerinnen von
Aktion 11 sich im Round-Table-Gespäch selbst interviewen, nimmt
das einen feinen Ton ätzender (Selbst)Ironie an. Ernsthafter
geht es im Beitrag über Selbstbewußtsein, Selbstverständnis
und Vorbilder für Frauen im Kunstbetrieb zu. Wie antirassistische
Politik und Kunst zusammen gehen, ist im spannenden Interview mit
der Filmemacherin Karin Berger und der Rom Ceija Stojka nachzulesen.
Karin Berger hat einen Film über Ceija Stojka gedreht, die wiederum
u.a. «Wir leben im Verborgenen» über ihre Zeit im
KZ geschrieben und bei Alligator Records eine CD veröffentlicht
hat. Überblickhaft Informatives gibt es auch zum Thema «Frauen
in der elektronischen Musik». DJs mit inbegriffen - in Österreich
gibt es mit «Female Pressure» sogar einen DJ-Pool, in
den übrigens auch Männer gucken dürfen: www.indigo-inc.at.
Und wer sonst bitte, hat sich je um ein Interview mit Monica BouBou
- der großen Geigerin an der Seite des kleinen Bobby Conn -
bemüht? FEMALE SEQUENCES liegen hier sehr richtig. Außerdem:
je von Lesbian Pulp Novels gehört? Ein florierendes Genre in
den USA der prüden 50 er Jahre, das lesbische Frauen mal systemkonform,
mal leicht rebellisch bevorzugt in Institutionen wie College, Gefängnis,
Militär sichtete, und die Norm zwischen Dreierbeziehung (zwei
Frauen, ein Mann) und lesbischem Underground suchte. Und was sonst
noch der Inhalte mehr sind: Sprache und Diskriminierung, Frauen und
das Web, Essays, Gedichte, Zeichnungen. Ist doch fast alles drin,
oder?
NYLON ist (ein) KunstStoff
Aber Wien ist ein größeres Dorf und das hat Platz für
mehr. Die Unterschiede mögen fein erscheinen, doch sind sie
auf ihre Art relevant. NYLON nennt sich KunstStoff zu Feminismus
und Popkultur und verweist damit gleich auf die Künstlichkeit
von Identitäten und Unterschieden: ein diskursiver Unterschied,
der kruden Biologismen Absagen erteilt und sich doch an der Realität
reiben muss, die sich das, was Gender meint, eben in weiten Teilen
noch nicht einverleibt hat. NYLON gibt den Reibungsflächen Raum,
schaut Oberflächen an und hinterfragt. Der studentische - i.e.
wissenschaftliche - Hintergrund der Autorinnen ist unübersehbar
- da Cultural und Feminist Studies aber im deutschsprachigen Raum
keine Selbstverständlichkeit an den Universitäten sind,
wird hier ein mögliches Forum geboten, gerade für Interessierte
aus dem popkulturellen Diskursbereich, der ja in den meisten entsprechenden
Magazinen männlich geprägt ist. Damit das nicht so trocken
ist, wie es klingen mag, verweist das Design ein wenig auf vorherrschende
Glam-Styles und -Moden und läßt sich das Editorial der
ersten Ausgabe auch in diesem Sinne interpretieren. «... ein
... emphatisches Bekenntnis zu einer Weiblichkeitskultur, die Glamour
zum unverzichtbaren Bestandteil des Denkens, des Auftretens und sogar
des theoretischen Instrumentariums in der kritischen Analyse von
Gesellschaft und Popkultur macht,» urteilte die Frankfurter
Rundschau. Sven Opitz moniert allerdings leise im Intro, «denn
schreiben dürfen für Nylon nur biologische Frauen über
biologische Frauen. Ganz abgesehen davon, dass die spielerische Offenheit
der Gender-Debatte auf diese Weise wieder auf eine ,Metaphysik der
Substanz' zuläuft, scheint ein derartiges Vorgehen die Frage
nach den Ausschlüssen, die eine politische Identität immer
produziert, auszublenden.» Ja, da spricht sie, die Realität,
an der es sich zu reiben gilt. Wenn Männer was alleine machen,
wundert sich - Butler hin, Flittchen Records her- kein Mensch und
niemand beklagt sich gleich gar, aber wenn mal ein paar Frauen zugange
sind, schmerzt doch gleich der gichtige Zeh. Oder doch der Kopf?
Im ersten Editorial heißt es übrigens: «Frauen und
Nylon. Nylon ist KunstStoff. KunstStoff ist unser Material. Weibliche
Konstrukte - konstruierte Wirklichkeit. Alltag feministisch dekonstruieren
und neu beschreiben. Feminismus und Popkultur. Popkultur ist banal.
Banalität ist politisch, Kultur hat keine Bedeutung an sich.
Bedeutung wird verliehen, erzeugt und verhandelt. Wir geben Kultur
unsere Bedeutung. Freie Medien - jetzt erst recht.» Die Artikel
befassen sich mit dem höchst diskussionswürdigen Projekt
«Titten gegen Rassismus», mit Frauen und Clubkultur,
Cultural Studies und Pop, vom Generationswechsel im Feminismus, Repräsentationen
lesbischer Sexualität, Geschlechterrollen in japanischen Comics,
Girl Groups in den 60ern und in den 90ern und den Chicks on Speed.
Plus News und Reviews.
COCO against Schnittchenfresser
Ja, der Herr Opitz vom Intro hätte vielleicht besser COSMONAUT`S
COLLECTIVE - zärtlich als COCO abgekürzt - gelesen. Hier
rollt sich das Feld weiter auf, in Richtung widerständiges Kunstmagazin.
Freie Medien sind eine Notwendigkeit, aber «Objektiv ist ein
Arbeitsbehelf» warnt COCO gleich zu Beginn und fragt erstmal:
Was tun wir eigentlich auf den Demos, über die die etablierten
Medien längst nicht mehr berichten? Was ist Widerstand? Wenn
eine/r (in Österreich) lieber eine schwarzrote oder eine rotgrüne
Koalition hätte? Oder mit der EU-Fahne zur Demo geht? Der oder
die «akzeptiert zumindest die grausamen Gesetze, die das Schengener
Abkommen gebracht hat. Wer mit o5 demonstriert und dieses Zeichen
des Widerstands an sämtliche Stellen sprüht und kritzelt,
arbeitet mit einem Symbol, das den bürgerlichen Widerstand in
der Endphase des 2. Weltkriegs repräsentiert und vergisst damit
die WiderstandskämpferInnen, die bereits ab 1934 ihr Leben lassen
mussten...»
COCO richtet den Blick auf rassistische Politiken in Österreich
und den USA - «Freeze Nigger» kombiniert Auszüge
aus relevanten Rap-Texten mit einem Bericht über rassistische
Polizeieinsätze in New York (Stichworte: Zero Tolerance, Racial
Profiling, Street Crime Unit) und einem Interview mit der Journalistin
Katharina Weingartner, die seit neun Jahren in New York lebt und
arbeitet (und z.B. mit Anette Baldauf eins der wenigen deutschsprachigen
Bücher zu Feminimus und Popkultur herausgegeben hat: «Lips.
Tits. Hits. Power?») Andererseits geht es um den politisch-kulturellen
Rahmen künstlerischer Arbeit: für wen und wann produziert
der/die KünstlerIn, warum wann was ausstellen - oder doch lieber
nicht? Weil eh nur die SchnittchenfresserInnen und Promigeilen auf
den Vernissagen herumstolpern - oder weil einfach der Kontext nicht
passt, Kunst in einem Rahmen präsentiert wird, der sich mit
den Ansichten und Einstellungen der KünstlerInnen so gar nicht
verträgt? Die Politiken der Kunst nehmen recht breiten Raum
ein. Die Popkultur wird très trendy vertreten durch ein verspieltes
Felix-Kubin-Interview, sowie Sleater Kinney und Godspeed You Black
Emperor. Robert Zöchling, Obmann der Vereinigung alternativer
Zeitschriften und Infodienstbetreiber, äußert sich zu Medien
gegen die Medien. Platz ist auch für experimentelles Schreiben
und ein bisschen Kunst.
Nein, ich habe kein Lieblingsheft. Anspruch und Qualität
aller bislang erschienenen Nummern sind hoch und können sicher
nur mit Solidarität gehalten werden.
FEMALE SEQUENCES Postfach 14 A-1041
Wien Fem.seq@gmx.at
2 x im Jahr
NYLON Postfach 2 A-1172 Wien
Nylon.kunststoff@gmx.net
3 x im Jahr
COSMONAUT`S COLLECTIVE Neustiftgasse 81/1
A-1070 Wien
Coco-collective@gmx.net
Und in der BRD? Mehr im nächsten Heft. But get a RAUMZEIT-ABO
first!
Tine Plesch
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